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Frankreich: 6 % Gym-Penetration, eine Marktchance

Nur 6 % der Franzosen trainieren im Gym. Mit 2,4 Mrd. € Marktvolumen und wachsender Franchise-Expansion zeigt sich: Das echte Wachstum beginnt jetzt.

A lone trainer walks across the floor of a newly converted premium gym in a vast repurposed retail space.

Frankreichs Fitnessmarkt: Groß in Zahlen, klein in Reichweite

Frankreich zählt heute 6.811 Fitnesseinrichtungen und einen Markt, der auf knapp 2,4 Milliarden Euro geschätzt wird. Klingt beeindruckend. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine strukturelle Schwäche, die gleichzeitig die größte Chance für Betreiber darstellt.

Nur 6 Prozent der französischen Bevölkerung sind aktive Gym-Mitglieder. In den Niederlanden liegt dieser Wert bei rund 18 Prozent, in Skandinavien auf ähnlichem Niveau. Frankreich erreicht damit gerade mal ein Drittel der Durchdringungsrate seiner europäischen Nachbarn. Für einen Markt dieser Größe ist das keine Marginalie, sondern ein handfestes strukturelles Defizit.

Die Frage ist nicht, ob der Markt wachsen wird. Die Frage ist, wer diese Lücke füllt und wie. Denn die Potenzialfläche ist enorm: Würde Frankreich nur auf 10 Prozent Penetrationsrate kommen, spräche man von Millionen neuer potenzieller Mitglieder. Betreiber, die das verstehen, positionieren sich schon jetzt – ähnlich wie internationale Ketten, die ihre Expansion per Franchise nach Mitteleuropa vorantreiben.

Leerstände werden zu Trainingsflächen: Das Metz-Beispiel von On Air

Am 10. September 2026 eröffnet On Air einen neuen Club in Metz. Die Location: ein ehemaliges C&A-Ladengeschäft, 2.300 Quadratmeter Verkaufsfläche, umgewandelt in moderne Gym-Infrastruktur. Das ist kein Zufall, sondern ein klares Statement darüber, wohin sich der Markt entwickelt.

Retail stirbt in vielen Innenstädten Frankreichs einen langsamen Tod. Leerstände häufen sich, Vermieter suchen zahlungskräftige Mieter mit langfristigen Perspektiven. Fitnessmarken profitieren davon: Große Flächen zu vergleichsweise günstigen Konditionen, zentrale Lagen, hohe Passantenfrequenz. Die Konversion von Einzelhandelsflächen zu Sportstätten ist keine Notlösung, sie ist ein strategischer Vorteil.

Besonders relevant ist dabei der geografische Fokus. Metz ist keine Metropole. Es ist eine mittelgroße Stadt mit rund 120.000 Einwohnern, typisch für die sekundären Zentren, in denen Franchise-Systeme gerade massiv expandieren. Wer heute in diesen Städten eine starke Markenposition aufbaut, sichert sich Märkte, die morgen deutlich umkämpfter sein werden.

Das Metz-Modell zeigt: Wachstum findet nicht mehr primär in Paris oder Lyon statt. Es findet dort statt, wo Flächen verfügbar sind, Konkurrenz noch überschaubar ist und eine wachsende Mittelschicht nach hochwertigen Freizeitangeboten sucht. Clever positionierte Betreiber haben das erkannt.

Byfitness und das Ende des Preiskampfs

Byfitness in Wittenheim setzt auf einen anderen Ansatz. Kein Low-Cost-Modell, kein anonymes Training auf eigene Faust. Stattdessen: personalisiertes Coaching, betreutes Training, echte Betreuungsstrukturen. Das klingt simpel, ist im französischen Marktkontext aber eine direkte Herausforderung an das Erfolgsmodell der letzten Jahre.

Der Boom des französischen Fitnessmarkts wurde zu großen Teilen durch günstige Angebote wie Basic-Fit oder Neoness getrieben. Niedrige Einstiegshürden, einfache Verträge, minimale Betreuung. Das hat Millionen Menschen den ersten Schritt in ein Studio erleichtert. Aber es hat auch eine Mitgliederbasis erzeugt, die oft nach wenigen Wochen wieder aufhört, weil niemand da ist, der hilft, motiviert oder korrigiert.

Genau hier liegt die Lücke, die Konzepte wie Byfitness adressieren. Wer bereit ist, mehr zu bezahlen, will auch mehr zurückbekommen. Coaching, Gemeinschaft, messbare Ergebnisse. Die Preissensibilität vieler Franzosen ist real, aber sie ist kein Naturgesetz. Sie ist das Resultat eines Markts, der bisher zu wenig Anlass gegeben hat, mehr zu investieren.

Studios, die auf Coaching-Qualität und Bindung setzen, profitieren langfristig von niedrigeren Churn-Raten, höheren durchschnittlichen Umsätzen pro Mitglied und einer loyaleren Community. Wie der ABC Fitness Report 2026 belegt, überlebt langfristig, wer auf Retention statt reine Neugewinnung setzt – kein Luxussegment-Denken, sondern solides Betreibermodell.

Vom Preiskampf zur Positionierungsstrategie: Wo die echte Chance liegt

Der Vergleich mit führenden europäischen Märkten ist ernüchternd und gleichzeitig motivierend. 18 Prozent Gym-Penetration in den Niederlanden sind kein kulturelles Phänomen, das sich nicht übertragen ließe. Es ist das Ergebnis einer ausgereiften Angebotsstruktur, die verschiedene Zielgruppen anspricht: Low-Cost für den Einstieg, Premium für die Bindung, Spezialanbieter für spezifische Bedürfnisse.

Frankreich hat den ersten Teil dieser Gleichung. Was fehlt, ist die Tiefe im mittleren und oberen Segment. Der Markt hat sich zu lange auf einen einzigen Hebel verlassen: den Preis nach unten zu drücken. Das bringt Wachstum, aber es bringt keine Loyalität. Und es bringt keine neuen Segmente in die Studios, die bisher gar nicht erreicht wurden.

Die strukturelle Unterversorgung Frankreichs ist damit keine schlechte Nachricht. Sie ist ein Geschäftsmodell. Operatoren, die jetzt in sekundären Städten Flagge zeigen, die Retail-Flächen in attraktive Trainingsumgebungen verwandeln und gleichzeitig auf echte Begleitung statt anonymes Trainieren setzen, spielen auf einem Feld, das noch wenig besetzt ist.

  • Geografische Expansion in mittelgroße Städte, bevor der Wettbewerb dort ankommt
  • Nutzung von Retail-Leerständen als günstige, zentrale Flächen mit hohem Laufkundenpotenzial
  • Differenzierung durch Coaching und Community statt weiterer Preissenkungen
  • Aufbau von Kundenbindung als strategische Antwort auf hohe Churn-Raten im Low-Cost-Segment

Der französische Fitnessmarkt steht nicht am Anfang. Er steht an einem Wendepunkt. Die nächste Wachstumsphase wird nicht durch günstigere Mitgliedschaften erzeugt, sondern durch bessere Angebote. Betreiber, die das heute verstehen, werden in drei Jahren die Marktführer in ihren Regionen sein.