Die Favoritinnen und Favoriten: Wer hat das Zeug zum Weltmeister?
Stockholm, 18. Juni 2026. Die HYROX World Championships in Stockholm kommen nach Schweden, und das Starterfeld ist so stark wie nie zuvor. Zehn Tage vor dem Startschuss lohnt sich ein genauer Blick auf die Athletinnen und Athleten, die das Rennen unter sich ausmachen werden.
Was dieses Jahr anders ist: Es gibt keine klare Dominanzfigur mehr, die das Feld einfach nach Hause läuft. Stattdessen prallen mehrere Storylines aufeinander. Rekordjäger gegen Titelverteidigerinnen. Newcomer gegen gestandene Wettkampfmaschinen. Das macht Stockholm 2026 so schwer vorherzusagen.
Wir haben fünf Namen herausgesucht, die du dir merken solltest. Nicht weil es die einzigen Chancen gibt, sondern weil hinter jedem dieser Athleten eine Geschichte steckt, die den Titel erklären würde.
Lucy Procter und Hidde Weersma: Die neue Generation übernimmt
Lucy Procter, gerade 22 Jahre alt, hat in den letzten zwölf Monaten eine Entwicklung gemacht, die in der HYROX-Welt kaum jemand so erwartet hatte. Den Sprung von der Age-Group-Dominanz in die Elite-Division zu schaffen ist eine Sache. Beim ersten ernsthaften Antreten in Melbourne direkt auf dem Top-15-Podium zu landen ist eine andere.
Was Procter auszeichnet, ist ihre Laufbasis. Ihre Roxzones sind solide, aber es sind die Kilometer zwischen den Stationen, wo sie Zeit gutmacht. In Melbourne hat sie gegen Athletinnen antreten müssen, die teils fünf bis acht Jahre mehr Wettkampferfahrung mitgebracht haben. Dass sie trotzdem vorne war, zeigt, dass hier kein Zufallsresultat entstanden ist.
Mit 22 ist sie die jüngste ernsthafte Titelkandidatin, die Stockholm sehen wird. Ob die Nerven eines Weltmeisterschafts-Finals anders sitzen als Melbourne, bleibt die offene Frage. Aber das Potenzial ist da. Laut und deutlich.
Hidde Weersma hat im April Geschichte geschrieben. Als erster Mann überhaupt hat der 24-jährige Niederländer die HYROX-Distanz in unter 53 Minuten abgeschlossen. Diese Marke ist nicht einfach eine Zahl. Sie ist der neue Maßstab, an dem sich das gesamte Männerfeld misst.
Weersmas Stärke liegt in seiner absoluten Konsequenz durch alle acht Stationen. Andere Athleten haben vielleicht stärkere Einzelwerte in bestimmten Roxzones. Aber Weersma verliert kaum Zeit in den Übergängen, und sein Renntempo hält er bis zur letzten Station durch. Das kostet Körner, die die meisten im letzten Drittel einfach nicht mehr haben.
In Stockholm wird er die Zielscheibe sein. Jeder weiß, was er kann. Jeder wird versuchen, ihn früh unter Druck zu setzen. Wie er darauf reagiert, wenn das Rennen taktischer wird als gewohnt, entscheidet seinen Weltmeistertitel.
Linda Meyer und das Doubles-Duo: Erfahrung gegen Euphorie
Linda Meyer ist die amtierende Weltmeisterin in der Elite Women Division, und sie hat die laufende Saison so abgeliefert, wie du das von einer Favoritin erwartest. Keine dramatischen Ausreißer nach unten, keine verlorenen Rennen, die einen Zweifel säen. Konsistenz auf Weltklasseniveau, Woche für Woche.
Was Meyer von manch anderen Athletinnen unterscheidet, ist ihre Wettkampfintelligenz. Sie geht keine unnötigen Risiken ein, lässt sich nicht von anderen Tempos provozieren und weiß genau, wo sie Zeit sparen kann ohne zu riskieren. Das klingt nach Verwaltung, ist aber in Wahrheit eine hochentwickelte Fähigkeit.
