Bart Janssen holt sich den Sieg beim ING Night Marathon 2026
Der niederländische Läufer Bart Janssen hat beim ING Night Marathon 2026 einen beeindruckenden Sieg gefeiert. Mit einer Zeit von 2:11:34 überquerte er die Ziellinie als Erster und setzte damit ein starkes Zeichen für die niederländische Distanzlaufszene. Es war ein Rennen, das viele Zuschauer und Experten gleichermaßen begeisterte.
Janssen, der in diesem Jahr bereits beim Rotterdam Marathon einen Podiumsplatz belegt hatte, zeigte einmal mehr, wie konstant stark er aktuell in Form ist. Sein Rennen war taktisch klug aufgebaut. Er ließ die ersten Kilometer ruhig angehen, arbeitete sich durch das dicht gedrängte Feld und übernahm kurz nach Kilometer 30 die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgab.
Für die Niederlande war dieser Sieg mehr als nur ein Einzelerfolg. Das Land erlebt gerade eine bemerkenswerte Phase im Langstreckenlauf, mit mehreren Athletinnen und Athleten, die auf europäischer Ebene regelmäßig auf sich aufmerksam machen. Janssens Triumph beim Night Marathon reiht sich nahtlos in diese Entwicklung ein.
Warum Nachtmarathons in Europa immer beliebter werden
Der ING Night Marathon steht stellvertretend für einen wachsenden Trend: Immer mehr Läuferinnen und Läufer in Europa entscheiden sich bewusst für Rennen nach Einbruch der Dunkelheit. Die Gründe dafür sind vielfältig, und wer einmal an einem solchen Event teilgenommen hat, versteht den Reiz sofort.
Ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Morgenrennen ist die Temperatur. Besonders in den Sommermonaten kann ein Start am frühen Abend bedeuten, dass du dich über sengende Hitze gar keine Gedanken machen musst. Die kühlere Nachtluft schont den Kreislauf und ermöglicht es vielen Läufern, ihre Bestzeiten zu verbessern. Das ist kein Zufall, sondern Physiologie.
Dazu kommt die Atmosphäre. Stadtmarathons bei Nacht verwandeln sich in ein regelrechtes Spektakel. Leuchtende Streckenmarkierungen, illuminierte Wahrzeichen, feiernde Zuschauer mit Fackeln und Lichtern. Das Erlebnis ist schlicht ein anderes als beim klassischen Sonntagsmorgenrennen. Viele Teilnehmer beschreiben es als intensiver, magischer und unvergesslicher. Kein Wunder also, dass sich Nachtmarathons in Städten wie Luxemburg, Amsterdam oder Wien wachsender Beliebtheit erfreuen.
Die Veranstalter profitieren ebenfalls. Abendrennen lassen sich städtebaulich oft besser integrieren, weil Straßensperrungen weniger den Berufsverkehr behindern. Und für Hobbysportler, die tagsüber arbeiten, ist ein Startschuss um 20 oder 21 Uhr schlicht praktikabler als einer um 8 Uhr morgens.
Training und Vorbereitung für Rennen nach Einbruch der Dunkelheit
Wer einen Nachtmarathon ernsthaft angehen will, kommt nicht darum herum, seine Vorbereitung anzupassen. Es reicht nicht, einfach das gewohnte Trainingsprogramm beizubehalten und beim Rennen auf gut Glück loszulaufen. Dein Körper und dein Kopf müssen auf die besonderen Bedingungen vorbereitet sein.
Der wichtigste erste Schritt: Trainiere regelmäßig auch in der Dunkelheit. Dein Körper muss lernen, mit reduziertem Sichtfeld umzugehen und auf unebenem Untergrund sicher zu laufen. Starte zunächst mit kurzen Abendläufen und steigere die Distanz schrittweise. Dabei solltest du auf folgende Ausrüstung nicht verzichten:
- Stirnlampe: Ein gutes Modell mit mindestens 200 Lumen, damit du Hindernisse frühzeitig erkennst
- Reflektierendes Laufoutfit: Sicherheit geht vor. Andere müssen dich sehen, auch wenn du dich vielleicht zu sicher fühlst
- Rücklicht oder Blink-Clip: Besonders für Trainingsläufe auf öffentlichen Wegen unverzichtbar
- Bekannte Strecken wählen: Gerade am Anfang solltest du Routen nehmen, die du schon bei Tageslicht kennst
Beim Warm-up musst du umdenken. Am Morgen wird dein Körper durch das Tageslicht und einen natürlichen Anstieg des Kortisolspiegels aktiviert. Abends ist das anders. Plane deshalb ein längeres und aktiveres Aufwärmprogramm ein. Mindestens 20 Minuten lockeres Einlaufen, ergänzt durch dynamische Dehnübungen, Drills und kurze Steigerungsläufe. Dein Körper braucht die Zeit, um in den Betriebsmodus zu wechseln.
Pacing-Strategie und mentale Aspekte beim Nachtrennen
Nachtrennen stellen besondere Herausforderungen ans Pacing. Ohne klare Sicht auf die Landschaft und ohne den gewohnten Tagesrhythmus verlierst du leichter das Gefühl für dein Tempo. Viele Läufer berichten, dass sie sich in der Dunkelheit schneller fühlen, als sie tatsächlich sind. Das kann in der zweiten Rennhälfte teuer werden.
Verlass dich deshalb konsequenter auf deine Uhr und deine Herzfrequenz als bei einem Tagesrennen. Gerade in den ersten zehn Kilometern ist Disziplin gefragt. Die euphorische Nacht-Atmosphäre, die Musik, die Lichter. All das kann dazu verleiten, zu schnell loszulegen. Wer sich hier zügelt, hat ab Kilometer 30 die besseren Karten.
Auch die Ernährungsstrategie verdient Aufmerksamkeit. Wenn das Rennen um 20 Uhr startet, musst du deine Mahlzeiten entsprechend planen. Eine größere Mahlzeit solltest du etwa vier Stunden vor dem Start zu dir nehmen, also gegen 16 Uhr. Eine kleine, leicht verdauliche Ergänzung wie eine Banane oder ein Energieriegel zwei Stunden vorher rundet die Vorbereitung ab. Auf fettige oder blähende Speisen solltest du an diesem Tag komplett verzichten.
Mental ist ein Nachtmarathon eine eigene Kategorie. Die Dunkelheit kann isolierend wirken, besonders wenn du in weniger beleuchteten Streckenabschnitten allein unterwegs bist. Bereite dich darauf vor, indem du mentale Anker einbaust. Ein bestimmtes Lied auf deiner inneren Playlist, ein Satz, den du dir wiederholst, oder schlicht das Bewusstsein, dass du diese Situation im Training bereits kennst. Das gibt dir Stabilität, wenn der innere Schweinehund nach Kilometer 35 laut wird.
Bart Janssens Sieg beim ING Night Marathon 2026 ist auch in dieser Hinsicht bemerkenswert. Er hat nicht nur körperlich stark performt, sondern ein taktisch und mental makelloses Rennen abgeliefert. Genau das ist es, was einen Nachtmarathon-Sieg von einem Zufallserfolg unterscheidet.