Running

Training fuer Trailrennen mit viel Hoehenunterschied

Höhentraining für Trailrennen wie den Hardrock 100: So planst du Trainingsblöcke, Akklimation und mentale Vorbereitung richtig.

A trail runner mid-stride on a rocky mountain switchback, bathed in warm golden morning light.

Was der Hardrock 100 über Höhentraining lehrt

Der Hardrock 100 gilt als einer der härtesten Ultras weltweit. Die Strecke in den San Juan Mountains führt durch Gelände auf über 3.350 Metern Höhe und summiert dabei mehr als 10.000 Höhenmeter Aufstieg. Wer hier ins Ziel kommen will, braucht weit mehr als eine solide Marathonbasis.

Das Besondere: Der Kurs bleibt fast durchgehend über 3.350 Metern, mit einem höchsten Punkt beim Handies Peak auf rund 4.260 Metern. In dieser Höhe sinkt der Sauerstoffpartialdruck deutlich. Dein Körper arbeitet härter für dieselbe Leistung, die Regeneration verlangsamt sich und das Risiko für Höhenkrankheit steigt spürbar.

Für das Rennen 2026 melden sich erfahrene Ultraläufer und Newcomer gleichermaßen an. Beide Gruppen unterschätzen häufig denselben Faktor: die Höhenanpassung als eigenständige Trainingsvariable. Sie lässt sich nicht durch mehr Wochenkilometer kompensieren. Sie muss geplant werden.

Trainingsaufbau: Acht bis zwölf Wochen gezieltes Höhentraining

Wer einen Hochgebirgsultra angeht, sollte mindestens acht bis zwölf Wochen vor dem Rennen einen strukturierten vertikalen Trainingsblock starten. Das bedeutet nicht einfach mehr Kilometer, sondern mehr Höhenmeter pro Einheit und gezielte Belastungsreize auf vergleichbarem Gelände.

Zentral sind dabei Back-to-Back-Longruns. Samstag und Sonntag jeweils drei bis fünf Stunden auf hügeligem Trail, ohne den Körper dazwischen vollständig erholen zu lassen. Diese Doppelbelastung simuliert den Erschöpfungszustand, in dem du im Rennen entscheidende Passagen läufst. Die Intensität bleibt dabei moderat. Ziel ist nicht Pace, sondern Zeit auf den Beinen und Höhenmeter.

Ein typischer Trainingsblock für den Hardrock könnte so aussehen:

  • Woche 1 bis 4: Grundlagenaufbau mit 1.500 bis 2.500 Höhenmetern pro Woche, Fokus auf Technik im Abstieg
  • Woche 5 bis 8: Steigerung auf 3.000 bis 4.500 Höhenmeter, erste Back-to-Back-Wochenenden
  • Woche 9 bis 11: Spitzenbelastung mit bis zu 6.000 Höhenmetern, langer Einzellauf über acht Stunden
  • Woche 12: Taper-Phase, Reduktion auf 40 Prozent des Maximalvolumens

Abstiegstraining wird systematisch unterschätzt. Bergab zu laufen belastet die Quadrizeps exzentrisch, kostet im Rennen Energie und ist für Verletzungen mitverantwortlich. Wer Abstiege gezielt trainiert, läuft am Renntag deutlich frischer durch die zweite Hälfte. Was Trailrunning dir beibringt, das die Straße nicht kann, zeigt sich genau in solchen Momenten.

Höhenanpassung: Strategien zwischen Luxus und Pragmatismus

Die bekannteste Methode zur Höhenanpassung ist das Live-High-Train-Low-Prinzip. Du wohnst und schläfst in größerer Höhe, damit sich die Erythrozytenproduktion ankurbelt, trainierst aber in niedrigeren Lagen, um Qualität und Intensität zu erhalten. Höhenzelte replizieren diesen Effekt zu Hause. Ein gutes Modell kostet zwischen 2.000 und 4.500 €. Das ist eine Investition, kein Spielzeug.

Die zugänglichere Alternative ist ein gezieltes Pre-Race-Camp. Dabei reist du zwei bis drei Wochen vor dem Rennen in die Zielregion und trainierst dort auf Höhe. Beim Hardrock bieten sich Silverton oder Ouray in Colorado an, beide auf über 2.700 Metern. Dein Körper beginnt sich innerhalb von 48 bis 72 Stunden anzupassen. Der volle physiologische Effekt braucht allerdings drei bis vier Wochen.

Wer weder Budget für ein Höhenzelt noch Zeit für ein langes Camp hat, sollte zumindest die Kurzakklimation nutzen: drei bis fünf Tage vor dem Rennen in der Region ankommen, leichte Einheiten machen und nicht versuchen, auf Höhe noch Qualitätsarbeit zu leisten. Was du kurz vor dem Start nicht mehr aufbaust, kannst du dir durch falschen Ehrgeiz noch nehmen.

Ein häufiger Fehler: Läufer reisen zwei Tage vor dem Start an und glauben, das reicht. Zwischen 24 und 72 Stunden nach Ankunft auf Höhe sinkt die Leistungsfähigkeit oft auf ein temporäres Tief. Genau in diesem Fenster solltest du nicht starten.

Mentale Stärke und Ausrüstung: Die unterschätzten Erfolgsfaktoren

Courtney Dauwalter, eine der dominantesten Ultraläuferinnen der Welt und mehrfache Finisherin extremer Bergrennen, spricht offen über mentale Strategien. Eine davon ist die Mikrosegmentierung. Du brichst das Rennen nicht in 160 Kilometer auf, sondern in das nächste Schild, den nächsten Grat, den nächsten Checkpoint. Was für den Verstand abstrakt ist, wird konkret und handhabbar. Wie sie diese Strategie unter Wettkampfbedingungen einsetzt, zeigte sich eindrucksvoll, als Dauwalter einen 4-Minuten-Rückstand aufholte und den Chianti Ultra Trail in letzter Minute für sich entschied.

Visualisierung funktioniert als Ergänzung dazu. Konkret bedeutet das: Du gehst die schwierigsten Passagen der Strecke vor dem Rennen in deinem Kopf durch. Du stellst dir vor, wie du nachts müde am Virginius Pass ankommst, was du dann fühlst, und was du trotzdem tust. Mentale Schwierigkeiten beim Training zu simulieren ist genauso trainierbar wie Kondition.

Bei der Ausrüstung trennt sich Hochgebirgstrail klar vom Straßenmarathon. Pflichtausrüstung beim Hardrock umfasst unter anderem Notfallbiwak, Pfeife, Stirnlampe mit Ersatzbatterien und wetterfeste Jacke. Kein Nice-to-have. Wer ohne checkt, startet nicht.

Das Layering-System entscheidet über Komfort und Sicherheit. Die Basisschicht transportiert Feuchtigkeit, die Mittelschicht isoliert, die Außenschicht schützt vor Wind und Regen. In den San Juan Mountains wechselt das Wetter innerhalb von Minuten. Nachmittags sind Gewitter nahezu garantiert. Wer auf 4.000 Metern ohne Schutzschicht überrascht wird, riskiert mehr als schlechte Pace.

Trekkingstöcke sind beim Hardrock kein Zeichen von Schwäche. Sie entlasten die Knie im Abstieg um bis zu 25 Prozent, helfen bei technischen Anstiegen und stabilisieren bei Erschöpfung. Wer sie nicht im Training benutzt, sollte sie nicht erst im Rennen ausprobieren. Die Koordination und der Rhythmus mit Stöcken müssen sitzen, bevor du in die Berge gehst.