Das Ultra-Wochenende im Mai 2026: Wo gerade alles passiert
Dieses Wochenende ist vollgepackt mit Rennen, die zeigen, wie weit der Ultratrail-Sport in den letzten Jahren gewachsen ist. Von den Alpen bis zu den Rocky Mountains stehen Wettkämpfe auf dem Programm, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wer die Szene verfolgt, bekommt gerade ein ziemlich gutes Bild davon, wo der Sport im Jahr 2026 steht.
In Europa läuft der Swiss Peaks 360 in der Westschweiz. Das Rennen schickt die Athletinnen und Athleten auf gut 360 Kilometer mit über 25.000 Höhenmetern. Die Startliste liest sich beeindruckend: mehrere Finisher vergangener UTMB-Ausgaben sind dabei, darunter der Franzose Théo Marchand, der zuletzt beim Transgrancanaria auf sich aufmerksam gemacht hat. Das Rennen gilt als Härtetest für alle, die im Herbst in Chamonix starten wollen.
Gleichzeitig findet in Colorado der Hardrock 100 statt, eines der ikonischsten Rennen überhaupt. Die Strecke führt durch das San Juan Gebirge, durchschnittlich über 3.350 Meter Höhe. Die Startgebühr liegt bei rund $400. Für die meisten Läufer ist der Hardrock ein Lotterie-Rennen. Wer einen Platz hat, behandelt ihn wie Gold.
Athleten, auf die du dieses Wochenende achten solltest
Beim Hardrock sorgt Mariela Cruz für Gesprächsstoff. Die mexikanisch-amerikanische Läuferin hat sich in den letzten zwei Jahren von einer soliden Bergläuferin zur echten Titelanwärterin entwickelt. Ihr Trainingslager in den Pyrenäen diesen Winter hat offenbar Früchte getragen. Cruz ist bekannt dafür, in der zweiten Hälfte eines Rennens zuzulegen, wenn andere einbrechen.
Auf der Männerseite beobachtet die Community gespannt, ob Jonas Pettersson aus Schweden an seine Form vom letzten Jahr anknüpfen kann. Er musste sich beim Transgrancanaria im Februar verletzt zurückziehen. Seine Rückkehr beim Hardrock wäre ein Statement. Sein Coach hat in einem Interview angedeutet, dass das Ziel nicht der Sieg, sondern ein gesunder Finish ist. Das klingt vernünftig, und es wäre trotzdem eine Geschichte.
In der Schweiz ist die Spanierin Nuria Solà, die schon seit Jahren zu den Konstantesten im europäischen Circuit gehört, eine der Favoritinnen beim Swiss Peaks. Was an ihr bemerkenswert ist: sie läuft selten spektakulär, aber sie läuft immer durch. Diese Art von Verlässlichkeit ist in einem 360-Kilometer-Rennen mehr wert als jede explosive Pace.
Warum der Mai 2026 so voll ist und was das bedeutet
Der Ultra-Kalender ist explodiert. Noch vor zehn Jahren gab es eine Handvoll wirklich bekannter Rennen. Heute kämpfen Dutzende Events um Athleten, Sponsoren und Aufmerksamkeit. Allein in diesem Mai finden weltweit über 80 Ultratrail-Rennen statt, die offiziell ITRA-gelistet sind. Das ist kein Zufall, das ist Marktwachstum im Trailrunning.
Diese Verdichtung hat Konsequenzen. Die besten Läuferinnen und Läufer der Welt müssen jetzt sehr selektiv sein, welche Rennen sie angehen. Das bedeutet auch, dass ein Sieg beim falschen Wochenende schnell in der Masse verschwindet, selbst wenn er in der Performance absolut top war. Für Veranstalter wird die Differenzierung wichtiger. Ein gutes Preisgeld reicht nicht mehr. Swiss Peaks und Hardrock haben dieses Problem nicht, weil ihr Ruf älter ist als der Hype.
Für dich als Hobbyläufer bedeutet das auch konkret etwas: Die Auswahl an Rennen war nie größer. Einsteiger-Ultras, also Rennen im Bereich 50 bis 80 Kilometer, schießen überall aus dem Boden. Viele kosten zwischen 80 und 150 Euro Startgebühr und bieten vernünftige Infrastruktur. Wenn du schon länger überlegst, deinen ersten Ultra zu laufen, gibt es 2026 kaum noch eine Ausrede.
Was du von den Profis mitnehmen kannst
Das Schönste an einem Wochenende wie diesem ist, dass du den Eliterennen nicht nur zuschauen, sondern aktiv lernen kannst. Ein Punkt, der sich bei praktisch jedem langen Rennen wiederholt: Wer zu schnell anfängt, zahlt einen hohen Preis. Beim Hardrock ist es fast schon ein Meme. Läufer kommen in den ersten 30 Kilometern mit Pace rein, die nach Mühelosigkeit aussieht, und brechen auf Meile 60 ein.
Nuria Solà ist ein gutes Beispiel für das Gegenteil. Ihr Startverhalten beim Swiss Peaks ist ruhig, fast unspektakulär. Sie lässt die Gruppe ziehen, bleibt in ihrer eigenen Zone und beginnt nach Stunde zwölf, aufzuholen. Das ist keine Taktik, das ist verinnerlichte Erfahrung. Du kannst dieses Prinzip direkt auf dein nächstes Training übertragen, auch wenn du "nur" einen 50-Kilometer-Trail läufst.
Ein zweiter Punkt ist die Ernährung. Die Profis beim Hardrock nehmen im Schnitt zwischen 250 und 350 Kalorien pro Stunde zu sich, konsequent, auch wenn der Magen protestiert. Neue Daten zu Trailrunning-Risiken zeigen, dass Hobbyläufer bei langen Rennen regelmäßig unter diesem Wert bleiben, weil sie das Essen vergessen oder verdrängen. Stell dir einen Timer. Iss, bevor du Hunger bekommst. Das ist der eine praktische Tipp, den du aus diesem Wochenende mitnehmen kannst.
- Pace-Disziplin: Starte langsamer als du denkst, dass du musst. Wirklich.
- Ernährung mit Timer: Alle 30 bis 45 Minuten essen, nicht erst wenn der Hunger kommt.
- Mentaler Reset: Wenn es schlecht läuft, nächste Verpflegungsstation als neues Ziel setzen. Nicht das Finish, nur den nächsten Punkt.
Diese drei Dinge trennen bei langen Rennen die Läufer, die durchkommen, von denen, die auf der Strecke bleiben. Die Eliteläufer haben das automatisiert. Du kannst damit anfangen, es zu üben, auch bei deinen nächsten langen Trainingsläufen am Wochenende.