Nutrition

Kreatin-Gummis sammeln 20 Mio.$: Hype oder Innovation?

Create Wellness sichert sich 20 Mio. $. Wir prüfen, ob Kreatin-Gummis wirklich genauso wirken wie Pulver und was das für den Supplement-Markt bedeutet.

Three translucent amber creatine gummies with powder crystals scattered on a cream surface.

Kreatine boomt – und Gummibärchen kassieren gerade 20 Millionen Dollar

Create Wellness hat gerade eine Series-B-Finanzierungsrunde über 20 Millionen Dollar abgeschlossen, angeführt von Alliance Consumer Growth. Das Unternehmen verkauft Kreatin in Gummiform und hat damit bereits über 250 Millionen Stück unters Volk gebracht. Bei Target, Vitamin Shoppe und Sprouts ist die Marke jeweils die meistverkaufte Kreatin-Gummivariante im Regal.

Das klingt nach einem Nischenprodukt, das zufällig Glück hatte. Aber der Marktkontext erzählt eine andere Geschichte. Kreatin ist laut aktuellen Retail-Daten das am schnellsten wachsende Supplement in den USA – mit einem Anstieg von 17,1 Prozentpunkten und einem inkrementellen Umsatzwachstum von knapp 100 Millionen Dollar allein im Jahr 2025. Die Verkaufseinheiten legten um 58 Prozent zu. Das ist kein Trend mehr. Das ist eine Verschiebung.

Für Investoren ist das Signal klar: Kreatin hat den Sprung vom Fitnessstudio-Regal in den Mainstream geschafft. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist nicht ob Kreatin funktioniert. Die Wissenschaft dazu ist eindeutig. Die eigentliche Frage ist: Funktioniert Kreatin auch dann noch, wenn es als Gummibärchen daherkommt?

Was die Wissenschaft zur Kreatin-Dosis wirklich sagt

Kreatin-Monohydrat-Pulver ist seit Jahrzehnten eines der am besten untersuchten Supplemente überhaupt. Der Wirksamkeitsschwellenwert liegt bei 3 bis 5 Gramm pro Tag. In diesem Bereich zeigen Studien konsistent Verbesserungen bei Kraftleistung, Erholung und sogar kognitiver Funktion. Darunter bleibt der Effekt schwach oder bleibt ganz aus.

Hier wird es beim Gummiformat interessant. Kreatin-Gummis liefern je nach Produkt und Portionsgröße typischerweise zwischen 1,5 und 5 Gramm pro Portion. Wer ein Produkt kauft, das 1,5 Gramm pro Portion enthält und denkt, damit sei es getan, liegt unterhalb des wirksamen Bereichs. Zwei oder drei Portionen täglich wären nötig. Das ist bei Gummis nicht unbedingt ein Problem. Aber es ist etwas, das auf der Verpackung oft zu klein gedruckt steht.

Bioverfügbarkeit ist ein weiterer Diskussionspunkt. Pulver löst sich direkt in Wasser auf und wird schnell absorbiert. Bei Gummis muss die Geliermatrix erst verdaut werden, bevor der Wirkstoff freigesetzt wird. Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Absorption vergleichbar ist. Entscheidend ist aber, dass man am Ende des Tages auf seine Gesamttagesdosis kommt. Das gilt unabhängig vom Format — ob Monohydrat, HCl oder gepufferte Variante.

Gummis, Drinks, Snacks: Warum das Supplement-Format gerade neu erfunden wird

Die Supplement-Industrie hat ein altes Problem: Viele Menschen kaufen Nahrungsergänzungsmittel, nehmen sie ein paar Wochen regelmäßig und hören dann auf. Nicht weil sie nicht wirken. Sondern weil das Einnehmen vergessen wird, unangenehm schmeckt oder einfach zu umständlich ist. Adherence. also die konsequente Einnahme über Zeit. ist der eigentliche Engpass zwischen Wirksamkeit im Labor und Ergebnissen im echten Leben.

Gummis lösen genau dieses Problem. Sie sind portabel, brauchen kein Wasser, schmecken nach etwas und erinnern eher an eine kurze Belohnung als an eine Pflicht. Das ist keine neue Erkenntnis. Vitamingummis für Kinder gibt es seit den 90ern. Aber die Premium-Fitnessbranche hat lange gebraucht, um das Prinzip ernsthaft auf Leistungssupplemente anzuwenden.

Jetzt passiert es in mehreren Kategorien gleichzeitig. Elektrolyte als Drink-Sachets statt Tabletten. Proteinriegel, die echtem Essen ähneln. Kreatin in Gummiform. Magnesium als Schokolade. Die Logik dahinter ist immer dieselbe: Ein Supplement, das du wirklich täglich nimmst, schlägt ein besseres Supplement, das du nach zwei Wochen vergisst.

Was die 20-Millionen-Dollar-Runde über die Zukunft des Supplement-Markts verrät

Dass Alliance Consumer Growth diese Runde anführt, ist kein Zufall. Der Fonds hat in der Vergangenheit erfolgreich auf Marken gesetzt, die etablierte Produktkategorien durch bessere Kundenerfahrung aufgebrochen haben. nicht durch eine neue Zutat, sondern durch ein neues Format oder eine neue Positionierung. Create Wellness passt exakt in dieses Muster.

Das Investment signalisiert aber auch etwas Breiteres. Supplement-Brands, die heute skalieren, tun das nicht primär über Fitnessstudio-Kanäle oder Bodybuilding-Foren. Sie landen bei Target. Bei Sprouts. Im Onlineshop, den jemand nach einem TikTok-Video besucht. Die Zielgruppe hat sich verschoben. Kreatin ist nicht mehr das Supplement des Power-Lifters. Es ist zunehmend das Supplement der 32-jährigen Frau, die ihre Energie und Muskelmasse erhalten will, ohne täglich ein Glas Pulver rühren zu müssen — was aktuelle Forschung zu Kreatin für Frauen eindrücklich belegt.

Für die Branche insgesamt bedeutet das: Wer in den nächsten Jahren wächst, wird nicht zwingend die überlegene Formulierung haben. Wer wächst, wird das überlegene Nutzungserlebnis bieten. Convenience, Geschmack, Verpackungsdesign und eine klare Kommunikation der tatsächlichen Dosierung werden zu ernsthaften Wettbewerbsvorteilen.

Eine kleine Einschränkung bleibt trotzdem. Die Dosierungsfrage bei Gummis ist real und sollte beim Kauf aktiv geprüft werden. Achte darauf:

  • Kreatin pro Portion: Mindestens 3 Gramm pro Tagesdosis, besser 5 Gramm
  • Anzahl Gummis pro Portion: Oft sind es 4 bis 6 Stück, nicht ein einzelnes
  • Kreatin-Form: Monohydrat ist nach wie vor die am besten untersuchte Variante
  • Zucker- und Kaloriengehalt: Gummis enthalten oft 2 bis 5 Gramm Zucker pro Portion. kein Drama, aber relevant bei täglichem Konsum

Create Wellness und der Erfolg von Kreatin-Gummis im Allgemeinen zeigen, dass Innovation im Supplement-Bereich längst nicht mehr nur im Labor stattfindet. Sie findet im Produkt-Design statt. Und offensichtlich sind Investoren bereit, dafür echtes Geld auf den Tisch zu legen.