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Rucken- und Brusttraining konnte das Herz schutzen

Rücken- und Brusttraining schützt das Herz. Eine neue Studie zeigt, warum Rudern und Bankdrücken weit mehr als Ästhetik bringen.

Male athlete performing a chest press exercise, showcasing back and chest muscles in warm golden gym light.

Was eine neue Studie über Rücken- und Brusttraining herausgefunden hat

Wer Bankdrücken und Rudern bisher nur für einen breiten Rücken oder eine definierte Brust gemacht hat, bekommt jetzt einen neuen Grund, diese Übungen zu priorisieren. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass das gezielte Training der Rücken- und Brustmuskulatur einen messbaren Schutzeffekt auf das Herz-Kreislauf-System haben kann. Das geht über die bekannten Vorteile von Ausdauertraining hinaus.

Die Forschenden analysierten dabei nicht einfach allgemeines Krafttraining. Sie isolierten spezifisch die Muskelgruppen des Thorax, also des Brustkorbs und des oberen Rückens, und verglichen deren Trainingseffekte mit anderen Kraftübungen. Das Ergebnis war eindeutig: Wer diese Bereiche regelmäßig trainiert, zeigte messbar günstigere Herzwerte als Vergleichsgruppen ohne gezielten Fokus auf diese Muskeln.

Was die Studie besonders relevant macht: Sie ist nach aktuellem Stand die erste, die Rücken- und Brusttraining als eigenständigen kardioprotektiven Faktor identifiziert. Bisherige Forschung hat Krafttraining im Allgemeinen mit positiven Herzeffekten verbunden. Jetzt gibt es erstmals Hinweise darauf, dass es auf die Muskelgruppen ankommt, nicht nur auf die Intensität oder das Volumen.

Der Mechanismus dahinter: Weniger Druck auf das Herz

Der vorgeschlagene Wirkungsmechanismus klingt zunächst überraschend, ergibt aber physiologisch Sinn. Starke Rücken- und Brustmuskeln verbessern die Körperhaltung und stabilisieren den Brustkorb. Das reduziert den intrathorakalen Druck, also den Druck innerhalb des Brustraums, der direkt auf Herz und große Gefäße wirkt.

Wer dauerhaft in einer vorgebeugten Haltung sitzt oder steht, erhöht diesen Druck unbewusst. Das Herz muss dann gegen eine mechanisch ungünstigere Ausgangslage arbeiten. Über Monate und Jahre summiert sich diese Mehrbelastung. Kräftige Thoraxmuskeln helfen, die Wirbelsäule aufrecht zu halten und den Brustkorb in einer Position zu stabilisieren, die dem Herzen die Arbeit erleichtert.

Hinzu kommt die verbesserte Atemmechanik. Ein gut trainierter oberer Rücken unterstützt die Atemhilfsmuskulatur und sorgt für eine tiefere, effizientere Atmung. Das verbessert die Sauerstoffversorgung und senkt gleichzeitig den Ruhepuls. Beides sind klassische Marker für ein gesundes Herz-Kreislauf-System, ähnlich wie VO2max und Muskelkraft als Langlebigkeitsindikatoren gelten.

Wie diese Erkenntnisse in den bisherigen Forschungsstand passen

Die Verbindung zwischen Krafttraining und Herzgesundheit ist nicht neu. Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass regelmäßiges Widerstandstraining den Blutdruck senkt, die Insulinsensitivität verbessert und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse reduziert. Die neue Studie baut auf diesem Fundament auf, fügt aber eine wichtige Differenzierung hinzu.

Bisher wurde Krafttraining oft als monolithischer Block betrachtet. Kniebeugen, Bizepscurls und Bankdrücken wurden in Studien häufig gleichwertig behandelt. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass das zu kurz gedacht ist. Die Lage der trainierten Muskelgruppen in unmittelbarer Nähe zum Herzen und zu den großen Gefäßen könnte eine entscheidende Rolle spielen.

Das bedeutet nicht, dass Beintraining oder isolierte Übungen wertlos sind. Die Botschaft ist eine andere: Wer seine Trainingsplanung gesundheitlich optimieren will, sollte Rücken und Brust nicht als optional behandeln. Sie verdienen einen festen Platz in jeder Trainingsroutine, nicht trotz, sondern wegen ihrer Nähe zu den lebenswichtigen Organen.

Die besten Übungen, um diese Erkenntnisse umzusetzen

Die praktische Umsetzung dieser Studienergebnisse ist erfreulich unkompliziert. Die Übungen, die am direktesten auf die beschriebenen Mechanismen einzahlen, gehören bereits zum Standardrepertoire vieler Gym-Besucher. Entscheidend ist jetzt, sie mit dem richtigen Fokus einzusetzen.

Für den Rücken stehen vor allem zwei Übungen im Vordergrund:

  • Rudern (Kabelrudern, Langhantelrudern, T-Bar-Rudern): Aktiviert den gesamten mittleren und unteren Trapezius sowie die Rhomboiden. Diese Muskeln sind direkt für die Aufrichtung des Brustkorbs verantwortlich und reduzieren den thorakalen Rundrücken.
  • Pull-ups und Klimmzüge: Trainieren den Latissimus und die hintere Schultermuskulatur. Sie verbessern die Schulterstellung und entlasten damit indirekt den gesamten Brustkorb. Wer noch keine sauberen Wiederholungen schafft, kann mit Assisted Pull-ups oder Lat-Pulldowns einsteigen.

Für die Brust sind folgende Übungen besonders relevant:

  • Bankdrücken (flach, schräg oder mit Kurzhanteln): Stärkt den Pectoralis major in seiner gesamten Ausdehnung. Wichtig ist dabei die Schulterblattposition: aktiv nach hinten und unten ziehen, nicht hochziehen. Das stellt sicher, dass auch die stabilisierenden Rückenmuskeln mitarbeiten.
  • Kabel-Flyes: Bieten eine konstante Spannung über den gesamten Bewegungsradius und trainieren besonders den sternalen Anteil des Brustmuskels. Sie eignen sich gut als ergänzende Übung, um die Muskeln in der gestreckten Position zu belasten, was das Wachstum und die Stabilisierung fördert.

Eine sinnvolle Trainingsstruktur könnte zwei dedizierte Rücken-Brust-Einheiten pro Woche umfassen, entweder als klassischer Push-Pull-Split oder als kombinierter Ganzkörpertag mit Schwerpunkt auf diese Muskelgruppen. Drei bis vier Sätze pro Übung mit einem moderaten Gewicht von 70 bis 80 Prozent des Einwiederholungsmaximums gelten als guter Ausgangspunkt für gesundheitsorientiertes Training. Wer wissen möchte, wie viel wöchentliches Volumen tatsächlich nötig ist, findet Orientierung in den aktualisierten ACSM-Krafttraining-Richtlinien 2026.

Wer Vorerkrankungen hat oder bisher wenig Erfahrung mit Krafttraining mitbringt, sollte zunächst mit einem Trainer oder einer Ärztin sprechen. Das gilt besonders dann, wenn bereits kardiovaskuläre Risikofaktoren bekannt sind. Für alle anderen ist der Einstieg niedrigschwellig: Ein Kabelzug, eine Langhantel und der Wille zur Konsequenz reichen aus, um mit dieser Form des herzgesunden Trainings zu beginnen.