Nutrition

Ernährung in der Höhe: Was sich wirklich verändert

Höhe unterdrückt deinen Appetit, erhöht aber gleichzeitig den Kalorienbedarf. So passt du deine Ernährungsstrategie für Bergevents richtig an.

Trail runner ascending a rocky high-altitude mountain path, reaching for a gel packet mid-stride with visible breath in thin cold air.

Was Höhe mit deinem Stoffwechsel macht

Ab etwa 2.400 Metern beginnt dein Körper, sich spürbar anders zu verhalten. Der Sauerstoffpartialdruck sinkt, und dein Organismus schaltet in einen Art Krisenmodus: Herzfrequenz steigt, Atemvolumen nimmt zu, und der Energiebedarf klettert deutlich nach oben. Gleichzeitig passiert etwas Paradoxes.

Dein Appetit verschwindet. Der Grund liegt in hormonellen Verschiebungen. Höhe erhöht den Leptinspiegel im Blut, jenes Hormon, das dem Gehirn das Signal gibt, du seist satt. Studien zeigen, dass dieser Effekt bereits in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Ankunft einsetzt und mehrere Tage anhalten kann. Du verbrauchst mehr Kalorien als je zuvor, aber dein Körper will sie einfach nicht haben. Diese Diskrepanz ist einer der häufigsten Gründe, warum Athleten bei Höhenevents wie dem Pikes Peak Marathon oder langen Bergultraläufen einbrechen.

Dazu kommt eine Verschiebung in der Substratnutzung. Bei niedrigem Sauerstoffangebot greift dein Körper bevorzugter auf Kohlenhydrate zurück, weil deren Verstoffwechselung weniger Sauerstoff pro Energieeinheit benötigt als Fettverbrennung. Die Kohlenhydratoxidationsrate steigt, was bedeutet: Deine Glykogenspeicher leeren sich schneller als auf Meereshöhe, selbst bei identischem Tempo. Wer das nicht einkalkuliert, läuft buchstäblich auf Reserve.

Kohlenhydrate, Timing und warum du früher essen musst

Die veränderte Kohlenhydratnutzung hat direkte Konsequenzen für deine Renneinteilung. Bei Rennen über 2.400 Metern solltest du deine Kohlenhydratzufuhr früher und häufiger planen, nicht nach Gefühl, sondern nach Uhr. Das Sättigungsgefühl täuscht hier systematisch, und wer wartet, bis er Hunger spürt, ist metabolisch bereits im Rückstand.

Konkret empfehlen Sportdietologen für Events ab 2.500 Metern eine Aufnahme von 60 bis 90 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde bei intensiver Belastung. Das liegt am oberen Ende der üblichen Empfehlungen für Ausdauersport und ist bei Höhenevents bewusst so gewählt. Praktisch bedeutet das: alle 20 bis 30 Minuten ein Gel, eine Banane oder einen Riegel, unabhängig davon, ob du Appetit hast oder nicht.

Bei Rennen über 8.000 Fuß (ca. 2.440 Meter) lohnt es sich außerdem, in den Tagen vor dem Start gezielt Kohlenhydrate zu laden. Nicht in den extremen Mengen eines Marathon-Carboloadings, aber eine kontrollierte Erhöhung der Glykogenspeicher um 20 bis 30 Prozent gegenüber deinem Normalwert ist sinnvoll. Dein Körper wird es brauchen, schneller als du denkst.

Hydration und Mikronährstoffe: Die unterschätzte Seite

Trockene Höhenluft und erhöhte Atemfrequenz sind eine Kombination, die deinen Flüssigkeitshaushalt unter Druck setzt. Pro Atemzug verlierst du mehr Wasser als auf Meereshöhe. Bei intensiver Belastung kann das auf einen zusätzlichen Wasserverlust von 500 bis einem Liter pro Stunde hinauslaufen, über das Schwitzen hinaus. Das Tückische: Auch hier dämpft die Höhe das Durstgefühl.

