180 bis 190 neue Clubs: Was Planet Fitness für 2026 plant
Planet Fitness hat für das laufende Jahr eine Expansion von 180 bis 190 neuen Standorten angekündigt. Gleichzeitig erwartet die Kette ein Umsatzwachstum von rund 9 Prozent, getragen vor allem durch Franchisegebühren und Royalty-Einnahmen aus dem bestehenden Netzwerk.
Das Modell dahinter ist bekannt, aber seine Konsequenz in der Umsetzung verdient Aufmerksamkeit. Planet Fitness besitzt die wenigsten seiner Clubs selbst. Stattdessen baut das Unternehmen auf einen kapitaleffizienten Franchiseansatz, der Margen schützt, auch wenn Baukosten steigen oder das Makroumfeld unsicher bleibt. Genau das war 2025 der Fall, und die Zahlen haben trotzdem gestimmt.
Für konkurrierende Betreiber ist das kein abstraktes Signal. Es ist ein konkreter Hinweis darauf, welche Unit Economics im Value-Segment auf Scale funktionieren. Wer im selben Markt spielt, sollte diese Zahlen sehr genau lesen – besonders im Kontext der globalen Fitnessmarkt-Entwicklung 2026.
Fiskaljahr 2025: Was die Zahlen über das Asset-Light-Modell aussagen
Das Geschäftsjahr 2025 war für Planet Fitness ein Beleg dafür, dass das Asset-Light-Modell nicht nur in guten Zeiten funktioniert. Umsatz und Gewinn stiegen in allen Segmenten, obwohl die Baukosten für neue Standorte spürbar höher lagen als in den Jahren davor. Franchisepartner haben trotzdem geöffnet. Das zeigt, dass die Renditeerwartung auf Betreiberseite weiterhin attraktiv ist.
Der Schlüssel liegt in der Kostenstruktur. Ein Planet-Fitness-Club braucht keine große Fläche, kein aufwendiges Kursangebot und keinen teuren Trainerstab. Das senkt die operativen Kosten dauerhaft und macht den Break-even für Franchisees schneller erreichbar. In einem Umfeld, in dem Kapital teurer geworden ist, ist das ein echter struktureller Vorteil gegenüber konzeptlastigeren Formaten.
Was das für den deutschen und europäischen Markt bedeutet: Das Modell lässt sich nicht eins zu eins übertragen, aber die Logik dahinter schon. Niedrige Fixkosten, hohe Mitgliederzahlen, geringe Servicekomplexität. Wer in der Value-Tier expandieren will, kommt an dieser Formel nicht vorbei – und sollte sich fragen, welches Geschäftsmodell zwischen Low-cost, Premium und Boutique die besseren Margen liefert.
Rekord-Mitgliedschaften und bessere Retention: Der Markt dreht sich
Die Health and Fitness Association hat für 2025 einen neuen Rekord gemeldet: 81 Millionen Gym-Mitgliedschaften in den USA. Was fast noch relevanter ist: Die No-Show-Raten sind deutlich gesunken. Menschen gehen also nicht nur häufiger ins Studio. Sie gehen tatsächlich hin.
Das verändert die Kalkulation für Betreiber fundamental. Lange war das Geschäftsmodell vieler Studios darauf ausgelegt, dass ein großer Teil der Mitglieder zwar zahlt, aber nicht erscheint. Dieser Puffer schrumpft. Das bedeutet mehr Auslastung, mehr Bedarf an Personal, mehr Verschleiß an Geräten. Und es bedeutet, dass Mitglieder heute höhere Erwartungen an das Erlebnis stellen, weil sie es tatsächlich erleben.
Für Planet Fitness ist das strukturell positiv. Das Format ist auf hohe Frequenz ausgelegt. Einfache Prozesse, klare Abläufe, keine Überforderung. Wer dagegen ein komplexeres Konzept betreibt, muss jetzt prüfen, ob seine Infrastruktur mit echter Nutzung Schritt hält. Denn die Lücke zwischen angemeldet und aktiv schließt sich gerade.
Franchisee-Konsolidierung und Standortdruck: Was das für Mid-Market-Betreiber heißt
Parallel zur Expansion läuft eine andere Entwicklung, die ebenfalls Aufmerksamkeit verdient. Die Flynn Group hat zuletzt 98 Planet-Fitness-Clubs übernommen. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Trends. Franchisee-Konsolidierung beschleunigt sich, während gleichzeitig neue Standorte geöffnet werden. Das Netzwerk wächst also nicht nur in der Breite, es wird auch in der Tiefe professioneller.
Große Franchisee-Gruppen haben Vorteile, die ein Einzelbetreiber schwer ausgleichen kann. Zentralisiertes Recruiting, bessere Einkaufskonditionen, gemeinsames Marketing-Budget, skalierbare Trainingsprogramme für Mitarbeiter. Wenn ein Betreiber wie die Flynn Group 98 Clubs in einem Netz führt, entstehen Skaleneffekte, die einzelne Studios schlicht nicht replizieren können.
Für Mid-Market-Betreiber, die in Märkten mit Planet-Fitness-Präsenz aktiv sind, entstehen daraus mehrere konkrete Druckpunkte:
- Standortsuche: Bei 180 bis 190 neuen Clubs jährlich wird die Konkurrenz um gute Lagen in wachsenden DMAs direkt spürbar. Standorte, die vor drei Jahren noch frei waren, sind es heute nicht mehr.
- Personalgewinnung: Große Franchisee-Gruppen bieten stabilere Karrierepfade und strukturiertere Einarbeitungsprogramme. Das macht Recruiting für kleinere Betreiber schwieriger.
- Lokales Marketing: Wenn Planet Fitness in einem Markt mit einem neuen Club startet, fliesst regionales Werbebudget in genau das Gebiet, in dem du bereits aktiv bist. Das erhöht den Druck auf deine Sichtbarkeit direkt.
- Preispositionierung: Mit Beiträgen ab rund $10 im Monat zieht Planet Fitness preissensible Mitglieder ab, die sonst vielleicht ein günstigeres Mid-Market-Angebot gewählt hätten.
Das heißt nicht, dass Mid-Market-Konzepte keine Zukunft haben. Aber es heißt, dass der Wettbewerb um Fläche, Personal und Aufmerksamkeit in Märkten mit starker Value-Tier-Präsenz zunimmt. Wer dort bestehen will, braucht eine klare Antwort auf die Frage, warum jemand mehr zahlen sollte. Und diese Antwort muss im Alltag erlebbar sein, nicht nur im Marketing.
Die Expansion von Planet Fitness ist ein Symptom eines Marktes, der sich neu sortiert. Das Volumen wächst, die Professionalisierung nimmt zu, und die Toleranz für ineffiziente Betriebsmodelle sinkt. Wer das jetzt als Hintergrundrauschen behandelt, verliert Zeit, die er später brauchen wird.