Der Paris-Marathon wechselt ins Losverfahren – was das bedeutet
Ab 2027 vergeben die Organisatoren des Paris-Marathons ihre Startplätze über ein Losverfahren. Damit reiht sich das Rennen offiziell in die Riege der großen Stadtmarathons ein: Tokio, London und New York machen es seit Jahren vor. Wer bisher einfach zur richtigen Zeit auf „Anmelden" geklickt hat, braucht jetzt einen anderen Plan.
Der Hintergrund ist wenig überraschend. Die Nachfrage nach Startplätzen beim Pariser Frühjahrsklassiker ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Über 60.000 Finisher, ein ikonischer Streckenverlauf an der Seine und ein festes Datum im April. Das macht das Rennen für internationale Läuferinnen und Läufer aus aller Welt attraktiv. Und wenn die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, ist die Lotterie die logische Konsequenz.
Was das konkret heißt: Du kannst dich nicht mehr spontan anmelden und sicher sein, dass du einen Platz bekommst. Stattdessen bewirbst du dich um einen Startplatz. Ob du ihn bekommst, entscheidet das Los. Wann genau das Bewerbungsfenster für 2027 öffnet, wurde noch nicht final kommuniziert. Erfahrungsgemäß orientieren sich solche Zeitfenster an den Vorgängerrennen, was bedeutet: frühestens Herbst 2026.
Deine Strategie für den Rennkalender 2027
Wer bisher seinen Frühjahrsmarathon einfach nach Lust und Laune gewählt hat, steht jetzt vor einer neuen Realität. Die Lotterie-Logik zwingt dich dazu, früher zu planen und mehrere Szenarien gleichzeitig im Kopf zu behalten. Das klingt komplizierter als es ist. Mit dem richtigen Ansatz kannst du deinen Kalender trotzdem verlässlich strukturieren.
Der erste Schritt: Unterscheide konsequent zwischen garantierten Startplätzen und Lotterie-Events. Garantierte Plätze bekommst du aktuell noch bei vielen mittelgroßen Stadtmarathons in Europa. Wien, Hamburg, Barcelona oder Amsterdam haben weiterhin offene Anmeldeverfahren, bei denen du direkt buchst. Diese Rennen sollten das Rückgrat deines Kalenders bilden.
Parallel dazu bewirbst du dich bei den großen Lotterie-Events. Das Prinzip: Du meldest dich für Paris an. Und für London. Und für Tokio, wenn du den Abbott World Marathon Majors-Gedanken verfolgst. Dabei planst du immer mit dem Fall, dass du keinen Platz bekommst. Dein Hauptrennen bleibt das, bei dem du sicher weißt, dass du an der Startlinie stehst.
Ein konkreter Tipp: Setze dir feste Kalendertermine für alle Lotterie-Bewerbungsfenster. London verteilt seine Startplätze auf zwei Renntage und öffnet sein Fenster typischerweise im April nach dem Rennen, Tokio im Sommer. Paris 2027 wird voraussichtlich im Herbst 2026 folgen. Trag dir diese Daten jetzt schon ein und stell dir Erinnerungen. Wer das Fenster verpasst, hat keine zweite Chance.
So baust du deinen Rennkalender um Ungewissheit herum
Der praktische Umgang mit mehreren gleichzeitigen Lotterie-Bewerbungen erfordert eine gewisse Flexibilität in deiner Trainingsplanung. Du weißt im schlimmsten Fall erst wenige Monate vor einem Termin, ob du überhaupt startest. Das bedeutet: Dein Trainingsplan muss modular aufgebaut sein.
Plane dein Jahr so, dass du in einem Zeitraum von Oktober bis Mai mindestens zwei potenzielle A-Rennen im Blick hast. Eins davon ist garantiert. Das andere ist dein Wunschrennen mit Lotterie-Risiko. Wenn du den Platz bekommst, wunderbar. Wenn nicht, läufst du dein Alternativrennen mit voller Vorbereitung. Psychologisch ist das ein Shift, der sich schnell normalisiert, wenn du ihn einmal durchgespielt hast.
Für Läuferinnen und Läufer, die auf Reisen rund ums Rennen angewiesen sind, kommt noch eine finanzielle Dimension dazu. Flüge und Hotels in Paris im April sind heiß begehrt und früh ausgebucht. Wenn du auf einen Lotterie-Platz wartest, bevor du buchst, zahlst du im Zweifelsfall deutlich mehr. Einige Anbieter bieten inzwischen flexible Buchungen für Marathon-Wochenenden an. Diese Option kostet zwar ein paar Euro mehr, schützt dich aber vor unnötigen Kosten, wenn die Lotterie nicht zu deinen Gunsten ausgeht.
Wer Mitglied in einem Laufclub ist, hat oft einen kleinen Vorteil. Viele Veranstaltungen reservieren ein Kontingent für Vereine oder kooperieren mit nationalen Leichtathletikverbänden. Frag bei deinem Club nach, ob es spezielle Zugangswege gibt. Das gilt auch für Paris. Die genauen Konditionen für Vereinsmitglieder werden voraussichtlich mit dem offiziellen Start der Lotterie kommuniziert.
Wird Paris der Anfang einer europäischen Lotterie-Welle?
Die Entscheidung der Paris-Marathon-Organisatoren ist kein isoliertes Ereignis. Sie ist ein Signal. Und die Frage, die viele in der Laufszene beschäftigt, lautet: Welche europäische Stadt macht als nächstes den Schritt?
Berlin ist der offensichtliche Kandidat. Der BMW Berlin-Marathon gehört zu den schnellsten Strecken der Welt und zieht entsprechend viel internationales Interesse an. Das Anmeldeverfahren in Berlin ist bereits seit einigen Jahren deutlich restriktiver geworden. Eine vollständige Umstellung auf Lotterie wäre keine Überraschung, sondern eher eine Frage des Zeitpunkts. Ähnliches gilt für Madrid oder Stockholm, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind.
Für die Laufcommunity verändert sich damit das gesamte Ökosystem der Großstadtmarathons. Open-Access-Rennen werden wertvoller. Events, die weiterhin auf ein offenes Anmeldeverfahren setzen, gewinnen an Attraktivität. Besonders für Läuferinnen und Läufer, die verlässliche Planung über spontane Erlebnisse stellen. Das könnte mittelgroßen Rennen wie Seville, Valencia oder Malaga in den nächsten Jahren einen echten Zulauf bescheren – einen guten Überblick über die attraktivsten Alternativen bietet die Vorschau auf die Herbst-Marathonsaison 2026.
Die andere Seite der Medaille: Lotterie-Rennen erzeugen eine eigene Art von Begehren. Ein Paris-Startplatz, den du ausgelost hast, fühlt sich besonders an. Das ist kein Zufall. Die Veranstalter wissen, was sie tun. Der knappe Zugang steigert den Wert des Erlebnisses. Und für dich als Läuferin oder Läufer bedeutet das: Du wirst wahrscheinlich intensiver auf ein Rennen hintrainieren, wenn du weißt, wie schwer der Platz zu bekommen war.
Was du jetzt tun solltest, ist konkret. Registriere dich auf der offiziellen Website des Paris-Marathons für alle Benachrichtigungen. Überprüfe deinen Rennkalender für Frühjahr 2027 und identifiziere dein Backup-Rennen. Schau dir an, welche deiner bevorzugten Rennen möglicherweise selbst zum Lotterie-Modell wechseln könnten. Und plane dein Budget so, dass flexible Reisebuchungen für dich keine unüberwindbare Hürde sind. Der Paris-Marathon 2027 ist machbar. Er erfordert nur mehr Planung als bisher.