Die Faustregel lautet, deinen Trinkrhythmus aktiv zu steuern. Alle 15 bis 20 Minuten trinken, auch wenn du keinen Durst spürst. Elektrolyte sind dabei unverzichtbar, da du durch die erhöhte Atemarbeit und das Schwitzen Natrium, Kalium und Magnesium verlierst. Reines Wasser reicht nicht. Tabs, Elektrolytpulver oder natriumreiche Snacks wie gesalzene Nüsse oder Kartoffeln helfen, den Haushalt zu stabilisieren.

Auf der Mikronährstoffseite gibt es zwei Schlüsselakteure: Eisen und Vitamin B12. Dein Körper produziert bei Höhenexposition mehr Erythropoetin (EPO), was die Bildung roter Blutkörperchen ankurbelt. Dieser Prozess ist sinnvoll, er verbessert mittelfristig den Sauerstofftransport. Aber er braucht Rohmaterial. Ohne ausreichend Eisen und B12 läuft die Maschinerie leer. Athleten, die mehrere Tage oder Wochen vor einem Höhenevent ankommen, sollten ihren Eisenstatus vorab prüfen lassen. Ein Ferritinwert unter 50 ng/ml ist für Höhenbelastungen suboptimal.

Praktische Ernaehrungsplanung fuer Hohenevents

In den zwei bis drei Tagen vor einem Rennen über 2.500 Metern verlagert sich die Priorität auf Verdauungsfreundlichkeit. Dein Magen-Darm-Trakt ist bei Höhe ebenfalls weniger durchblutet, was die Resorption von Nährstoffen verlangsamt und Magenprobleme begünstigt. Fettreiche und ballaststoffreiche Mahlzeiten kurz vor dem Start sind ein Risiko, keine Strategie.

Setze stattdessen auf leicht verdauliche, kohlenhydratreiche Kost in den 48 Stunden vor dem Rennen. Reis, Pasta, Kartoffeln, Haferflocken, Weißbrot mit Honig. Das klingt simpel, ist aber genau das, was dein Körper in dieser Situation braucht. Vermeide eisenhaltige Supplementierung direkt vor oder während der Belastung, da Eisen die Magenschleimhaut belasten kann.

Direkt nach dem Rennen öffnet sich ein kritisches Regenerationsfenster. Dein Körper hat Glykogen verbrannt, Muskelfasern beschädigt und Mikronährstoffe verbraucht. Obwohl der Appetit noch gedämpft sein kann, solltest du innerhalb von 30 bis 45 Minuten nach dem Ziel eine Kombination aus schnellen Kohlenhydraten und Protein zu dir nehmen. Ein Verhältnis von 3:1 (Kohlenhydrate zu Protein) ist hier der Standard. Flüssige Formen wie ein Proteinshake mit Banane oder Schokoladenmilch sind oft einfacher runterzukriegen als feste Mahlzeiten.

  • Vor dem Rennen: Kohlenhydratladen in den 48 Stunden davor, fettarme und ballaststoffarme Mahlzeiten am Renntag
  • Waehrend des Rennens: 60 bis 90 g Kohlenhydrate pro Stunde, alle 15 bis 20 Minuten trinken, Elektrolyte nicht vergessen
  • Nach dem Rennen: Innerhalb von 45 Minuten Kohlenhydrate und Protein im Verhaeltnis 3:1, Fluessigkeit priorisieren
  • Mikronährstoffe: Eisenstatus vor der Reise prüfen, B12-Versorgung sicherstellen, keine hochdosierten Eisen-Supplements direkt vor der Belastung

Höhenevents verzeihen keine Improvisationen bei der Ernaehrung. Dein Körper arbeitet dort bereits an seinen Grenzen. Wer die spezifischen Verschiebungen in Appetit, Kohlenhydratstoffwechsel, Hydration und Mikronährstoffbedarf kennt und plant, hat einen echten Vorteil auf der Strecke.