HYROX

HYROX Doubles Strategie: So gewinnst du als Team

Im HYROX Doubles gewinnen die Teams, die Stärken klug aufteilen, Übergaben trainieren und ihren Plan flexibel anpassen können.

Die richtige Aufteilung an den Work Stations: Stärken gezielt einsetzen

Im HYROX Doubles-Format teilt ihr euch die gesamte Arbeit an den acht Work Stations. Das klingt einfacher als Solo, aber ohne klare Strategie verschenkst du wertvolle Sekunden und riskierst, dass ein Partner schon ausgebrannt ist, bevor die Hälfte der Stationen überstanden ist. Die goldene Regel: Spiel immer die Stärken aus, nicht die Schwächen.

Beim SkiErg übernimmt idealerweise der Partner mit mehr Oberkörperkraft den größeren Anteil. Eine gängige Aufteilung ist 60/40 statt 50/50. Wer kräftigere Schultern und einen stärkeren Latissimus hat, zieht mehr Meter, während der andere bereits frische Beine für die nächste Laufrunde aufbaut. Beim Sled Push gilt dasselbe Prinzip: Der schwerere oder beinstarke Partner schiebt mehr Distanz, weil hier Körpermasse und Beinpower direkten Einfluss auf die Effizienz haben.

Beim Sled Pull spielt Griffkraft und Rückenausdauer eine zentrale Rolle. Wer hier stark ist, sollte die Führung übernehmen. Für das Rudern empfiehlt sich ebenfalls eine asymmetrische Aufteilung: Ein erfahrener Ruderer zieht 600 von 1000 Metern, der andere die verbleibenden 400. Bei den Burpee Broad Jumps ist Gleichmäßigkeit entscheidend. Wer hier zu früh pusht, zahlt später auf der Laufstrecke den Preis. Teilt die Wiederholungen strikt 50/50 auf und halte ein kontrolliertes Tempo.

Die Wall Balls fordern Schulterausdauer und Timing. Wenn ein Partner deutlich kleiner ist, lohnt es sich, die Ballhöhe im Training gemeinsam einzuüben und den Partner mit mehr Schulterpower die erste Hälfte übernehmen zu lassen. Beim Farmers Carry ist Griffkraft das entscheidende Kriterium. Wer hier schwächer ist, sollte in kürzeren Intervallen wechseln, statt bis zum kompletten Griffversagen zu warten. Bei den Sandbag Lunges gewinnt der Partner mit mehr Hüftstabilität und Beinausdauer. Hier lohnt es sich, die Strecke ungleich aufzuteilen und dem stärkeren Partner mehr zuzuweisen.

Pacing und Laufstrategie: So nutzt du die Pausen deines Partners

Der größte Unterschied zwischen Solo und Doubles liegt nicht an den Stationen, sondern auf der Laufstrecke. Während dein Partner arbeitet, läufst du deine Runde. Das bedeutet: Du bekommst kurze Erholungsphasen, aber du darfst sie nicht verschwenden. Die Versuchung, in dieser Zeit zu langsam zu laufen, ist real und fatal.

Plane deine Laufphasen aktiv. Als Faustregel gilt: Läufer mit einer soliden 5-km-Basis sollten die Kilometer-Splits im Doubles um etwa 10 bis 15 Sekunden schneller ansetzen als im Solo-Format, weil die Belastung an den Stationen geringer ist. Nutze die Zeit, in der dein Partner arbeitet, um deinen Herzfrequenz-Level aktiv zu senken. Komm nicht keuchend an die nächste Station, sondern kontrolliert und bereit.

Kommuniziert im Vorfeld klare Zielpaces für jeden Kilometer. Sinnvoll ist eine leicht negative Splittingstrategie: die ersten Runden etwas konservativer, ab Runde 5 gezielt aufdrehen. Besprecht außerdem, wer das Tempo vorgibt, falls ihr eine Strecke gemeinsam lauft. Ein Partner als "Pacemaker" verhindert, dass einer zu früh zieht und der andere abreißt.

