Ein Rekord, der 18 Jahre Bestand hatte – und jetzt gefallen ist
Der Comrades Marathon 2026 wird in die Bücher eingehen. George Kusche lief die Up-Run-Strecke von Durban nach Pietermaritzburg in 5:15:56 und pulverisierte damit den bisherigen Streckenrekord, der seit 2008 gehalten hatte. Fast zwei Jahrzehnte lang galt diese Marke als nahezu unerreichbar. Kusche hat das an einem einzigen Morgen widerlegt.
Die Up-Run-Variante gilt unter Ultraläufern als die härtere der beiden Comrades-Varianten. Auf 85 Kilometern überwindet das Feld vom Küstenstädtchen Durban aus mehr als 1.800 Höhenmeter, bevor es in Pietermaritzburg ins Ziel rollt. Die Strecke bestraft jeden Fehler in der Renneinteilung gnadenlos. Dass Kusche ausgerechnet hier einen Rekord bricht, macht die Leistung noch eindrucksvoller.
Schon in unserem Preview-Artikel vor dem Rennen hatten wir Kusche als einen der Topfavoriten auf dem Radar. Dass er dann tatsächlich nicht nur gewann, sondern die Zeitengeschichte neu schrieb, hat selbst erfahrene Comrades-Kenner überrascht. Es war kein Sieg auf Abruf. Es war ein Statement.
Gerda Steyn: Fünf Titel, eine Legende
Während Kusche auf der Männerseite Geschichte schrieb, vollendete Gerda Steyn auf der Frauenseite ihr Lebenswerk. Mit ihrem fünften Comrades-Titel reiht sie sich in eine winzig kleine Gruppe von Mehrfachsiegerinnen ein. Diesen Rang muss man sich über Jahre erkämpfen, Saison für Saison, gegen eine Konkurrenz, die nicht weniger ambitioniert antritt.
Steyn dominierte das Frauenrennen von Beginn an. Ihre Stärke liegt nicht nur in der schieren Ausdauer, sondern in der Fähigkeit, das Rennen zu lesen. Sie weiß, wann sie das Tempo anzieht, und sie weiß, wann sie Kräfte spart. Genau diese Intelligenz trennt Weltklasseläufer von allen anderen auf dieser Strecke.
Für südafrikanische Laufsportfans ist Steyn längst mehr als eine Athletin. Sie ist das Gesicht einer Generation. Fünf Comrades-Titel bedeuten fünf Mal den Willen, sich diesem Monster von einer Strecke zu stellen und es besser zu machen als alle anderen. Das ist keine Zufälligkeit. Das ist Größe – ähnlich wie Rachel Entrekins historischer Gesamtsieg beim Cocodona 250, der ebenfalls Maßstäbe neu definierte.
Preisgeld, Boni und was die beiden verdienten
Leistung auf diesem Niveau wird beim Comrades entsprechend entlohnt. Kusche und Steyn kassierten zusammen über 2,3 Millionen Rand an Preisgeld und Leistungsboni. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa 115.000 bis 120.000 Euro je nach aktuellem Wechselkurs. Für einen Ultramarathon ist das eine außergewöhnliche Summe.
Der Comrades gehört zu den wenigen Ultramarathons weltweit, bei denen das Preisgeld tatsächlich mit dem internationalen Spitzensport mithalten kann. Die Bonusstruktur belohnt dabei nicht nur den Sieg, sondern auch Rekordzeiten. Kusche profitierte also doppelt. Sein Rekordlauf brachte ihm zusätzlich zu seiner Siegprämie einen substanziellen Zeitbonus ein.
Für Steyn bedeutet der fünfte Titel ebenfalls eine erhebliche finanzielle Anerkennung. Doch wer sie kennt, weiß, dass es ihr nicht ums Geld geht. Der Comrades ist für sie Berufung. Die Einnahmen sind ein Nebenprodukt davon, dass sie die Beste ist.
Die Strecke, die Zeiten und was sie bedeuten
Wer den Comrades Up Run nie selbst gelaufen ist, kann sich nur schwer vorstellen, was 85 Kilometer mit über 1.800 Höhenmetern für den Körper bedeuten. Die fünf großen Anstiege der Strecke. Fields Hill, Botha's Hill, Inchanga, Drummond und Polly Shortts. haben schon unzählige Favoritenträume zerstört. Sie kommen nicht alle am Anfang. Der letzte große Hügel wartet bis zum Schluss.
Kuschs Rekord in 5:15:56 bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 16,1 Kilometern pro Stunde auf dieser Strecke. Rechne das gegen das Höhenprofil und die sommerlichen Bedingungen in KwaZulu-Natal. Dann wird klar, was diese Zahl wirklich aussagt. Das ist kein normaler Ultramarathon-Pace. Das ist etwas, das Trainingsweltrekorde in den Schatten stellt.
Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2008. Seither versuchten die besten Ultraläufer der Welt regelmäßig, ihn zu knacken. Manche kamen nah dran. Keiner schaffte es. Bis Kusche 2026 antrat und zeigte, was möglich ist, wenn Talent, Vorbereitung und ein perfektes Rennen zusammentreffen. Ähnlich eindrucksvolle gebrochene Streckenrekorde bei der Transvulcania 2026 zeigten in diesem Jahr, dass wir gerade eine außergewöhnliche Ära im Ultrarunning erleben. Für die Comrades-Gemeinschaft ist das ein Moment, über den noch in Jahrzehnten gesprochen werden wird.
- Sieger Männer (Up Run): George Kusche. 5:15:56 (neuer Streckenrekord)
- Siegerin Frauen: Gerda Steyn. fünfter Comrades-Titel
- Strecke: 85 km, Durban nach Pietermaritzburg, über 1.800 Höhenmeter
- Gesamtpreisgeld (beide): über 2,3 Millionen Rand (ca. 115.000 bis 120.000 Euro)
- Vorheriger Männerrekord Up Run: aufgestellt 2008
Was dieser Comrades-Jahrgang hinterlässt, ist mehr als zwei Namen auf einer Siegerliste. Es ist der Beweis, dass Rekorde fallen können, selbst wenn sie 18 Jahre stehen. Und es ist die Bestätigung, dass Gerda Steyn zum absoluten Kanon des Ultramarathonsports gehört. Wer den Sport verfolgt, hat heute etwas erlebt, das so schnell nicht wiederkehrt.