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Harvard: 90-120 Min. Krafttraining pro Woche für ein längeres Leben

Harvard-Studie mit 147.000 Erwachsenen zeigt: 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Sterberisiko um 13 Prozent.

Close-up of a person's hands and legs lifting a loaded barbell on a gym floor in natural light.

Die Harvard-Studie, die alles verändert

Krafttraining ist gut für dich. Das wusstest du wahrscheinlich schon. Aber wie viel Krafttraining genau du brauchst, um wirklich länger zu leben. Das war bislang unklar. Eine neue Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health liefert jetzt die präziseste Antwort, die die Wissenschaft je gegeben hat.

Über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren haben die Forschenden rund 147.000 Erwachsene begleitet und ihre Trainingsgewohnheiten mit ihrer Sterblichkeit verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Wer regelmäßig mit Gewichten trainiert, lebt statistisch gesehen länger. Und es gibt einen konkreten Bereich, in dem der Effekt am stärksten ist.

Diese Studie ist kein weiterer allgemeiner Hinweis, mehr Sport zu treiben. Sie nennt eine Zahl. Und diese Zahl verändert, wie wir über Trainingsplanung denken sollten.

Das Krafttraining-Fenster: 90 bis 120 Minuten pro Woche

Der sogenannte Sweet Spot liegt laut Harvard bei 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche. Wer sich in diesem Bereich bewegt, hat ein um 13 Prozent niedrigeres Risiko, vorzeitig zu sterben. Das klingt nach einer kleinen Zahl, ist es aber nicht. Auf Bevölkerungsebene ist das ein gewaltiger Effekt.

Interessant ist, was außerhalb dieses Fensters passiert. Weniger als 90 Minuten pro Woche bringt zwar immer noch Vorteile, aber der Effekt ist schwächer. Und wer deutlich über 130 bis 140 Minuten hinausgeht, sieht keinen zusätzlichen Nutzen mehr. Die Kurve flacht ab. Mehr ist in diesem Fall nicht besser, sondern schlicht neutral.

Für den Alltag bedeutet das: Zwei bis drei moderate Krafteinheiten pro Woche reichen vollkommen aus. Eine 45-minütige Session dreimal die Woche trifft den Bereich genau. Du musst kein Profisportler sein und keine täglichen Stunden im Gym verbringen, um den maximalen Schutzeffekt zu erzielen. Wie du diese optimale Anzahl an Krafteinheiten konkret in deinen Wochenplan übersetzt, lässt sich mit etwas Planung leicht umsetzen.

Wenn Kraft auf Ausdauer trifft: der Kombinationseffekt

Die vielleicht spannendste Erkenntnis der Studie ist nicht das Krafttraining allein. Es ist die Kombination aus Krafttraining und Ausdauertraining, die die größten Effekte auf die Sterblichkeit zeigt. Wer beides regelmäßig macht, profitiert deutlich mehr als jemand, der sich nur auf eine Trainingsform konzentriert.

Die Forschenden beobachteten, dass Teilnehmende, die sowohl die Krafttraining-Schwelle erreichten als auch die aktuellen Empfehlungen für aerobe Aktivität erfüllten, die niedrigsten Sterblichkeitsraten in der gesamten Kohorte aufwiesen. Das Herz-Kreislauf-System und der Bewegungsapparat profitieren auf unterschiedliche Weisen. Und genau diese Kombination der Adaptationen scheint den Unterschied zu machen.

Konkret heißt das für deine Trainingsplanung: Laufen, Radfahren oder Schwimmen bleibt relevant. Es geht nicht darum, Cardio durch Krafttraining zu ersetzen. Die Botschaft lautet vielmehr: Ergänze dein Ausdauertraining mit gezieltem Widerstandstraining, und du aktivierst einen Schutzeffekt, den keine der beiden Trainingsformen allein erreichen kann. Eine Kombination aus Kraft und Cardio senkt das Sterberisiko um bis zu 41 Prozent – mehr als jede Trainingsform für sich allein.

  • Nur Krafttraining: 13 Prozent niedrigeres Risiko für vorzeitigen Tod
  • Nur Ausdauertraining: Signifikante Reduktion des Herz-Kreislauf-Risikos
  • Kombination aus beiden: Größte Gesamtreduktion der Sterblichkeit in der Studie

Warum diese Studie präziser ist als alle bisherigen Empfehlungen

Die gängigen Leitlinien, zum Beispiel die des American College of Sports Medicine, empfehlen Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche. Das ist eine sinnvolle Orientierung, aber sie sagt dir nichts über die optimale Dauer. Zwei Tage können 30 Minuten bedeuten. Oder 90. Der Unterschied ist enorm.

Frühere Studien zum Sweet Spot von Krafttraining haben meistens mit kleineren Stichproben gearbeitet oder kürzere Beobachtungszeiträume gehabt. Was die Harvard-Studie auszeichnet, ist die schiere Größe: 147.000 Personen über bis zu drei Jahrzehnte. Das gibt den Ergebnissen ein statistisches Gewicht, das kaum zu übersehen ist.

Außerdem wurde in dieser Studie konsequent nach Krafttraining als eigenständige Variable gefragt. Viele frühere Untersuchungen haben körperliche Aktivität zu breit gefasst und dabei nicht klar zwischen aerober und muskelaufbauender Belastung unterschieden. Harvard hat diese Lücke geschlossen. Und das Ergebnis ist eine der bislang klarsten Handlungsempfehlungen, die die Sportwissenschaft je formuliert hat.

Das bedeutet nicht, dass du dein Training ab sofort auf die Minute optimieren musst. Aber es bedeutet, dass du weißt: Irgendwo zwischen 90 und 120 Minuten pro Woche liegt dein biologisches Optimum. Alles darunter ist gut. Alles darüber ist kein Problem. Aber dieser Bereich ist der Bereich, in dem dein Körper die stärkste Schutzwirkung erfährt.