Gold's Gym und der 15-Unit-Deal, der Southern California aufmischt
Am 28. September 2026 gab Gold's Gym bekannt, dass man mit der Roknipour Investment Group einen Franchise-Entwicklungsvertrag über 15 Standorte unterzeichnet hat. Zielregion: Los Angeles und Orange County. Das klingt auf den ersten Blick nach einer normalen Franchisemeldung. Es ist aber deutlich mehr als das.
Gold's Gym kehrt damit aggressiv in den Markt zurück, in dem die Marke 1965 in Venice Beach geboren wurde. Southern California ist kein weißer Fleck auf der Karte, sondern einer der härtesten Fitnessmärkte der Welt. EOS Fitness, Planet Fitness, F45, Equinox. Die Konkurrenz sitzt buchstäblich an jeder Ecke. Und genau deshalb ist dieser Deal strategisch interessant.
Der Schachzug zeigt, dass Gold's Gym nicht auf organisches Wachstum wartet, sondern gezielt auf kapitalstarke Multi-Unit-Betreiber setzt, die zwei Probleme gleichzeitig lösen können: Immobilien sichern und Standorte skalieren. Wie das in der Praxis funktioniert und was das für den gesamten Gym-Markt bedeutet, schauen wir uns genauer an.
Warum Roknipour Investment Group kein gewöhnlicher Franchisenehmer ist
Die meisten Franchise-Deals scheitern nicht an der Marke. Sie scheitern an den zwei größten Flaschenhälsen im Gym-Rollout: Standortakquise und operatives Skalieren. Beides kostet Zeit, Kapital und Erfahrung. Roknipour bringt beides mit.
Die Roknipour Investment Group ist kein klassischer Fitness-Enthusiast, der seinen ersten Gym eröffnet. Das Unternehmen kombiniert nachgewiesene Erfahrung in der Immobilienentwicklung mit einer etablierten Multi-Unit-Franchising-Struktur. Das ist eine Kombination, die in der Branche selten ist und genau deshalb so wertvoll. Wer selbst Flächen entwickeln oder bewerten kann, verhandelt Mietverträge zu anderen Konditionen als ein reiner Betreiber.
In einem Markt wie dem LA-Becken, wo Gewerbeflächen knapp und teuer sind und Vermieter ihre Mieter sehr selektiv auswählen, ist dieser Immobilien-Background ein echter Wettbewerbsvorteil. Ein typischer Franchisenehmer verbringt oft 12 bis 24 Monate allein mit der Standortsuche. Wer Immobilienkompetenz im eigenen Haus hat, verkürzt diesen Prozess erheblich und kann auch schwierigere Flächen wirtschaftlich erschließen.
Ein Legacy-Brand positioniert sich neu im eigenen Heimatmarkt
Gold's Gym in Venice Beach. Das ist keine gewöhnliche Unternehmensgeschichte. Die Marke ist kulturell mit Southern California verwachsen, mit Bodybuilding, mit Arnold, mit einer Ära, in der Fitness noch kein $40-Milliarden-Markt war. Und genau deshalb ist es bemerkenswert, dass Gold's Gym hier jetzt 15 neue Standorte aufbauen will.
Das Signal dahinter: Die Marke glaubt an den HVLP-Segment (High Value, Low Price) und an den Premium-Hybrid-Ansatz, auch und gerade in einem gesättigten Markt. Gold's Gym konkurriert nicht mehr in der gleichen Kategorie wie 1980. Die Positionierung hat sich verschoben. Modernes Equipment, erweiterte Services, Klassenkurse, manchmal Recovery-Zonen. Das spricht eine andere Zielgruppe an als die klassischen Budget-Gyms.
EOS Fitness hat in den letzten Jahren aggressiv in Südkalifornien expandiert und macht genau in diesem Preissegment Druck. Planet Fitness verkauft Franchise-Anteile strategisch und hält weiter seinen Platz im Low-Cost-Bereich. Gold's Gym positioniert sich mit diesem Deal bewusst zwischen diesen Polen, mit Markengeschichte als Differenzierungsmerkmal und mit Roknipour als Hebel für schnelle, gut kapitalisierte Expansion. Das ist eine klare strategische Entscheidung, keine defensive Reaktion.
Was dieser Deal für unabhängige Betreiber und Regionalketten bedeutet
Wenn du ein unabhängiges Studio oder eine regionale Kette im LA-Becken betreibst, solltest du diesen Deal nicht ignorieren. 15 neue Gold's-Gym-Standorte in deiner Region bedeuten mehr als nur mehr Konkurrenz auf der Straße. Es bedeutet, dass ein gut finanzierter, erfahrener Operator mit einer global erkennbaren Marke systematisch Flächen sichert, bevor du überhaupt anfangen kannst, darüber nachzudenken.
Das zeigt einen strukturellen Unterschied zwischen Franchise-Expansion und organischem Wachstum sehr deutlich:
- Kapitalzugang: Franchise-Strukturen ermöglichen den Aufbau mehrerer Standorte gleichzeitig, ohne dass der Betreiber jeden Dollar selbst aufbringen muss. Roknipour kann mit dem Backing eines etablierten Franchisesystems bei Banken und Investoren anders auftreten.
- Immobilienzugang: Vermieter bevorzugen oft bekannte Marken gegenüber unbekannten Einzelbetreibern. Ein Gold's-Gym-Vertrag öffnet Türen, die einem No-Name-Studio schlicht verschlossen bleiben.
- Skalierungsgeschwindigkeit: Ein Multi-Unit-Operator wie Roknipour kann Prozesse, Teams und Systeme replizieren. Das Rad wird nicht bei jedem Standort neu erfunden. Für unabhängige Betreiber ist genau das der größte Flaschenhals.
- Markenstärke in der Mitgliederakquise: Gold's Gym bringt Bekanntheit mit. Der erste Marketing-Dollar arbeitet effizienter, wenn der Name schon bekannt ist. Ein neues Studio muss diese Bekanntheit erst aufbauen. Das kostet Zeit und Budget.
Für regionale Ketten ist der Fall noch komplexer. Man hat zwar mehr Ressourcen als ein Einzelbetreiber, aber trotzdem selten die Immobilien-Expertise oder die Franchise-Infrastruktur, um ähnlich schnell zu skalieren. Der Deal ist deshalb auch ein Lehrstück darüber, wann es sinnvoll sein kann, selbst über Franchise-Modelle nachzudenken statt alles organisch aufzubauen.
Die eigentliche Botschaft dieses Deals ist nüchtern: In gesättigten Märkten gewinnen die Betreiber, die Immobilien und Kapital als strategische Ressourcen begreifen, nicht nur als operative Notwendigkeit. Gold's Gym und Roknipour Investment Group machen genau das. Und sie tun es in einem Markt, der symbolischer kaum sein könnte — ähnlich wie die Franchise-Konsolidierung in gesättigten europäischen Märkten zeigt, dass gut kapitalisierte Ketten unabhängige Betreiber strukturell verdrängen.