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Colorado-Brände: Trailraces abgesagt im Sommer 2026

Waldbrände in Colorado streichen reihenweise Sommerrennen aus dem Kalender. Wer betroffen ist, was noch stattfindet und was du jetzt tun solltest.

A lone trail runner strides across a dusty Colorado mountain path shrouded in wildfire smoke.

Wenn der Wald brennt, brennt auch der Rennkalender

Der Sommer 2025 sollte für Tausende von Ultraläufern in Colorado der Höhepunkt monatelanger Vorbereitung werden. Stattdessen sorgen Waldbrände für ein Chaos, das den gesamten Rennkalender durcheinanderwirft. Wer seit Januar trainiert hat, schaut jetzt auf Absagen, offene Fragen und eine Saison, die sich täglich verändert.

Den Anfang machte die Leadville Race Series mit einer Nachricht, die viele Athleten kalt erwischt hat. Das Silver Rush 50-Mile am 11. Juli wurde wegen des Willow Fire abgesagt. Die Veranstalter nannten drei Hauptgründe: die aktive Feuersituation in unmittelbarer Nähe des Streckengeländes, gefährliche Luftqualität und die Belastung der öffentlichen Sicherheitsdienste, die in einer solchen Lage schlicht nicht für ein Massenrennen abgezogen werden können.

Das ist keine Kleinigkeit. Der Silver Rush gilt als einer der klassischen Colorado-Ultras. Für viele Läufer dient er gleichzeitig als direkte Vorbereitung auf den Leadville Trail 100. Die Absage trifft also doppelt. Nicht nur weil ein Rennen wegfällt, sondern weil damit auch ein wichtiger Testlauf für August fehlt.

Hardrock vs. Ouray: Zwei Rennen, zwei völlig verschiedene Entscheidungen

Fast gleichzeitig standen zwei weitere Hochkaräter vor derselben Frage: weitermachen oder absagen. Der Hardrock 100 entschied sich dafür, das Rennen stattfinden zu lassen. Die Veranstalter überwachten über mehrere Tage die Rauchentwicklung und das Verhalten der Feuer in der Region, koordinierten sich eng mit Behörden und kamen zu dem Schluss, dass ein sicherer Ablauf möglich war. Das Rennen fand statt.

Anders beim Ouray 100. Dieses Rennen wurde vollständig abgesagt. Keine Ausweichstrecke, keine spätere Neuansetzung. Für die Läufer, die sich auf das alpine Gelände rund um Ouray vorbereitet hatten, war das ein harter Schlag. Die Entscheidung zeigt, wie unterschiedlich Veranstalter in derselben Situation agieren können, je nach Lage, Streckenverlauf und dem Spielraum, den sie bei der Kommunikation mit lokalen Behörden haben.

Was diese beiden Fälle deutlich machen: Es gibt kein einheitliches Protokoll. Jeder Race Director wägt anders ab, hat andere Verträge mit Gemeinden und Nationalparks, und trägt am Ende die volle Verantwortung für die Sicherheit von hunderten oder tausenden Menschen in abgelegenem Gelände. Wenn die Feuerwehr nicht verfügbar ist, wenn die Luft nach Rauch riecht und wenn Evakuierungsrouten gesperrt sein könnten, dann gibt es kein Rennen, das dieses Risiko rechtfertigt.

Der Leadville Trail 100: Ein Fragezeichen, das Tausende betrifft

Die derzeit größte offene Frage im Colorado-Ultramarathon-Kalender betrifft den Leadville Trail 100 im August. Das Rennen gehört zu den bekanntesten 100-Meilen-Rennen der Welt und zieht jedes Jahr Läufer aus aller Welt an. Tausende sind registriert. Viele haben Flüge gebucht, Hotels reserviert und Pacers und Crewmitglieder organisiert.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Status des Rennens unklar. Die Veranstalter haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen, was verständlich ist. So früh wie möglich eine Absage auszusprechen kostet Glaubwürdigkeit, wenn das Rennen am Ende hätte stattfinden können. Zu lange zu warten bedeutet, dass Läufer noch mehr Geld und Planung investieren, bevor sie die Nachricht bekommen. Es ist eine klassische Zwickmühle.

