Zwei Formate, eine Wüste: Was der Marathon des Sables 2027 neu macht
Der Marathon des Sables gilt seit Jahrzehnten als härtestes Fußrennen der Welt. Wer einmal durch die Sahara gelaufen ist, weiß, dass kein anderes Rennen diese Mischung aus extremer Hitze, endlosem Sand und purer mentaler Belastung bieten kann. Für 2027 gibt es jetzt eine Neuerung, die das Angebot grundlegend verändert.
Erstmals stehen zwei eigenständige Formate zur Auswahl. Das klassische MdS bleibt das, was es immer war. Dazu kommt eine neue, kürzere Variante, die den Einstieg in die Wüste erleichtern soll, ohne den Anspruch auf echtes Abenteuer aufzugeben. Für die Lauf-Community weltweit bedeutet das: mehr Wahl, aber auch mehr Verantwortung bei der Entscheidung.
Die Frage ist nicht mehr nur, ob du den Marathon des Sables läufst. Die Frage ist, welchen. Und diese Entscheidung verdient mehr Aufmerksamkeit als ein spontanes Anmelden nach einem inspirierenden YouTube-Video.
Das klassische Format: Sechs Etappen, 250 Kilometer, keine Ausreden
Das Original-Format des Marathon des Sables umfasst rund 250 Kilometer in etwa sechs Etappen über sieben Tage in der marokkanischen Sahara. Du trägst dein gesamtes Gepäck selbst, schläfst in offenen Berberhütten und kämpfst täglich gegen Temperaturen, die weit über 40 Grad steigen können. Wasser wird zugeteilt. Mehr gibt es nicht.
Die legendäre Langstrecke, meist zwischen 75 und 90 Kilometer an einem einzigen Tag, ist der emotionale Kern des Rennens. Hier entscheidet sich, wer wirklich vorbereitet war und wer sich von der Romantik der Wüste hat blenden lassen. Das klingt hart, weil es hart ist. Und genau das macht das Rennen seit 1986 zur ultimativen Referenz im Ultra-Laufsport weltweit.
Für erfahrene Ultraläufer, die bereits Rennen über 100 Kilometer oder mehrtägige Stage Races absolviert haben, ist das klassische Format die logische Wahl. Es testet nicht nur deine körperliche Ausdauer, sondern auch dein Navigationsvermögen, deine Fähigkeit zur Selbstversorgung und deine mentale Stabilität über mehrere Tage unter extremen Bedingungen.
Das neue Format: Kürzer, aber kein Spaziergang
Die zweite Variante für 2027 richtet sich an Läufer, die ambitioniert sind, aber noch keine Erfahrung mit mehrtägigen Wüstenrennen mitbringen. Das Format ist kompakter, die Gesamtdistanz geringer, die täglichen Etappen kürzer. Trotzdem findet das Rennen unter denselben Bedingungen statt. Dieselbe Sahara, dieselbe Hitze, dasselbe Prinzip der Selbstversorgung.
Das ist kein abgeschwächter Marathon des Sables für Leute, die sich nicht trauen. Es ist ein durchdachter Einstieg in eine Rennserie, die viele Menschen einschüchtert, obwohl sie mit der richtigen Vorbereitung absolut machbar ist. Wer dieses Format wählt, hat die Chance, Wüstenerfahrung zu sammeln, ohne direkt ins Extreme zu springen.
Für Läufer mit einer soliden Basis im Halbmarathon- oder Marathonbereich, die regelmäßig mit Rucksack trainieren und hitzetolerant sind, kann dieses Format der perfekte erste Schritt sein. Der Respekt vor der Wüste bleibt derselbe. Der Umfang ist menschlicher.
Wie du die richtige Entscheidung triffst
Die Wahl zwischen den beiden Formaten beginnt mit einer ehrlichen Selbsteinschätzung. Kein Vergleich mit anderen, kein Blick auf Social Media, kein Bauchgefühl nach einem guten Lauf. Setz dich hin und beantworte diese Fragen konkret.
- Trainingsvolumen: Wie viele Kilometer läufst du pro Woche im Durchschnitt, und wie lange kannst du dieses Niveau über mehrere Monate halten?
- Rucksackerfahrung: Hast du längere Läufe mit Gewicht absolviert? Die Selbstversorgung mit einem 7 bis 10 Kilogramm schweren Pack ändert alles.
- Hitzetoleranz: Hast du in wirklich heißen Bedingungen trainiert oder wettkampft? Hitze in der Sahara ist eine eigene Kategorie.
- Regenerationsfähigkeit: Wie gut erholst du dich nach langen Läufen? Beim MdS musst du täglich wieder starten, oft mit Blasen, Muskelkater und Schlafmangel.
- Mentale Vorbereitung: Bist du es gewohnt, unter Erschöpfung klare Entscheidungen zu treffen? Das ist keine Rhetorik, das ist eine Kernkompetenz im Wüstenrennen.
Wenn du bei mehreren dieser Punkte ins Grübeln kommst, ist das kein Zeichen der Schwäche. Es ist ein Zeichen, dass du das Rennen ernst nimmst. Das kürzere Format gibt dir die Möglichkeit, echte Erfahrungen zu sammeln, die dich auf das klassische MdS in einem späteren Jahr vorbereiten.
Wer das klassische Format wählt, sollte idealerweise bereits mindestens einen Ultra hinter sich haben, am besten einen mit mehrtägiger Belastung. Zusätzlich empfiehlt sich ein strukturierter Trainingsplan, der spezifisches Hitzetraining und regelmäßige Läufe mit Gepäck beinhaltet. Plane mindestens 12 bis 18 Monate voller Vorbereitung ein. Nicht wegen der Distanz allein, sondern wegen der Kombination aus Hitze, Gewicht, Schlafmangel und mentaler Dauerbelastung.
Kosten, Anmeldung und was du jetzt tun solltest
Der Marathon des Sables ist kein günstiges Rennen. Die Startgebühr für das klassische Format liegt typischerweise im Bereich von 3.000 bis 4.000 €, abhängig von Wohnort und gewähltem Paket. Dazu kommen Ausrüstung, Flüge nach Marokko, Visum und Trainingslager, wenn du sie nutzt. Rechne realistisch mit einem Gesamtbudget von 5.000 bis 7.000 €.
Das neue, kompaktere Format wird voraussichtlich günstiger sein, genaue Zahlen für 2027 stehen zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht vollständig fest. Es lohnt sich, die offizielle Website des Marathon des Sables regelmäßig zu prüfen und sich frühzeitig auf die Warteliste zu setzen. Die Plätze sind historisch begehrt und schnell vergriffen.
Was du jetzt tun kannst: Starte deinen ehrlichen Selbstcheck, beginne mit dem Aufbau von Rucksackläufen in deinem Training und informiere dich über die Ausrüstungsvorschriften. Die Pflichtausrüstungsliste des MdS ist detailliert und nicht verhandelbar. Je früher du dich damit auseinandersetzt, desto besser kannst du planen und entscheiden — ähnlich wie bei einem kurzfristig angepassten Rennplan gilt: wer strukturiert vorgeht, trifft bessere Entscheidungen — welches Format zu deinem Leben, deiner Fitness und deinem Abenteuerappetit passt.