Running

Tyler Andrews: Everest-Rekord mit Sauerstoff

Tyler Andrews bestieg den Everest in Rekordzeit mit Supplementsauerstoff. Sein Ultraläufer-Hintergrund stellt alte Grenzen zwischen Laufsport und Alpinismus infrage.

A runner climbs a snowy Himalayan ridge wearing an oxygen mask against a golden sky.

Ein Ultraläufer auf dem Dach der Welt

Tyler Andrews hat den Mount Everest in einer Zeit bestiegen, die bisher niemand mit Supplementsauerstoff erreicht hat. Der amerikanische Ultraläufer kombinierte dabei Techniken aus dem Ausdauersport mit klassischem Höhenbergsteigen. Das Ergebnis war ein Rekord, der die Sportwelt aufhorchen lässt.

Andrews ist kein klassischer Alpinist. Er hat sich seinen Namen auf Ultra-Distanzen gemacht, von langen Bergrennen bis hin zu Hochgeschwindigkeitstransekten durch unwirtliches Terrain. Genau diese Basis scheint ihm auf dem höchsten Berg der Welt einen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben.

Was ihn von anderen Everest-Schnellbesteigern unterscheidet, ist sein Ansatz. Er dachte sich die Route wie ein Rennen. Pacing, Ernährung, Erholung. Das sind Konzepte, die im Trailrunning selbstverständlich sind, im Hochgebirge aber noch immer als ungewöhnlich gelten.

Supplementsauerstoff: Hilfsmittel oder Spielregel?

Die Frage, die nach Andrews' Rekord sofort auftauchte, war keine über seinen Körper. Sie war eine über Kategorien. Denn im Speed-Alpinismus gilt die Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff als die härtere, puristische Leistung. Andrews nutzte Supplementsauerstoff. Das ist auf dem Everest absolut üblich, aber es trennt seinen Rekord klar von Zeiten wie denen von Kilian Jornet.

Jornet bestieg den Everest 2017 zweimal binnen einer Woche, einmal davon ohne Sauerstoff. Diese Leistungen sind in der Speed-Alpinismus-Community der Maßstab. Andrews bewegt sich in einer anderen Kategorie. Das bedeutet nicht, dass seine Leistung weniger beeindruckend ist. Es bedeutet nur, dass der Vergleich komplex wird.

Supplementsauerstoff verändert die Physiologie auf über 8.000 Metern grundlegend. Er hebt die effektive Höhe für den Körper deutlich ab, was die kognitive Funktion und die Muskelausdauer verbessert. Das ist kein Betrug, sondern Standard im kommerziellen und auch im Leistungsalpinismus. Die Diskussion darüber sagt aber viel darüber aus, wie Athleten und Medien Rekorde einordnen.

Wenn Laufeffizienz auf vertikales Terrain trifft

Was Andrews' Aufstieg technisch interessant macht, ist die Art, wie er sich bewegt. Ultraläufer haben eine ausgeprägte Fähigkeit, ihren Energieeinsatz über sehr lange Zeiträume zu regulieren. Sie kennen ihren Körper auf einem Level, das viele Bergsteiger in dieser Form nicht trainieren. Diese Effizienz zahlt sich auf langen, steilen Anstiegen direkt aus.

Studien zu Ausdauerathleten zeigen, dass eine hohe VO2max allein nicht ausreicht. Entscheidend ist die sogenannte Laufökonomie, also wie viel Energie du für eine bestimmte Bewegung aufwenden musst. Ultraläufer optimieren genau das über Jahre hinweg. Auf dem Everest, wo jede Kalorie zählt und jede Bewegung Sauerstoff kostet, ist das ein enormer Vorteil.

Andrews hat außerdem Erfahrung mit extremer Hitze- und Kälteanpassung, mit Schlafentzug und mit dem Essen und Trinken unter Belastung. Das klingt nach Selbstverständlichkeiten, ist es aber nicht. Viele traditionelle Bergsteiger trainieren diese Fähigkeiten kaum systematisch. Für jemanden wie Andrews gehören sie zum Grundhandwerk.

Was dieser Rekord für den Bergsport bedeutet

Andrews ist nicht der erste Läufer, der in die Berge gewechselt hat. Die Karrieren von Kilian Jornet, Killian Jornet und anderen zeigen, dass die Grenzen zwischen Trailrunning und Alpinismus seit Jahren verschwimmen. Aber Andrews' Rekord bringt eine neue Facette in diese Debatte.

Er zeigt, dass du kein klassisch ausgebildeter Bergsteiger sein musst, um auf dem höchsten Berg der Welt Rekorde zu brechen. Die Fähigkeiten, die du im Ultrarunning entwickelst, sind übertragbar. Das ist eine Botschaft, die die Trainingskultur in beiden Sportarten beeinflussen könnte.

Gleichzeitig stellt sein Aufstieg alte Kategorien in Frage. Was ist ein Everest-Rekord wert, wenn es ihn in mehreren Versionen gibt? Mit Sauerstoff, ohne Sauerstoff, auf verschiedenen Routen, mit oder ohne Sherpa-Unterstützung. Die Antwort ist keine einfache. Aber die Frage zu stellen, ist genau das, was den Sport voranbringt.

  • Rekordkategorie: Andrews' Zeit gilt für Besteigungen mit Supplementsauerstoff, getrennt von reinen Speed-Alpinismus-Marken
  • Laufhintergrund: Erfahrung auf Ultra-Distanzen, inklusive extremer Wetterbedingungen und mehrtägiger Rennen
  • Physiologischer Vorteil: Hohe Laufökonomie und ausgeprägte Fähigkeit zur Energieregulation über lange Zeiträume
  • Sportliche Einordnung: Grenzbereich zwischen Trailrunning, Ultramarathon und Hochgebirgsalpinismus
  • Bedeutung für den Sport: Zeigt, dass Ausdauerlauftraining konkret auf vertikale Extremleistungen übertragbar ist

Was Andrews getan hat, ist mehr als ein Rekord auf einer Bestenliste. Es ist ein Beweis dafür, dass Athletik keine starren Grenzen kennt. Wer jahrelang seinen Körper auf langen Strecken in unwegsamem Gelände trainiert, trägt ein Werkzeugset in sich, das weit über die nächste Ziellinie hinausreicht.