Übergänge und Kommunikation: Sekunden, die über Plätze entscheiden

In einem gut eingespielten Doubles-Team sind die Übergänge zwischen den Partnern ein echter Wettbewerbsvorteil. Jeder unnötige Moment des Wartens, jedes zögernde "Bist du fertig?", kostet Zeit. Etabliert klare Übergabe-Signale schon im Training. Ein einfaches, lautes Wort wie "Go" reicht aus. Kein Schulterklopfen, kein Blickkontakt suchen, nur das Signal und sofort der Wechsel.

Plant die Anzahl der Wechsel pro Station vorab. Beim Rudern mit einem 1000-Meter-Ziel beispielsweise: Entscheidet vor dem Start, ob ihr einmal oder zweimal wechselt. Mehrfachwechsel fressen Zeit durch Auf- und Absteigen vom Gerät. Weniger Wechsel bedeuten länger am Stück arbeiten, was wieder Kraft kostet. Die optimale Anzahl ist stationsabhängig und sollte im Training getestet werden.

Häufige Fehler im Doubles-Format sind vorhersehbar und vermeidbar:

  • Unabgestimmte Aufteilung: Beide Partner arbeiten gleichlang, obwohl die Stärken deutlich ungleich sind.
  • Zu langes Warten an der Station: Ein Partner ist fertig, aber der andere ist noch nicht zurück vom Laufen. Lösung: Timing der Wechsel im Training simulieren.
  • Zu hohes Anfangstempo: Besonders bei Paaren, die sich gegenseitig pushen wollen. Die ersten zwei Stationen sind kein Wettkampf unter Partnern.
  • Schlechte Kommunikation mid-race: Wenn der Plan nicht aufgeht, braucht ihr eine Fallback-Strategie. Besprecht vorher zwei oder drei Szenarien.
  • Grifffehler beim Farmers Carry: Der Partner wartet mit dem Gewicht in der Hand, bis er wirklich nicht mehr kann. Besser: Feste Intervalle vereinbaren, etwa alle 25 Meter wechseln.

Gemeinsam trainieren oder getrennt: So bereitet ihr euch als Team vor

Doubles-Teams machen oft den Fehler, ausschließlich gemeinsam zu trainieren. Das Gefühl der Einheit ist gut, aber es verdeckt individuelle Schwachstellen. Die beste Vorbereitung kombiniert beides: getrennte Einheiten zur persönlichen Entwicklung und gemeinsame Sessions zur Synchronisation.

Trainiert getrennt an euren individuellen Schwächen. Wer im SkiErg hinterherhinkt, macht zusätzliche Schulter- und Rückeneinheiten solo. Wer bei den Sandbag Lunges abbricht, trainiert Hüft- und Beinausdauer eigenständig. Zusammen arbeitet ihr dann an der Übergabe-Choreographie, dem Pacing und dem mentalen Zusammenspiel. Plant mindestens zwei vollständige Testläufe als Team in den letzten sechs Wochen vor dem Wettkampf ein – ein strukturierter 8-Wochen-Trainingsplan für HYROX kann dabei helfen, diese Phase gezielt aufzubauen.

Für die Stockholm Worlds gilt das doppelt. Das Feld wird international und die Dichte an eingespielten Teams hoch sein. Wer dort bestehen will, braucht nicht nur Fitness, sondern ein abgestimmtes System. Besprecht nach jedem gemeinsamen Training konkret, was funktioniert hat und was nicht. Haltet die Erkenntnisse fest, idealerweise schriftlich oder per Sprachmemo direkt nach der Einheit, solange alles noch frisch ist.

Am Wettkampftag selbst bleibt der Plan das Fundament, aber Flexibilität ist genauso wichtig. Wenn dein Partner an Station vier sichtlich kämpft, übernimmst du mehr, ohne zu fragen. Dieses gegenseitige Lesen erfordert Vertrauen, das ihr nur durch gemeinsames Training aufbaut. Ein gutes Doubles-Team kommuniziert mit Blicken, nicht nur mit Worten. Das ist der Unterschied zwischen einem Team, das einen Plan ausführt, und einem, das ihn lebt – und das zeigt sich auch darin, wie gut ihr die richtige Strategie für jede Station verinnerlicht habt.