Running

Kaylee Frederick öffnet Trailrunning für die Jugend

Kaylee Frederick kämpft dafür, dass Trailrunning endlich für alle zugänglich wird. Ihre Geschichte zeigt, was sich 2026 im Sport gerade verändert.

Young woman trail running through a sunlit pine forest, dust rising from her shoes in warm golden morning light.

Eine Athletin, die mehr als nur Rennen läuft

Kaylee Frederick ist kein Name, den du nur auf Ergebnislisten findest. Die Trailläuferin aus den USA hat sich seit 2025 einen Namen gemacht, der weit über ihre sportlichen Leistungen hinausgeht. Im September 2026 gilt sie in der Trailrunning-Community als eine der lautesten und glaubwürdigsten Stimmen, wenn es darum geht, junge Athletinnen und Athleten für den Sport zu begeistern, und zwar nicht nur auf dem Papier.

Was Frederick von anderen Botschafterinnen des Sports unterscheidet, ist ihre persönliche Geschichte. Sie selbst wuchs in einem Haushalt auf, in dem Outdoor-Sport kein selbstverständlicher Teil des Alltags war. Keine teuren Laufschuhe, keine Vereinsmitgliedschaft, kein Netzwerk in der Szene. Das hat geprägt, wie sie heute über Zugang und Inklusion spricht. Nicht abstrakt, sondern konkret und aus eigener Erfahrung.

Ihre Arbeit umfasst mittlerweile Schulkooperationen, Mentoring-Programme und öffentliche Auftritte, bei denen sie gezielt Jugendliche anspricht, die sich im klassischen Trailrunning-Umfeld schlicht nicht wiederfinden. Das Ziel ist klar: Der Sport soll aufhören, eine Nische für eine bestimmte demografische Gruppe zu sein.

Trailrunning boomt, aber nicht für alle

Die Zahlen sprechen für sich. Trailrunning hat in den letzten Jahren weltweit massiv zugelegt. Allein in Europa sind die Teilnehmerzahlen bei organisierten Trailrennen zwischen 2022 und 2026 um mehr als 30 Prozent gewachsen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz boomt die Szene, neue Events schießen aus dem Boden, und Social Media hat den Sport sichtbarer gemacht als je zuvor.

Aber hinter dem Wachstum steckt ein Problem. Die Einstiegshürden sind für viele Jugendliche nach wie vor real und spürbar. Ein ordentliches Paar Trailschuhe kostet schnell zwischen 130 und 180 Euro. Dazu kommen Funktionskleidung, Trinkrucksäcke und im Zweifelsfall Startgebühren für Rennen, die je nach Event 40 bis über 100 Euro betragen können. Wer das nicht stemmen kann, bleibt draußen.

Hinzu kommt das Thema Zugang zu Natur und Trails. In städtischen Gebieten ist der Weg zu einem echten Trailgelände oft weit. Wer kein Auto hat oder von zuhause keine Unterstützung bekommt, für den ist Trailrunning logistisch schlicht schwierig. Frederick spricht diesen Punkt offen an, weil er selten in der offiziellen Kommunikation des Sports auftaucht.

Besonders Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen oder Familien ohne Outdoor-Tradition stoßen auf eine unsichtbare Wand. Der Sport vermittelt nach außen hin oft ein Bild, das nicht einladend wirkt. Profis in High-End-Ausrüstung, makellose Bergkulissen, teure Rennen in den Alpen. Das schreckt ab, auch wenn es nicht die Absicht ist.

Was Frederick konkret tut und warum es wirkt

Fredericks Ansatz ist bodenständig. Sie setzt nicht auf große Kampagnen oder abstrakte Diversity-Versprechen, sondern auf direkte Verbindungen. In Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendzentren hat sie in den letzten zwei Jahren Schnupperprogramme aufgebaut, bei denen Jugendliche ohne eigene Ausrüstung erste Erfahrungen auf Trails machen können. Leihschuhe, kostenlose Teilnahme, niedrigschwellige Einstiege.

Ein zentraler Baustein ihrer Arbeit ist das Mentoring. Frederick verbindet junge Läuferinnen und Läufer mit erfahrenen Athletinnen und Athleten aus ähnlichen Hintergründen. Der Gedanke dahinter ist einfach und effektiv: Du glaubst eher daran, dass du in einem Sport Platz hast, wenn du jemanden siehst, der so aussieht wie du und denselben Weg gegangen ist.

Dazu kommen ihre Social-Media-Aktivitäten, die bewusst anders aussehen als der typische Trailrunning-Content. Keine perfekten Bergfotos mit Profi-Equipment. Stattdessen ehrliche Einblicke in Training, Scheitern, Fortschritt und die Realität des Einstiegs ohne großes Budget. Das kommt an, besonders bei einer Generation, die Authentizität sofort erkennt und Hochglanz-Marketing kritisch beäugt.

Eine Bewegung, die groesser ist als eine Person

Frederick ist nicht allein mit ihrem Anliegen. Was sie tut, spiegelt einen breiteren Wandel wider, der sich in der Trailrunning-Welt seit einigen Jahren abzeichnet. Organisationen wie iRunFar, die ITRA und verschiedene nationale Verbände haben begonnen, Diversität und Inklusion als strategische Themen zu behandeln, nicht nur als Kommunikationsaufgabe.

In den USA gibt es mittlerweile Förderprogramme, die gezielt Startgebühren für Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen übernehmen. In Deutschland arbeiten einzelne Veranstalter daran, lokale Trailserien zugänglicher zu gestalten und lokale Schulen aktiv einzubinden. Das sind erste Schritte, aber sie zeigen, dass die Szene erkannt hat, dass langfristiges Wachstum nur durch echte Öffnung möglich ist.

Die Zahlen machen deutlich, warum das so wichtig ist. Trailrunning hat ein Nachwuchsproblem. Der Altersdurchschnitt bei vielen etablierten Rennen liegt deutlich über 35. Ohne einen echten Zustrom jüngerer Athletinnen und Athleten droht der Sport mittel- bis langfristig in seiner eigenen Bubble zu verharren. Frederick und andere, die ähnliche Arbeit leisten, sind keine Gutmenschen mit einem netten Nebenprojekt. Sie sind strukturell notwendig für die Zukunft des Sports.

Was Kaylee Frederick letztlich repräsentiert, ist eine simple, aber kraftvolle Idee: Trailrunning gehört niemandem exklusiv. Die Berge, die Trails, das Gefühl von Freiheit beim Laufen im Gelände. Das sollte zugänglich sein für alle, die es wollen. Und dafür braucht es Menschen, die aktiv Türen aufhalten, nicht nur davon reden.

  • Einstiegskosten: Trailschuhe kosten oft zwischen 130 und 180 Euro, Startgebühren für Rennen zwischen 40 und über 100 Euro.
  • Zugangsproblem: In vielen Städten sind Trailgelände ohne Auto schwer erreichbar, besonders für Jugendliche.
  • Mentoring wirkt: Rollenmodelle aus ähnlichen Hintergründen erhöhen nachweislich die Identifikation mit einem Sport.
  • Struktureller Bedarf: Der Altersdurchschnitt bei Trailrennen liegt oft weit über 35, der Sport braucht dringend Nachwuchs.
  • Wachsende Initiativen: Verbände und Veranstalter in den USA und Europa arbeiten aktiv an Förderprogrammen für junge Athleten.