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62 % ausgebrannt: Wellhub-Bericht 2026 zeigt Wellness-Lucke

62 % der Beschäftigten leiden unter Burnout-Symptomen. Der Wellhub-Report 2026 zeigt, wie dramatisch die Zufriedenheit mit betrieblichen Wellbeing-Programmen gesunken ist.

Exhausted person with head in hands at modern office desk, untouched coffee cup nearby.

Der Wellhub-Report 2026: Was die Zahlen über den Zustand der Arbeitswelt verraten

Am 1. September 2026 hat Wellhub seinen jährlichen State of Work-Life Wellness Report veröffentlicht. Die Grundlage: mehr als 5.000 Vollzeitbeschäftige aus zehn globalen Märkten, befragt zu Burnout, Benefits und der Qualität betrieblicher Gesundheitsprogramme. Das Ergebnis ist eindeutig und alarmierend zugleich.

Die Daten zeigen kein graduelles Abrutschen, sondern einen echten Bruch. Unternehmen, die glaubten, mit ihren Wellbeing-Programmen auf Kurs zu sein, bekommen durch diesen Report ein klares Korrektiv. Für HR-Verantwortliche, die gerade ihre Q4-Budgets planen, kommen diese Zahlen zum richtigen Zeitpunkt.

Die Studie deckt Märkte in Europa, Nord- und Lateinamerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum ab. Das macht die Daten besonders wertvoll für multinationale Unternehmen, die einheitliche Wellbeing-Standards über verschiedene Standorte hinweg etablieren wollen.

62 Prozent der Beschäftigten erleben Burnout-Symptome

62 Prozent der befragten Mitarbeitenden gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Burnout-Symptome erlebt zu haben. Das ist keine Randerscheinung mehr. Burnout ist zur Mehrheitserfahrung geworden, ein strukturelles Problem, das quer durch Branchen, Hierarchieebenen und Regionen verläuft.

Dabei geht es nicht um gelegentliche Erschöpfung nach einem langen Projekt. Burnout in diesem Kontext bedeutet anhaltende emotionale und körperliche Erschöpfung, sinkende Leistungsfähigkeit und ein wachsendes Gefühl der Distanz zur eigenen Arbeit. Wer glaubt, das betrifft nur bestimmte Berufsgruppen oder besonders belastete Teams, irrt sich.

Für HR-Teams bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr, ob ein signifikanter Teil der Belegschaft betroffen ist. Die Frage ist, welche konkreten Maßnahmen bereits greifen und welche nicht. Der Report liefert dafür die nötigen Benchmarks.

Nur 29 Prozent bewerten ihr Wellbeing-Programm als gut

Hier liegt der vielleicht schärfste Befund des gesamten Reports. Nur 29 Prozent der Befragten bewerten das Wellbeing-Programm ihres Arbeitgebers als gut. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent. Das ist ein Rückgang von zwölf Prozentpunkten innerhalb eines einzigen Jahres.

Solche Einbrüche entstehen nicht durch einen einzelnen Fehler. Sie entstehen, wenn die Erwartungen der Mitarbeitenden schneller wachsen als die tatsächlich angebotenen Leistungen. Unternehmen, die seit Jahren dasselbe EAP-Programm oder dieselbe Obstkorb-Lösung anbieten, merken jetzt, dass diese Maßnahmen im Bewusstsein der Mitarbeitenden kaum noch als echte Benefits wahrgenommen werden.

Besonders aufschlussreich ist dabei ein weiterer Datenpunkt: Nur 15 bis 17 Prozent der befragten Arbeitgeber bieten tatsächlich Fitness-Kernleistungen als Teil ihres Wellbeing-Programms an. Die Nachfrage nach genau diesen Angeboten, also Zugang zu Fitnessstudios, digitalen Trainingsplattformen oder Sport-Zuschüssen, ist hingegen deutlich höher. Diese Lücke zwischen dem, was Mitarbeitende wollen, und dem, was Unternehmen liefern, erklärt den Zufriedenheitseinbruch zu einem großen Teil.

Wellbeing ist zum Retention-Faktor geworden

85 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen Jobwechsel in Betracht ziehen würden, wenn ihr Arbeitgeber ihr Wohlbefinden vernachlässigt. Diese Zahl ist kein weicher Stimmungsindikator. Sie stellt Wellbeing direkt neben Gehalt und Karriereentwicklung als entscheidenden Bindungsfaktor.

Für Unternehmen, die Wellbeing-Programme bisher als "nice to have" oder als reines Employer-Branding-Instrument betrachtet haben, ändert sich damit die Kalkulation grundlegend. Wenn fast neun von zehn Mitarbeitenden bereit sind, wegen schlechter Wellbeing-Maßnahmen zu gehen, dann ist das kein Kulturthema mehr. Das ist ein Kostenthema — und eng verwandt mit dem Phänomen, dass emotionale Arbeit die Fluktuation stärker treibt als das reine Arbeitsvolumen.

Die Rechnung ist direkt. Fluktuationskosten für eine einzelne Fachkraft liegen je nach Branche und Senioritätslevel zwischen 50 und 200 Prozent des Jahresgehalts. Wenn ein gut strukturiertes Wellbeing-Programm selbst einen Teil dieser Abgänge verhindert, rechnet es sich in den meisten Fällen mehrfach. Der Report liefert HR-Verantwortlichen damit genau das Argument, das sie für interne Budget-Diskussionen brauchen.

  • 85 % der Mitarbeitenden würden bei Vernachlässigung ihres Wohlbefindens über einen Jobwechsel nachdenken
  • 62 % haben in den vergangenen zwölf Monaten Burnout-Symptome erlebt
  • 29 % bewerten das Wellbeing-Programm ihres Arbeitgebers als gut (Vorjahr: 41 %)
  • 15 bis 17 % der Arbeitgeber bieten tatsächlich Fitness-Kernleistungen an

Was HR-Teams jetzt konkret tun können

Der Report erscheint zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt. Q4-Budgetgespräche laufen in vielen Unternehmen gerade an oder stehen unmittelbar bevor. Wer jetzt handelt, kann Wellbeing-Investitionen noch für das kommende Geschäftsjahr verankern, anstatt nach einem weiteren verlorenen Jahr aufzuholen.

Ein erster sinnvoller Schritt ist ein internes Audit der bestehenden Benefits. Wie viele der angebotenen Maßnahmen werden tatsächlich genutzt? Welche davon decken aktiv nachgefragte Bereiche wie körperliche Fitness, mentale Gesundheit oder flexible Erholungszeit ab? Und welche existieren nur auf dem Papier? Die Lücke zwischen Angebot und tatsächlicher Nutzung ist in vielen Unternehmen größer als angenommen.

Darüber hinaus lohnt es sich, den Wellhub-Report als externe Referenz in Budget- und Führungsgesprächen einzusetzen. Daten aus einer branchenübergreifenden Studie mit mehr als 5.000 Befragten und globalem Geltungsbereich haben ein anderes Gewicht als interne Mitarbeiterbefragungen allein. Sie zeigen, dass die Probleme im eigenen Unternehmen kein Sonderfall sind, sondern Teil eines strukturellen Trends — ähnlich wie Studien belegen, dass betriebliche Gesundheitsprogramme einen ROI von 1,9x auf Krankenversicherungskosten erzielen können.

Wer den Anschluss verpasst, zahlt dafür. Nicht einmalig, sondern kontinuierlich, durch höhere Fluktuation, steigende Krankenquoten und wachsende Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften, die heute genauer als je zuvor hinschauen, wie ein Arbeitgeber mit dem Wohlbefinden seiner Mitarbeitenden umgeht.