Das Ultra-Wochenende vom 6. September 2026: Überblick und Ergebnisse
Das erste September-Wochenende 2026 hatte es in der Ultra-Szene wirklich in sich. Rund um den Globus gingen Läuferinnen und Läufer bei einigen der härtesten Rennen des Jahres an den Start. Von den Alpen bis in die amerikanischen Berge war das Feld stark besetzt, die Bedingungen teilweise brutal.
Drei Events stachen dabei besonders hervor: der Glacier Ultra Trail Chamonix in Frankreich, der Cascades 100 in Oregon (USA) und der Drakensberg Ultra 80K in Südafrika. Alle drei Rennen lieferten packende Duelle an der Spitze und überraschend tiefe Finisher-Felder trotz der Hitze in einigen Regionen.
Für alle, die selbst unterwegs waren, gerade recovern oder einfach wissen wollen, was das Wochenende gebracht hat. Hier kommt dein schnelles Ergebnis-Update für den Montagmorgen.
Glacier Ultra Trail Chamonix: Europas Highlight des Wochenendes
Der Glacier Ultra Trail Chamonix über 110 Kilometer und rund 7.200 Höhenmeter war das prestige-trächtigste Rennen des Wochenendes. Bedingungen: kühl am Morgen, mit starkem Wind auf den Hochlagen über 3.000 Meter. Mehrere Läufer berichteten von eisigen Böen am Col des Montets, die das Tempo auf den Gratpassagen erheblich bremsten.
Bei den Männern setzte sich Markus Brandl aus Österreich durch. Der 31-Jährige lief eine Zeit von 12:47:33 und schlug damit den Schweizer Favoriten Joël Steiner um knapp vier Minuten. Brandl war in der zweiten Hälfte des Rennens schlicht nicht zu stoppen. Seine Splits zwischen Kilometer 65 und dem Ziel waren die schnellsten im gesamten Feld.
Bei den Frauen gewann die Französin Camille Renard souverän in 14:22:07. Sie führte das Rennen bereits nach dem ersten großen Anstieg an und baute ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Beeindruckend: Renard lief die letzten 20 Kilometer schneller als ihr Tempo in der Rennmitte. Platz zwei und drei gingen an die Britin Sarah Moor und die Deutsche Lena Fischbach.
- Männer Sieger: Markus Brandl (AUT) . 12:47:33
- Frauen Siegerin: Camille Renard (FRA) . 14:22:07
- Finisher-Quote: 71 Prozent (starker Wind auf den Höhenlagen als Hauptgrund für DNFs)
- Strecke: 110 km / 7.200 hm, Chamonix-Massif
Cascades 100 Oregon: Drama im Nordwesten der USA
Der Cascades 100 ist bekannt für sein gnadenloses Profil durch den Willamette National Forest. In diesem Jahr kamen Temperaturen von bis zu 34 Grad Celsius dazu, was die Renntaktik vieler Eliteläufer durcheinanderwarf. Die Crew-Zugangspunkte waren am Samstagnachmittag zeitweise überfüllt, da sich das Rennen deutlich dehnte.
Sieger bei den Männern wurde Tyler Okafor aus Bend, Oregon. Sein Heimrennen lief er in 20:14:51 und distanzierte damit den Vorjahressieger Derek Huang im letzten Drittel des Kurses. Okafor hatte bei Meile 60 noch einen Rückstand von rund 12 Minuten aufgeholt, eine Leistung, die im Zielbereich für echte Begeisterung sorgte.
Die Frauen-Wertung gewann Priya Nair in einer Zeit von 23:01:17. Nair läuft erst seit drei Jahren im Ultra-Bereich und hatte dieses Rennen als ihr erstes 100-Meilen-Rennen überhaupt angekündigt. Ihr Rennen war taktisch klug und körperlich beeindruckend. Sie lief nie in die rote Zone, blieb konsequent in ihrem Pacing und übernahm Platz eins bei Meile 78.
- Männer Sieger: Tyler Okafor (USA) . 20:14:51
- Frauen Siegerin: Priya Nair (USA) . 23:01:17
- Bedingungen: bis zu 34 Grad, partiell bewölkt ab Stunde 14
- Strecke: 161 km (100 Meilen), Willamette National Forest, Oregon
- DNF-Rate: knapp 38 Prozent, deutlich über dem Schnitt der Vorjahre
Drakensberg Ultra 80K: Aufsteiger und afrikanische Hitze
Der Drakensberg Ultra 80K in der südafrikanischen KwaZulu-Natal-Provinz zieht jedes Jahr eine wachsende internationale Starterliste an. Das Rennen verläuft durch das UNESCO-Welterbegebiet des Drakensberge-Gebirges, auf unwegsamem Terrain mit beeindruckenden Ausblicken und gefährlichen technischen Abschnitten.
Bei den Männern dominierte Sipho Dlamini aus Johannesburg das Rennen von Beginn an. Er überquerte die Ziellinie in 7:52:19 und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Dlamini ist in der südafrikanischen Trail-Szene seit Jahren ein bekannter Name, doch international bekommt er jetzt endlich die Aufmerksamkeit, die seine Leistungen verdienen.
Die Frauen-Wertung entschied Amara Diallo aus Senegal für sich. Diallos Zeit von 9:18:44 war ebenfalls ein Streckenrekord. Beide Rekorde fielen trotz Temperaturen um die 29 Grad und einem besonders matschigen Mittelteil der Strecke nach heftigen Regenfällen in der Vorwoche. Das Rennen wächst und wächst. Es wäre keine Überraschung, wenn der Drakensberg Ultra 80K in den nächsten zwei Jahren den Sprung in die globalen Ultra-Toplisten schafft.
- Männer Sieger: Sipho Dlamini (ZAF) . 7:52:19 (Streckenrekord)
- Frauen Siegerin: Amara Diallo (SEN) . 9:18:44 (Streckenrekord)
- Bedingungen: 29 Grad, feuchtes Terrain nach Vorregen
- Strecke: 80 km, Drakensberge, KwaZulu-Natal, Südafrika
Was diese Ergebnisse für den Herbst bedeuten
Der erste Ultra-Schub im September hat einige klare Signale gesendet. Hitze bleibt ein entscheidender Faktor. Die hohen DNF-Raten beim Cascades 100 zeigen, dass selbst gut trainierte Läufer in extremer Wärme an ihre Grenzen stoßen. Wer im Herbst noch größere Rennen plant, sollte Hitzeanpassung als aktiven Trainingsbestandteil ernst nehmen.
Auf der positiven Seite: Das Leistungsniveau ist insgesamt gestiegen. Zwei Streckenrekorde an einem einzigen Wochenende, dazu dominante Auftritte von Markus Brandl und Priya Nair als relative Außenseiter. Das deutet darauf hin, dass die Ultra-Szene breiter und tiefer wird. Es gibt weniger klare Favoriten und mehr echte Rennen an der Spitze — ähnlich wie beim Western States 100 2026, wo ebenfalls Außenseiter das Rennen dominierten.
Die großen Highlights der Herbst-Ultra-Saison stehen noch bevor. Im Oktober und November kommen Events wie der Ultra-Trail du Mont-Blanc (sofern als Herbst-Wertung relevant), der Javelina Jundred in Arizona und der Sao Paulo Ultra Trail in Brasilien. Das Wochenende vom 6. September war der Schuss, der die Herbst-Ultra-Saison einläutet. Jetzt wird es ernst.