Was du jetzt konkret tun kannst, wenn du für den Leadville 100 oder ein anderes Rennen angemeldet bist, dessen Status unsicher ist:

  • Verfolge die offiziellen Kanäle täglich. Race Directors kommunizieren zuerst über ihre eigene Website und Social-Media-Kanäle. Verlasse dich nicht auf Gerüchte in Facebook-Gruppen.
  • Prüfe deine Reisebuchungen auf Stornierungsoptionen. Viele Fluggesellschaften und Hotels bieten bei Naturkatastrophen flexible Umbuchungen an. Frag aktiv nach, bevor die Frist abläuft.
  • Halte dein Training flexibel. Wenn dein A-Rennen abgesagt wird, brauchst du einen Plan B. Schau dir jetzt schon an, welche Herbstrennen noch Startplätze haben.
  • Informiere dein Crew und deine Pacers frühzeitig. Auch sie haben Urlaub genommen, Reisen gebucht und sich vorbereitet. Halte die Kommunikation offen.
  • Überprüfe die Versicherungsbedingungen deines Startplatzes. Manche Rennen bieten eigene Absicherungen an, andere arbeiten mit Drittanbietern zusammen.

Dein Training ist nicht verloren, auch wenn das Rennen wegfällt. Die Fitness bleibt. Was du jetzt brauchst, ist ein klarer Kopf und ein Backup-Plan.

Waldbrand-Saison als neue Normalität: Was das für den Ultramarathon-Sport bedeutet

Was gerade in Colorado passiert, ist kein Einzelfall und kein Unfall. Die Waldbrandsaison in den USA beginnt früher, dauert länger und greift tiefer in bewohnte und beliebte Regionen ein als noch vor zehn Jahren. Race Directors im gesamten amerikanischen Westen stehen vor einer strukturellen Herausforderung, nicht vor einem temporären Problem.

Viele Veranstalter denken inzwischen laut darüber nach, ihre Sommer-Events in den Frühling oder Herbst zu verschieben. Andere arbeiten an Ausweichstrecken, die sie kurzfristig aktivieren können, wenn bestimmte Gebiete gesperrt sind. Einige prüfen, ob Strecken in tiefere Lagen verlegt werden können, weg von den trockenen Hochlagen, die besonders brandgefährdet sind. Keine dieser Lösungen ist perfekt.

Für Läufer bedeutet das: Die Art, wie wir Saisonplanung betreiben, muss sich ändern. Ein A-Rennen im Juli in Colorado einzuplanen bedeutet heute, dass man einen echten Plan B braucht. Nicht als Absicherung für ein unwahrscheinliches Szenario, sondern als realistischen Teil der eigenen Saisonvorbereitung.

Das betrifft nicht nur den Rennkalender, sondern auch das Training selbst. Wer in einer Region lebt oder trainiert, in der Luftqualität im Sommer ein Thema ist, sollte lernen, Air-Quality-Index-Werte (AQI) zu lesen und Trainingseinheiten entsprechend anzupassen. Ein Long Run bei AQI über 150 ist keine Frage von Härte oder Weichheit. Es ist eine medizinische Entscheidung – ähnlich wie Laufen bei extremer Sommerhitze klare Grenzen erfordert.

Der Ultramarathon-Sport hat sich immer durch eine gewisse Robustheit definiert. Laufen, wenn es unbequem wird. Weitermachen, wenn der Körper meckert. Aber Waldbrände sind kein Headwind. Die Community und die Veranstalter müssen gemeinsam neue Normen entwickeln, die Sicherheit, Planung und die Realität des Klimawandels zusammenbringen – eine Debatte, die die Ultra-Szene längst beschäftigt. Das ist keine Schwäche. Das ist die einzig vernünftige Reaktion.