Die einzige echte Bedrohung für ihren Titelverteidigungsplan kommt von Athletinnen wie Procter, die schlicht noch keine Angst vor dem Rampenlicht haben. Meyer wird das wissen. Und sie wird vorbereitet sein.
Im Doubles-Bereich ist das Bild noch klarer. Alexander Rončević und Tim Wenisch haben in London mit 47 Minuten und 41 Sekunden eine Zeit hingelegt, über die andere Teams noch Monate später sprechen. Das Duo agiert wie ein einzelner Organismus. Die Übergaben sind sauber, das Tempo aufeinander abgestimmt, die Stationsverteilung durchdacht.
Was ein Doubles-Team auf diesem Niveau von einem Solostart unterscheidet, ist die schiere Intensität. Wenn du nur die Hälfte der Stationen läufst, kannst du an jeder einzelnen nahe an deinem Maximum operieren. Rončević und Wenisch tun genau das, und das Ergebnis ist eine Zeit, die das Feld in London schon fast demotiviert wirken ließ.
In Stockholm müssen sie zeigen, dass London kein Peak war. Aber nach allem, was die Saison gezeigt hat, spricht wenig dafür, dass dieses Duo seinen besten Tag noch nicht gesehen hat.
Dark Horses und die taktische Wahrheit hinter dem Rennen
Neben den vier genannten Namen gibt es ein Feld, das man nicht unterschätzen sollte. HYROX-Weltmeisterschaften produzieren regelmäßig Athleten, die bis zum Renntag unter dem Radar geblieben sind und dann das Podium umschreiben. Das liegt in der Natur dieses Formats.
Anders als bei klassischen Ausdauersports gibt es bei HYROX keine Möglichkeit, einfach wegzulaufen. Wer in einer Roxzone Zeit verliert, kann das nicht einfach auf dem nächsten Kilometer kompensieren. Das öffnet das Rennen für Athleten, die vielleicht keine Weltrekordzeiten aufweisen, aber ihre eigene Pacing-Strategie nahezu fehlerfrei umsetzen können.
Genau das wird in Stockholm entscheiden. Zehn Tage vor dem Start ist das Training vorbei. Wer jetzt noch versucht, Fitness zu gewinnen, verliert nur Zeit. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, und was bleibt, ist der mentale Plan für die Run-Station-Übergänge.
Diese Übergänge klingen wie ein kleines Detail, sind aber das Herzstück der HYROX-Taktik an jeder Station. Wann gehst du in die nächste Roxzone rein? Wie viel Reserve lässt du dir für die späteren Stationen? Zu früh ins rote Bereich, und Station sechs oder sieben wird zum Albtraum. Zu konservativ, und du verlierst auf den ersten Kilometern wertvolle Sekunden, die du nie zurückholst.
Die Athleten, die in Stockholm das Podium sehen, werden nicht zwingend die Fittesten sein. Sie werden die sein, die dieses Gleichgewicht am besten hinbekommen. Lucy Procter, Hidde Weersma, Linda Meyer und das Doubles-Duo Rončević/Wenisch haben alle gezeigt, dass sie diesen Teil des Rennens verstehen.
- Lucy Procter – jüngste Titelkandidatin, stärkstes Laufprofil im Elite-Feld der Frauen
- Hidde Weersma – erster Sub-53-Mann der Geschichte, der neue Benchmark im Herrenfeld
- Linda Meyer – amtierende Weltmeisterin, mit der konstantesten Saison aller Kandidatinnen
- Alexander Rončević und Tim Wenisch – Doubles-Favoriten nach ihrer 47m41s-Zeit in London
- Das offene Feld – HYROX belohnt Taktik. Wer seinen Plan sauber durchzieht, kann jeden überraschen
Stockholm wartet. Die Frage ist nicht, ob einer dieser Namen auf dem Podium stehen wird. Die Frage ist, wer unter dem Druck des größten Rennens des Jahres die klarste Version seines eigenen Plans abrufen kann.