El Morabity schreibt Geschichte in der Sahara
Der Marathon des Sables 2026 hat wieder einmal bewiesen, warum er als härtestes Fußrennen der Welt gilt. Über sechs Tage, rund 250 Kilometer und durch eine der unwirtlichsten Landschaften der Erde kämpften sich mehr als 1.000 Läuferinnen und Läufer aus über 50 Ländern durch den marokkanischen Sahara-Sand. Und an der Spitze stand wieder einmal ein Name, den die Ultrarunning-Welt längst kennt: Mohamed El Morabity.
Der Marokkaner gewann die Gesamtwertung mit einer Souveränität, die die Konkurrenz schlicht staunen ließ. Etappe für Etappe baute er seinen Vorsprung aus, blieb taktisch klug und körperlich makellos. Mit diesem Sieg hat El Morabity seinen Status als größter Athlet in der Geschichte des Marathon des Sables endgültig zementiert. Kein anderer Läufer hat das Rennen so oft und so dominant gewonnen wie er.
Was El Morabity von anderen unterscheidet, ist nicht nur die pure Ausdauer, sondern auch sein Umgang mit der Hitze. Temperaturen jenseits der 45 Grad Celsius, Sand in jedem Schuh, jeder Socke, jeder Falte des Körpers. Dazu das Gewicht des Rucksacks, der Verpflegung und Ausrüstung für die gesamte Etappe enthält. Er macht das alles mit einer Leichtigkeit, die fast unwirklich wirkt.
Maryline Nakache dominiert das Frauenfeld
Auf der Frauenseite war das Bild ähnlich deutlich. Maryline Nakache überquerte die Ziellinie der Gesamtwertung als unumstrittene Siegerin. Die Französin, die sich in den letzten Jahren zur absoluten Spezialistin für extreme Mehrtagesrennen entwickelt hat, lieferte eine Leistung ab, die weit mehr war als bloße körperliche Stärke.
Besonders auf der legendären langen Etappe, der sogenannten Maratón-Etappe von rund 80 Kilometern, zeigte Nakache, warum sie in einer eigenen Liga spielt. Während andere Läuferinnen in der Mittagshitze ihr Tempo deutlich drosselten, blieb sie konstant. Ihr Laufstil blieb effizient, ihr Kopf klar. Am Ende hatte sie mehrere Stunden Vorsprung auf ihre nächste Verfolgerin.
Nakaches Stärke liegt in der Kombination aus Hitzetoleranz und mentalem Durchhaltevermögen. Bei einem Rennen wie dem Marathon des Sables ist Laufen nur ein Teil der Herausforderung. Du schläfst in Zelten, kochst dein eigenes Essen, trägst alles selbst. Nakache meisterte diesen Überlebensmodus mit einer Ruhe, die viele Mitbewerberinnen schlicht neidisch machte.
Ein globales Feld und die Faszination eines Kultrennens
Der Marathon des Sables 2026 war kein reines Rennen für die Elite. Von den mehr als 1.000 Teilnehmenden kamen Athletinnen und Athleten aus über 50 Nationen. Darunter viele Erstausreisende, die sich monatelang vorbereitet hatten, aber auch erfahrene Mehrfachstarter, die das Rennen als jährlichen Pilgerweg betrachten. Diese Mischung macht den MdS zu etwas Besonderem.
Das Rennen zieht längst nicht mehr nur hartgesottene Ultraläufer an. Unter den Finishern waren Ärzte, Lehrer, Unternehmer und Rentner. Was sie alle eint: der Wunsch, eigene Grenzen zu testen. Der Marathon des Sables gibt ihnen dafür eine Bühne, die kein anderes Rennen der Welt so bieten kann. Die Kulisse der Sahara, die Gemeinschaft im Zeltlager, die kollektive Erschöpfung am Ende jedes Tages. Das ist schwer zu erklären, aber unmöglich zu vergessen.
Die Zahlen sprechen für sich. Die Teilnehmerzahl steigt jedes Jahr, die Wartelisten werden länger. Startplätze sind inzwischen bis zu mehrere Jahre im Voraus vergeben. Wer 2026 dabei war, hat sich das oft lange vorher gesichert. Das Rennen kostet mehrere tausend Euro an Startgebühren und Reisekosten, doch die Nachfrage bricht nicht ab. Der Marathon des Sables ist schlicht das prestigeträchtigste Mehretappenrennen der Welt.
Was den Marathon des Sables so unvergleichlich macht
Wer noch nie am Marathon des Sables teilgenommen hat, fragt sich unweigerlich: Was treibt Menschen dazu, sich freiwillig in eine der heißesten Wüsten der Welt zu begeben und dort tagelang zu laufen? Die Antwort ist komplex. Es geht um mehr als Sport. Es geht um Selbstfindung, um das Abstoßen des Alltags und um das Spüren, was der Körper wirklich leisten kann.
Das Reglement des Rennens ist dabei ein Teil des Reizes. Jede teilnehmende Person muss ihre gesamte Verpflegung und Ausrüstung für die Renntage selbst tragen. Das Mindestgewicht des Rucksacks liegt bei rund 6,5 Kilogramm. Wasser wird an Kontrollpunkten verteilt. Zelte werden gestellt. Alles andere ist deine Verantwortung. Diese Selbstversorgung unter extremen Bedingungen ist ein Kernstück des Erlebnisses.
Für El Morabity und Nakache ist die Sahara zur zweiten Heimat geworden. Sie kennen die Dünen, die Hitze, den Rhythmus des Rennens. Ihre Siege 2026 sind keine Zufälle, sondern das Ergebnis jahrelanger Erfahrung, intelligenten Ultramarathon-Trainings und einer mentalen Stärke, die sich nicht von einem Tag auf den anderen aufbauen lässt. Der Marathon des Sables belohnt keine Ungeduldigen. Er gehört denen, die verstehen, wie man in der Wüste überlebt. Und dann noch läuft.