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PAVS kauft Jabanero: Wenn Tech auf Activewear setzt

PAVS will Jabanero für bis zu $20 Mio. kaufen und zur Fitness-Holding werden. Ein Deal, der den M&A-Trend von 2026 perfekt spiegelt.

Folded stack of blush and taupe activewear next to a black smartphone on a cream surface.

Ein Technologieunternehmen kauft Activewear – und das hat einen Grund

Am 15. Juni 2026 unterzeichnete Paranovus Entertainment Technology, an der Nasdaq unter dem Kürzel PAVS gelistet, eine unverbindliche Absichtserklärung zur Übernahme von Jabanero. Der Deal: 100 Prozent der Anteile an der Damenactivewear-Marke, für einen Kaufpreis zwischen $15 und $20 Millionen, vollständig in bar. Eine 60-tägige Exklusivitätsfrist gibt PAVS Zeit für die Due Diligence.

Gleichzeitig kündigte das Unternehmen ein sogenanntes Registered Direct Offering über $10 Millionen an. Das Geld kommt also nicht aus dem eigenen Cashflow, sondern aus frischem Eigenkapital. Bestehende Aktionäre werden verwässert. Die Liquidität bleibt geschont. Das ist kein Zufall, sondern Kalkül.

Wer sich fragt, warum ein Unternehmen aus dem Bereich Technologie und Digital Commerce plötzlich Sportleggings kauft, bekommt von PAVS eine klare Antwort: Das Unternehmen will sich zur Consumer Brand Holding Company wandeln. Zielkategorien sind Wellness, Fitness und Lifestyle. Jabanero ist dabei nicht das Endziel, sondern der erste Baustein.

Social Commerce als Vertriebsstrategie – Versprechen oder Beweis?

Der eigentliche Kern der Strategie liegt im Vertrieb. PAVS betreibt eine Livestreaming- und Digital-Commerce-Infrastruktur, über die Jabanero künftig direkt an Endkonsumentinnen verkauft werden soll. DTC über Social Commerce. Das klingt nach einer nachvollziehbaren Logik, denn in asiatischen Märkten, vor allem in China, hat sich genau dieses Modell für Activewear als extrem effektiv erwiesen.

In Nordamerika ist das Bild differenzierter. Livestream-Shopping hat sich hier bislang nicht mit der gleichen Dynamik durchgesetzt. Plattformen wie TikTok Shop gewinnen zwar an Fahrt, aber der Weg vom Experiment zum skalierbaren Vertriebskanal ist noch nicht abgeschlossen. PAVS wettet darauf, dass dieser Übergang kommt. Und dass sie mit der nötigen Infrastruktur früh genug positioniert sind.

Für Jabanero als Marke ist das eine zweischneidige Situation. Einerseits könnte die Anbindung an eine digitale Vertriebsinfrastruktur das Wachstum erheblich beschleunigen. Andererseits bleibt die Frage, ob eine Damen-Lifestyle-Marke, die auf Community und Authentizität setzt, durch einen technologiegetriebenen Mutterkonzern gestärkt oder verwässert wird. Das entscheiden am Ende die Konsumentinnen.

Non-endemische Käufer dominieren 2026 das Fitness-M&A

PAVS ist kein Einzelfall. Der Deal mit Jabanero fügt sich in ein klares Muster ein, das sich 2026 durch die gesamte Fitness- und Wellness-Branche zieht. Non-endemische Unternehmen, also Käufer ohne ursprünglichen Bezug zu Fitness, behandeln Gesundheits- und Wellnessmarken zunehmend als defensive Wachstumsanlagen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • Unilever übernimmt Gruns für $1,2 Milliarden.
  • Lactalis kauft Protein Works und dringt damit direkt in den Sports-Nutrition-Markt ein.
  • Danone sichert sich Huel für €1 Milliarde und stärkt damit das Portfolio im Bereich funktionaler Ernährung und M&A 2026.

Was diese Deals verbindet: Die Käufer kommen nicht aus der Fitnesswelt. Sie sind Food-Konzerne, Konsumgüterunternehmen, Technologiefirmen. Aber sie erkennen, dass Wellness-Marken mit loyalen Communities, klaren Positionierungen und DTC-fähigen Vertriebsmodellen in einem fragmentierten Konsummarkt strukturell besser aufgestellt sind als klassische FMCG-Produkte ohne Identität.

Was dieser Deal für die Branche bedeutet

Für Gründerinnen und Gründer von Activewear- und Wellness-Brands ist das eine relevante Entwicklung. Der klassische Trade-Exit zu einem strategischen Käufer aus derselben Branche ist nur noch eine von mehreren Optionen. Technologieunternehmen, Holdingstrukturen und branchenfremde Konzerne sind aktiv auf der Suche nach Marken mit echter Zielgruppe und skalierbarer Produktlogik.

Das verändert auch die Bewertungslogik. Eine Marke wie Jabanero wird nicht nach klassischen EBITDA-Multiples bewertet, sondern nach dem strategischen Wert, den sie in einem neuen Kontext entfalten kann. Wie groß ist die Community? Wie loyale ist die Kundschaft? Wie gut lässt sich das Produkt in neuen Vertriebskanälen skalieren? Das sind die Fragen, die 2026 den Kaufpreis bestimmen. Ähnliche Dynamiken zeigen sich beim Bewertungsmodell von Vuori mit 5,5 Mrd. $, wo Community-Loyalität und Positionierung den Ausschlag gaben.

Die Finanzierungsstruktur von PAVS, nämlich frisches Eigenkapital statt Bilanzkapital, zeigt außerdem, wie diese Deals in der Praxis funktionieren. Die Akquisition wird nicht aus einem üppigen Cashpolster gezahlt, sondern durch Investoren mitfinanziert, die an die Transformationsstory glauben. Das Risiko liegt damit nicht allein beim Käufer, sondern wird auf neue Aktionäre verteilt. Wer in solche Deals investiert, wettet auf die Integrationskompetenz des Managements.

Ob PAVS und Jabanero diese Wette gewinnen, wird sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten zeigen. Die Due-Diligence-Phase läuft. Die Infrastruktur steht bereit. Und der Markt beobachtet, ob Social Commerce in Nordamerika wirklich der nächste große Vertriebskanal für Activewear wird. Oder ob dieser Deal in der langen Liste gescheiterter Pivot-Versuche landet.