Ein neuer Rekord auf Korsikas härtestem Trail
Aurélien Dunand-Pallaz hat auf dem GR20 eine neue Bestmarke aufgestellt. Der französische Trailrunner absolvierte die rund 180 Kilometer lange Route quer durch das korsische Gebirge in einer Zeit, die den bisherigen Männer-FKT im Supported-Format deutlich unterbietet. Eine Leistung, die in der Szene sofort für Aufsehen gesorgt hat.
Der GR20 gilt als eine der anspruchsvollsten Langstreckenrouten Europas. Das Profil ist brutal: Über 13.000 Höhenmeter verteilt auf felsige Gratkletterpassagen, ausgesetzte Pfade und technische Abschnitte, die selbst erfahrene Bergläufer an ihre Grenzen bringen. Dunand-Pallaz hat diese Route nicht nur überstanden, er hat sie dominiert.
Dass er dabei im Supported-Format unterwegs war, bedeutet, dass er auf Versorgungspunkte mit Crew zurückgreifen konnte. Das ändert nichts an der körperlichen Leistung. Die Zeit, die es braucht, um diese Strecke überhaupt zu laufen, bleibt schwindelerregend. Jede Stunde auf diesem Terrain kostet mehr als auf normalen Trailstrecken.
Was den GR20 so besonders und so erbarmungslos macht
Der GR20 ist kein gewöhnlicher Wanderweg. Die Route verläuft von Calenzana im Norden bis nach Conca im Süden und führt dabei durch das Herz des korsischen Gebirges. Wer die Strecke klassisch wandert, braucht dafür durchschnittlich 15 Tage. Dunand-Pallaz hat sie in einem Bruchteil dieser Zeit zurückgelegt.
Was die Route technisch so schwierig macht, ist nicht allein die Länge. Es sind die ständigen Richtungswechsel, das stetige Auf und Ab ohne nennenswerte Flachabschnitte und der felsige Untergrund, der schnelle Bewegungen zur Risikoübung macht. Hinzu kommen die typisch korsischen Wetterbedingungen. Hitze in den tiefen Lagen, Wind und Kälte auf den Graten, schnelle Gewitter ohne Vorwarnung.
Für Trailrunner ist der GR20 deshalb so reizvoll, weil er alles gleichzeitig verlangt:
- Technische Trittsicherheit auf ausgesetzten Felspassagen
- Ausdauer über mehrere Tage und Nächte hinweg
- Navigationsgeschick auf einem teilweise schlecht markierten Terrain
- Mentale Stärke, wenn Körper und Kopf gegen Ende der Route nicht mehr mitspielen wollen
Es gibt kaum eine andere Route in Europa, die so viele dieser Anforderungen auf einmal kombiniert. Der GR20 ist kein Spaßlauf. Er ist ein ernsthafter Test.
FKTs: Warum das Format gerade so viel Fahrt aufnimmt
Fastest Known Times sind kein neues Konzept. Aber in den letzten Jahren haben sie sich zu einem echten Wettkampfformat entwickelt, das neben dem klassischen Rennsport existiert und für viele Läufer sogar attraktiver geworden ist. Kein Startfeld, kein Rennbüro, kein Anmeldeschluss. Du, die Strecke und die Uhr.
Das Modell spricht eine wachsende Gruppe von Athleten an, die sich nicht in den Kalender großer Veranstaltungen wie dem UTMB oder dem Transgrancanaria einpassen wollen oder können. FKT-Versuche lassen sich selbst planen, individuell vorbereiten und nach eigenen Maßstäben durchführen. Gleichzeitig ist der Druck nicht kleiner. Ein öffentlich dokumentierter FKT-Versuch trägt denselben sozialen und sportlichen Erwartungsdruck wie ein offizielles Rennen.
Dunand-Pallaz ist kein Unbekannter in der Szene. Er hat sich in den letzten Jahren als einer der stärksten Bergläufer Frankreichs etabliert und bei internationalen Rennen immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Dass er seinen Fokus jetzt auf den GR20-FKT gerichtet hat, zeigt, wie ernst das Format inzwischen genommen wird — ähnlich wie Sophie Woods' Rekord auf der Via Alpina zeigt, dass FKTs längst keine Randdisziplin mehr sind. Nicht als Ersatz für Rennen. Als eigenständige sportliche Herausforderung.
Was dieser Rekord für dich als Läufer bedeutet
Dunand-Pallaz hat eine Route ins Rampenlicht gerückt, die bei vielen Trailrunnern schon länger auf der Wunschliste steht. Der GR20 ist seit Jahren bekannt, aber als Laufroute wird er noch immer unterschätzt. Das dürfte sich jetzt ändern.
Wenn du die Route selbst irgendwann angehen willst, musst du eines klar verstehen: Selbst als nicht-rekordorientierter Läufer verlangt der GR20 eine ernsthafte Vorbereitung. Das bedeutet nicht nur Kilometer in den Beinen, sondern spezifisches Training auf technischem Untergrund, solides Höhenmetertraining und realistische Planung der Etappen.
Ein paar Dinge, die du beim Planen bedenken solltest:
- Beste Jahreszeit: Juni bis September, wobei Juli und August am stärksten frequentiert sind
- Verpflegung: Rifugios entlang der Route bieten Mahlzeiten und Übernachtungen, aber als Läufer planst du das anders als ein Wanderer
- Ausrüstung: Leichte Trailschuhe mit gutem Grip auf Fels sind Pflicht. Weiche Sohlen kommen auf dem korsischen Granit schnell an ihre Grenzen
- Wetter: Plane immer eine Schlechtwetteroption ein. Gewitter auf exponierten Graten sind keine Seltenheit
Der Rekord von Dunand-Pallaz ist sportlich beeindruckend. Aber er erinnert auch daran, dass der GR20 nicht nur etwas für Profis ist. Er ist ein Ziel, das ambitionierte Trailrunner mit der richtigen Vorbereitung realistisch anpacken können. Wer solche Routen gezielt plant, weiß: einen flexiblen Rennplan parat zu haben kann den Unterschied machen, wenn das Gelände oder das Wetter nicht mitspielt. Der Unterschied liegt nur darin, wie lange du dafür brauchst. Und das ist am Ende das, was Trails wie diesen so ehrlich macht.