145 Clubs bis Ende 2026: On Air Fitness nimmt Fahrt auf
Die französische Fitnessfranchiselkette On Air Fitness, gegründet von Jacques Bolle, rollt ihr Netzwerk derzeit in einem Tempo aus, das in der europäischen Mittelklasse-Fitnessbranche kaum ein Vergleich findet. Bis Ende 2026 sollen 145 Standorte in Betrieb sein. Zwei neue Clubs öffnen bereits im August 2026 ihre Türen.
Der erste neue Standort entsteht in Katalonien, der zweite in der Nähe von Périgueux im Dordogne. Konkret übernimmt On Air in Trélissac ein bestehendes Objekt und setzt damit ein klares Zeichen: Die Marke wächst nicht nur in Metropolregionen, sondern zielt bewusst auf mittelgroße und kleinere Märkte ab.
Wer sich fragt, ob das Wachstumsziel von 145 Clubs realistisch ist, bekommt mit diesen beiden Eröffnungen eine klare Antwort. On Air arbeitet mit einem strukturierten Franchisingmodell, das Expansion in hohem Tempo erlaubt, ohne die Kontrolle über das Markenerlebnis zu verlieren.
Internationaler Druck: Von Marokko bis Belgien
On Air Fitness ist längst kein rein französisches Phänomen mehr. Die Kette betreibt bereits Clubs in Marokko, Italien, Spanien und Portugal. Belgien steht als nächster Markt in der Pipeline. Damit positioniert sich On Air als eine der expansivsten Mittelklasse-Fitnessketten im kontinentalen Europa – ein Muster, das auch der PE-Exit Synergym für europäische Fitnessassets sichtbar gemacht hat.
Diese geografische Streuung ist kein Zufall. Märkte wie Marokko bieten eine wachsende urbane Mittelschicht mit echtem Interesse an strukturierten Fitnessangeboten. Spanien und Portugal liefern stabiles Wachstumspotenzial in einem Segment, das zwischen Discount-Anbietern wie McFit und Premium-Studios deutlich unterversorgt ist.
Der Schritt nach Belgien folgt einer logischen Logik. Das Land hat eine kaufkräftige Bevölkerung, eine gut entwickelte Franchisingkultur und vergleichsweise wenige etablierte Mitbewerber im mid-market Fitnessbereich. Für On Air ist das ein klassisches Fenster zur Erstpositionierung in einem neuen Markt.
Erlebnis statt Preiskampf: Das Differenzierungsmodell von On Air
Was On Air von klassischen Budgetanbietern unterscheidet, ist keine günstigere Mitgliedschaft. Es ist das Erlebnis im Club selbst. Die Marke setzt auf ein immersives In-Club-Design, das Mitglieder nicht nur zum Training bringt, sondern sie dazu bringt, wiederzukommen. Das klingt einfach, ist aber strategisch entscheidend.
Dieses Positionierungsmodell erinnert an das, was EoS Fitness mit bezahlbarem Luxus gerade im US-Markt umsetzt. Auch Crunch hat mit seinem Pilates-Rollout ähnliche Erkenntnisse gesammelt: Wenn der Preis nicht mehr der Hauptdifferenziator ist, wird die Atmosphäre zum Produkt. On Air transferiert dieses Prinzip auf den europäischen Franchisingkontext.
Das hat direkte Auswirkungen auf die Standortstrategie. Wer auf Erlebnis setzt, muss nicht mehr ausschließlich in Innenstadtlagen mit maximaler Sichtbarkeit investieren. Auch ein gut gestalteter Club in Trélissac oder einem Gewerbegebiet nahe Périgueux kann die Markenbotschaft transportieren, wenn das Konzept stimmt.
Sekundärmärkte als Wachstumsmotor: Die Dordogne-Logik
Die Entscheidung, in Trélissac bei Périgueux zu eröffnen, verdient besondere Aufmerksamkeit. Trélissac ist kein Ballungszentrum. Es ist genau die Art von Markt, in der viele Franchisegeber zögern, weil die Einwohnerzahl überschaubar ist und die Markenbekanntheit erst aufgebaut werden muss.
On Air denkt das anders. In Großstädten treffen Franchisenehmende auf hohe Mietkosten, etablierte Wettbewerber und gesättigte Kundensegmente. In Sekundär- und Tertiärmärkten ist der Wettbewerb geringer, die Mietpreise sind niedriger, und das Bedürfnis nach einem guten lokalen Fitnessangebot ist oft größer als angenommen.
Für Franchisenehmer bedeutet das eine attraktivere Kostenstruktur bei gleichzeitig realistischerer Marktdurchdringung. Und für die Marke selbst bedeutet es, dass das Netzwerk wachsen kann, ohne sich in einen Verdrängungswettbewerb mit Basic-Fit oder Fitness Park in Paris oder Lyon hineinzubewegen.
- Niedrigere Einstiegshürden: Mietkosten in Sekundärstädten sind oft 30 bis 50 Prozent günstiger als in Metropollagen.
- Geringere Wettbewerbsdichte: Etablierte Anbieter konzentrieren sich mehrheitlich auf städtische Kernlagen.
- Loyalere Mitgliederbasis: In kleineren Märkten ist das lokale Studio oft die einzige Option dieser Qualität. Das erhöht die Bindung.
- Skalierbarkeit des Konzepts: Erlebnisgetriebenes Design funktioniert unabhängig vom Standort, solange das Konzept konsequent umgesetzt wird.
Das Franchisemodell von On Air liefert damit einen echten Proof of Concept für einen Ansatz, der in der Branche oft diskutiert, aber selten konsequent verfolgt wird: Wachstum durch geografische Diversifizierung in weniger umkämpfte Märkte, ohne dabei die Markenidentität zu verwässern.
Für Operatoren, die gerade Franchisingmodelle evaluieren, ist das On Air-Beispiel mehr als eine Meldung über eine Neueröffnung. Es zeigt, wie ein mittelständisches Fitnesskonzept mit klarer Positionierung und mutigem Standortdenken innerhalb weniger Jahre zu einem ernstzunehmenden europäischen Netzwerk werden kann.