Running

Marathon und Herz: Was die Wissenschaft zeigt

Eine neue BMJ-Studie zeigt: Ein Marathon verändert dein Herz messbar. Was das bedeutet und was du wirklich tun solltest.

A breathless male runner bent forward in post-race recovery, hands on knees, with a heart rate monitor strap visible on his chest.

Was in deinem Herz passiert, wenn du einen Marathon läufst

Ein Marathon ist kein gewöhnlicher Lauf. 42,195 Kilometer bedeuten stundenlange maximale Belastung für dein Herz-Kreislauf-System. Dass das Spuren hinterlässt, ist keine Überraschung. Wie groß diese Spuren sind und was sie langfristig bedeuten, war bisher weniger klar.

Eine neue Studie, im Juni 2026 im BMJ Open Sport and Exercise Medicine veröffentlicht, liefert jetzt konkrete Daten. Die Forscherinnen und Forscher haben Läuferinnen und Läufer vor, während und nach einem Marathon untersucht und dabei messbare Veränderungen der Herzfunktion sowie erhöhte Biomarker für Gewebeschäden und Entzündungen festgestellt.

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Das bedeutet nicht, dass Marathonlaufen gefährlich ist. Aber es bedeutet, dass dein Herz nach einem Marathon nicht dasselbe ist wie vorher. Zumindest vorübergehend.

Biomarker im roten Bereich: Alarm oder normale Reaktion?

Nach einem Marathon zeigen viele Läuferinnen und Läufer Blutwerte, die in der Klinik als Warnsignale gelten würden. Bestimmte Herzenzyme, vor allem Troponin und BNP, überschreiten Schwellenwerte, die Ärzterinnen und Ärzte normalerweise mit einem Herzinfarkt oder einer Herzinsuffizienz in Verbindung bringen.

Das klingt beunruhigend. Ist es aber nicht automatisch. Denn diese Werte können auch Ausdruck einer normalen physiologischen Anpassung sein. Das Herz wird durch die extreme Belastung vorübergehend gestresst, reagiert mit einer messbaren Entzündungsreaktion, und erholt sich danach wieder. So zumindest die eine Erklärung.

Das Problem: Die Wissenschaft kann noch nicht mit Sicherheit sagen, ob diese erhöhten Werte wirklich harmlos sind. Die Studie stellt fest, dass die klinische Bedeutung dieser akuten Veränderungen unklar bleibt. Ob es sich um adaptive Prozesse oder frühe Warnsignale handelt, lässt sich aktuell nicht abschließend beurteilen. Weitere Untersuchungen sind nötig.

Alter, Geschlecht, Trainingslevel: Warum jeder Marathon anders ist

Einer der interessantesten Befunde der Studie ist, dass nicht alle Läuferinnen und Läufer gleich reagieren. Die kardialen Veränderungen variieren erheblich, je nachdem wie alt du bist, ob du männlich oder weiblich bist, und wie gut trainiert du in den Start gehst.

Konkret bedeutet das: Eine 55-jährige Frau hat ein anderes Risikoprofil als ein 28-jähriger Leistungsläufer. Ältere Läuferinnen und Läufer zeigen tendenziell stärkere Biomarker-Ausschläge. Männer und Frauen reagieren hormonell und strukturell unterschiedlich. Und wer wenig trainiert in einen Marathon geht, belastet sein Herz in einem deutlich anderen Maß als jemand mit jahrelanger Wettkampferfahrung.

Das hat praktische Konsequenzen:

  • Wenig trainierte Läuferinnen und Läufer setzen ihr Herz einem unverhältnismäßig hohen akuten Stress aus.
  • Ältere Athletinnen und Athleten sollten besonders auf Voruntersuchungen setzen, da die Baseline-Herzgesundheit eine größere Rolle spielt.
  • Frauen über 50 profitieren von einem gezielten kardiologischen Screening, weil hormonelle Veränderungen nach der Menopause die Herzreaktionen beeinflussen können.
  • Gut trainierte junge Männer zeigen zwar ebenfalls Biomarker-Erhöhungen, aber ihr Herzmuskel ist in der Regel besser auf solche Belastungen vorbereitet.

Das bedeutet nicht, dass nur junge Profis Marathons laufen dürfen. Aber es bedeutet, dass ein individueller Blick auf die eigene Ausgangssituation kein Luxus ist, sondern sinnvolle Vorsicht.

Was du jetzt tun solltest und was nicht

Lass dich nicht von den Zahlen in Panik versetzen. Die Studie ist kein Argument gegen Marathonlaufen. Sie ist ein Argument dafür, es informiert anzugehen. Millionen Menschen laufen Marathons, ohne bleibende Herzschäden zu erleiden. Die Forscherinnen und Forscher selbst betonen, dass die langfristige klinische Bedeutung der beobachteten Veränderungen noch nicht geklärt ist.

Was du tun kannst, ist konkret und unkompliziert. Sprich vor deinem nächsten Rennen mit einer Ärztin oder einem Arzt über ein kardiales Screening. Das gilt besonders, wenn du über 45 bist, wenn du Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder familiäre Herzprobleme hast, oder wenn du deinen ersten Marathon planst.

Ein solches Gespräch muss keine große Sache sein. Ein Ruhe-EKG, ein kurzes Belastungs-EKG und ein Blutbild reichen in vielen Fällen aus, um grobe Risiken auszuschließen. Die Kosten dafür sind überschaubar, oft unter 100 Euro, je nach Krankenversicherung auch komplett abgedeckt.

Darüber hinaus gilt das, was gute Marathonvorbereitung schon immer ausgemacht hat:

  • Ausreichend lange Vorbereitungszeit: Mindestens 16 Wochen strukturiertes Training, keine spontanen Marathon-Anmeldungen vier Wochen vor dem Rennen.
  • Ehrliches Pace-Management: Wer seinen Körper überpact, treibt auch seine Herzbelastung in Bereiche, die unnötig riskant sind.
  • Erholungsphasen ernst nehmen: Die Biomarker-Werte normalisieren sich in der Regel innerhalb von Tagen. Wer direkt nach dem Marathon wieder intensiv trainiert, gibt dem Herzen keine Chance zur Regeneration.
  • Symptome nicht ignorieren: Brustschmerzen, ungewöhnliche Kurzatmigkeit oder Herzrasen während oder nach dem Rennen sind keine Kleinigkeiten. Sofort ärztliche Hilfe holen.

Die Studie erinnert uns daran, dass ein Marathon eine ernsthafte physiologische Herausforderung ist. Nicht mehr und nicht weniger. Wer das respektiert, vorbereitet startet und seinen Körper kennt, kann diese Herausforderung mit einem guten Gefühl angehen.