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Grand Raid und Templiers: Die groesste Trailwoche

Grand Raid de la Réunion und Festival des Templiers: In der Woche um den 19. Oktober treffen zwei der stärksten Trailultras der Welt aufeinander.

Die stärkste Trailwoche des Jahres

Wer den europäischen Trailkalender kennt, weiß: Die Woche um den 19. Oktober ist keine normale Herbstwoche. In diesem Zeitfenster treffen zwei der bedeutendsten Ultras der Welt aufeinander. Der Grand Raid de la Réunion und das Festival des Templiers finden innerhalb weniger Tage statt. Für die Trailszene ist das die dichteste und spannendste Rennwoche des gesamten Jahres.

Beide Events ziehen ein internationales Spitzenfeld an und liefern Ergebnisse, die weit über den Moment hinauswirken. Wer hier performt, setzt ein Signal. Wer schwächelt, bekommt eine klare Rückmeldung. Und wer beides als Zuschauer verfolgt, erlebt in sieben Tagen mehr Trailgeschichte als in den meisten anderen Monaten zusammen.

Das Besondere an dieser Doppelwoche ist auch die geografische Spannung. Auf der einen Seite eine Vulkaninsel im Indischen Ozean, auf der anderen ein mittelalterlich geprägtes Tal im Süden Frankreichs. Zwei völlig unterschiedliche Welten, aber dieselbe Leidenschaft fürs Laufen am Limit.

Grand Raid de la Réunion: Vulkanerde und Vertikal

Der Grand Raid de la Réunion existiert seit 1989 und gehört damit zu den ältesten Trailultras weltweit. Die Hauptdistanz, die Diagonale des Fous, führt über rund 165 Kilometer und mehr als 10.000 Höhenmeter quer über die Insel Réunion. Der Name ist Programm. Verrückt ist das Rennen in jeder Hinsicht.

Das Terrain ist einzigartig. Vulkanisches Gestein, steile Schluchten, tropische Vegetation und Pfade, die sich durch Cirques zwingen, also die riesigen Kessel, die durch Erosion entstanden sind. Hinzu kommt das Klima. Hitze, Feuchtigkeit und gelegentliche tropische Regenfälle machen die Bedingungen unberechenbar. Genau das macht den Grand Raid so legendär.

2026 lieferte das Rennen wieder packende Duelle. Die Elite kämpfte auf einem Kurs, der keine Schwäche verzeiht. Besonders bemerkenswert war die Tiefe des Feldes. Nicht nur an der Spitze, sondern auch in der zweiten und dritten Reihe liefen Athleten, die international auf dem Radar stehen. Der Grand Raid hat diese Fähigkeit, auch aus unbekannten Läufern Überraschungen zu machen.

  • Distanz Diagonale des Fous: ca. 165 km
  • Höhenmeter: über 10.000 m positiv
  • Gelände: vulkanisches Gestein, tropischer Regenwald, steile Cirques
  • Geschichte: seit 1989, einer der ältesten Trailultras weltweit

Was den Grand Raid von anderen Ultras unterscheidet, ist die Isolation. Réunion liegt über 9.000 Kilometer von Europa entfernt. Wer antritt, hat eine weite Reise hinter sich und keine Möglichkeit, auf dem letzten Drücker abzureisen. Die Vorbereitung muss stimmen. Das siebt das Feld auf eine besondere Art aus.

Festival des Templiers: Das Herzstück der europäischen Trailszene

Während auf Réunion die Diagonale läuft, bereitet sich das Aveyron auf seinen großen Moment vor. Das Festival des Templiers im Tal der Dourbie ist seit Jahrzehnten ein Fixpunkt im europäischen Trailkalender. Es ist kein einzelnes Rennen, sondern ein mehrtägiges Festival mit verschiedenen Distanzen. Das Herzstück ist der Templiers-Trail mit rund 78 Kilometern und einem technisch anspruchsvollen Profil.

Die Region Aveyron ist für Trailläufer ein Traum. Mittelalterliche Dörfer, kalksteinige Plateaus, enge Waldpfade und das Viadukt von Millau als stille Kulisse im Hintergrund. Das Festival schafft eine Atmosphäre, die viele Athleten als unvergleichlich beschreiben. Die Zuschauer stehen dicht an dicht, die Stimmung ist südfranzösisch und laut.

Das Starterfeld beim Templiers ist traditionell stark besetzt. Europäische Top-Läufer messen sich hier mit Athleten aus Übersee. 2026 war das nicht anders. Die Ergebnisse bestätigten bestehende Hierarchien in einigen Fällen, schufen aber auch neue Gesprächsthemen. Wer beim Templiers gut läuft, hat sich für die Wintersaison empfohlen — ähnlich wie Dentis und Nilsson beim Rollercoaster 21 zuletzt eine neue Generation in den Vordergrund rückte.

  • Ort: Millau, Aveyron, Südfrankreich
  • Hauptdistanz: ca. 78 km
  • Charakter: technisches Kalksteingelände, starke internationale Besetzung
  • Atmosphäre: Festivalcharakter, eine der besten Stimmungen im europäischen Trail

Ein Detail macht den Templiers besonders interessant: Der Kurs verlangt keine reine Ausdauer, sondern auch taktisches Geschick. Die technischen Abschnitte trennen die Klassen. Schnelle Flachläufer kommen hier genauso an ihre Grenzen wie Kletterspezialisten ohne Laufökonomie. Der Templiers belohnt komplette Läufer.

Was die Ergebnisse bedeuten und warum diese Woche den Herbst definiert

Beide Rennen erfüllen im Herbstkalender dieselbe Funktion. Sie sind Formchecks für die lange Saison. Wer im Frühjahr bei UTMB, Western States oder vergleichbaren Highlights starten will, nutzt Oktober als letzten großen Test. Die Rückmeldung kommt schonungslos. Auf Réunion zeigt das Vulkangestein, wo Kraft und Technik stehen. In Millau testet der Kalkstein die Reaktionsfähigkeit der Beine nach einem langen Sommer.

Dazu kommt die Sichtbarkeit. Beide Events werden international beobachtet. Selektionskommissionen, Ausrüster und Medien werten die Ergebnisse aus. Ein starkes Resultat beim Grand Raid oder beim Templiers kann Türen öffnen. Ein schwaches Rennen liefert Daten, die in der Trainingplanung genutzt werden können. Beides hat seinen Wert.

Die Doppelwoche hat auch eine kulturelle Dimension. Sie zeigt, wie breit die Trailszene aufgestellt ist. Auf der einen Seite ein Ultra auf einer Vulkaninsel mit postkolonialem Charakter und einer eigenen Identität. Auf der anderen Seite ein Volksfest im Herzen Südfrankreichs mit jahrhundertealter Geschichte. Trail ist nicht ein Sport, er ist viele Sportkulturen gleichzeitig.

Für die Gesamtentwicklung des Sports ist diese Woche ein Gradmesser. Wenn Grand Raid und Templiers gleichzeitig laufen und beide ein starkes Feld anziehen, signalisiert das, dass der Markt reif ist. Die Tiefe der internationalen Felder wächst von Jahr zu Jahr. Das Niveau steigt. Die Zeiten werden schneller, die Geschichten komplexer.

Was bleibt nach dieser Woche? Daten, Namen und ein Gefühl dafür, wer im Winter und Frühjahr eine Rolle spielen wird. Der europäische Trailkalender kennt viele starke Momente. Aber die Woche um den 19. Oktober hat eine eigene Qualität. Sie fasst zusammen, was ein Jahr Trailrunning bedeutet, und zeigt gleichzeitig, wohin die Reise weitergeht.