Neue Studiendaten: Energy Drinks und das Herzrisiko bei jungen Erwachsenen
Eine aktuelle Untersuchung, die diese Woche in einem der führenden kardiologischen Fachjournale veröffentlicht wurde, zieht eine klare Linie zwischen dem Konsum von Energy Drinks und stimulierenden Produkten auf der einen Seite und einem erhöhten Risiko für Herzstillstand sowie Herzinfarkt auf der anderen. Betroffen ist vor allem eine Gruppe, die du wahrscheinlich gut kennst: junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren.
Das ist genau das demografische Profil, das Preworkout-Supplements, Energy Drinks und Koffein-Booster am intensivsten nutzt. Laut den Daten der Studie wiesen Betroffene mit einem schwerwiegenden kardialen Ereignis signifikant häufiger einen regelmäßigen Konsum dieser Produkte auf als die Kontrollgruppe. Die Zahlen sind kein Grund zur Panik. Aber sie sind ein Grund, genauer hinzuschauen.
Was die Studie von früheren Arbeiten unterscheidet: Sie betrachtet nicht nur Koffein isoliert, sondern den kombinierten Effekt mehrerer Inhaltsstoffe unter realen Bedingungen. Also genau das, was passiert, wenn du vor dem Training einen Energy Drink kippst und dann noch einen Pre-Workout-Shot dazu nimmst.
Warum die Mechanismen entscheidend sind
Koffein allein ist in moderaten Mengen für gesunde Erwachsene gut verträglich. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht eine Tagesdosis von bis zu 400 mg als unbedenklich an. Das Problem entsteht nicht durch eine einzelne Tasse Kaffee, sondern durch das sogenannte Koffein-Stacking. Gemeint ist die unbeabsichtigte oder bewusste Kombination mehrerer Koffeinquellen innerhalb kurzer Zeit.
Ein handelsüblicher Energy Drink enthält zwischen 80 und 160 mg Koffein. Ein Pre-Workout-Supplement kommt oft auf 150 bis 300 mg. Wer beides kombiniert und dazu noch eine Kapsel eines Fatburners schluckt, landet locker bei 500 bis 600 mg in unter einer Stunde. Während des Trainings steigt der Blutdruck ohnehin, das Herz schlägt schneller, die Gefäße sind stärker beansprucht. Das Koffein verstärkt genau diese Effekte und verlängert sie.
Taurin, einer der häufigsten Zusatzstoffe in Energy Drinks, hat in Isolation sogar kardioprotektive Eigenschaften gezeigt. Aber in Kombination mit hohen Koffeindosen und körperlicher Belastung verändert sich das Bild. Taurin beeinflusst die Kalziumregulation in Herzmuskelzellen. Unter Stress kann das die elektrische Stabilität des Herzens beeinträchtigen, was das Risiko für Arrhythmien erhöht. Hinzu kommen weitere Substanzen wie Guarana, Synephrin oder Yohimbin, die in vielen Supplements stecken und ebenfalls stimulierend wirken.
Welche Preworkout-Strategien wirklich riskant sind
Die entscheidende Frage für dich als Trainingsathlet ist nicht, ob Koffein generell gefährlich ist. Die Frage ist: Was genau machst du, und wie viel stapelst du dabei? Es gibt einen klaren Unterschied zwischen einer evidenzbasierten Koffein-Strategie und einem hochriskanten Stimulanz-Mix.
Niedrigrisikobereich: Eine einzelne Quelle, klar dosiert, zeitlich abgestimmt. Ein Preworkout mit 150 bis 200 mg Koffein, keine zusätzlichen Energy Drinks, kein Fatburner, kein zweiter Shot während der Session. Die EFSA-Daten zeigen, dass bis zu 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis keine nachteiligen kardiovaskulären Effekte bei gesunden Personen auslöst. Bei 80 kg wären das 240 mg als akzeptabler Höchstwert für eine Einnahme.
Hochrisikobereich: Genau hier wird es gefährlich.
- Mehrfaches Koffein-Stacking: Kombination von Energy Drink, Pre-Workout und weiteren koffeinhaltigen Supplements in einem Zeitfenster von unter zwei Stunden
- Versteckte Stimulanzien: Produkte mit Yohimbin, Synephrin (Bitterorange-Extrakt) oder DMAA, die die kardiovaskuläre Last massiv erhöhen können
- Konsum ohne Essen: Auf nüchternen Magen wird Koffein schneller resorbiert, der Peak ist höher und das Herz-Kreislauf-System reagiert stärker
- Training bei hoher Hitze: Dehydration und Hitze potenzieren die kardiovaskulären Effekte von Stimulanzien erheblich
- Vorbestehende Risikofaktoren: Wenn du gelegentlich Herzrasen spürst, einen erhöhten Blutdruck hast oder familiäre Herzerkrankungen bekannt sind, gilt das als separates Warnsignal
Ein weiterer kritischer Punkt: Viele Supplement-Labels in der EU und den USA sind in der Dosierungsangabe ungenau oder irreführend. Produkte, die als "Proprietary Blend" deklariert sind, verschleiern die genauen Mengen der enthaltenen Wirkstoffe. Du weißt schlicht nicht, wie viel Koffein oder Synephrin tatsächlich drin steckt.
Was du konkret tun kannst, ohne auf Performance zu verzichten
Die Datenlage bedeutet nicht, dass du deinen Pre-Workout-Stack in den Müll werfen musst. Sie bedeutet, dass du smarter vorgehen solltest. Koffein ist einer der am besten untersuchten ergogenen Wirkstoffe überhaupt. Bei korrekter Dosierung verbessert es nachweislich Ausdauerleistung, Kraftoutput und mentale Fokussierung. Der Fehler liegt im Wie, nicht im Was.
Wähle Produkte mit vollständiger Transparenz im Label, also ohne Proprietary Blends. Achte darauf, dass die Gesamtkoffeindosis deiner Preworkout-Einnahme unter 200 mg liegt, wenn du unter 80 kg wiegst, und passe die Dosis nach oben nur dann an, wenn du die tatsächliche Gesamtmenge aller Quellen kennst. Meide Produkte mit Synephrin, Yohimbin oder DMAA-Derivaten. Diese Substanzen haben ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis und sind in einigen EU-Ländern ohnehin reguliert oder verboten.
Lass Koffein zyklisch laufen. Permanente Hochdosierung senkt nicht nur die Wirkung durch Toleranzentwicklung, sie erhöht auch die Baseline-Belastung des kardiovaskulären Systems. Eine Pause von zwei bis vier Wochen alle zwei bis drei Monate senkt die Toleranz wieder und erlaubt es dir, mit niedrigeren Dosen dieselbe Wirkung zu erzielen.
Wenn du ernsthaft trainierst und regelmäßig Stimulanzien nutzt, lohnt sich ein EKG beim Sportmediziner. Das klingt übertrieben, ist aber ein einfacher und günstiger Check, der strukturelle oder elektrische Herzauffälligkeiten ausschließen kann. Gerade wenn du über 25 bist und seit Jahren mit hoher Koffeinlast trainierst, ist das keine Vorsichtsmaßnahme für Hypochonder, sondern eine vernünftige Investition in deine langfristige Gesundheit.
Die neuen Daten sind ein Weckruf. Nicht um Angst zu machen, sondern um klarer zu trennen: zwischen dem, was für deine Performance sinnvoll ist, und dem, was schlicht unnötiges Risiko darstellt.