Running

Was Trailrunner wirklich mit Wegen machen

Eine Feldstudie im Sierra de Guadarrama zeigte: Trailrunner hinterlassen deutlich weniger Erosionsschäden als Downhill-Mountainbiker, besonders an steilen Gefällestrecken.

Close-up of a trail runner's legs mid-stride, kicking up dust on a steep mountain dirt path in golden light.

Was eine Feldstudie über Trailrunner herausgefunden hat

Trailrunner gelten in der Outdoorwelt oft als die Bösen. Zu viele Menschen auf zu schmalen Pfaden, zu schnell, zu rücksichtslos. Doch stimmt dieses Bild wirklich? Eine einjährige Feldstudie im spanischen Nationalpark Sierra de Guadarrama hat erstmals systematisch gemessen, was verschiedene Nutzergruppen tatsächlich mit Trails anstellen.

Die Forscher installierten Messpunkte auf unterschiedlichen Streckenabschnitten und verfolgten über zwölf Monate hinweg, wie sich Bodenerosion, Spurbreite und Wegebeschaffenheit veränderten. Dabei wurden Trailrunner direkt mit Mountainbikern verglichen, auf denselben Trails, unter denselben Wetterbedingungen. Das Ergebnis ist nicht das, was viele erwartet hätten.

Besonders aufschlussreich war die Entscheidung, Streckenabschnitte mit unterschiedlichen Neigungsgraden einzubeziehen. Denn ob ein Trail flach oder steil ist, macht einen enormen Unterschied. Auf Flachpassagen hielten sich die Schäden beider Gruppen in Grenzen. Auf steilen Abfahrten sah das Bild dagegen deutlich anders aus.

Downhill-Mountainbiking und die Realität der Erosion

Auf steilen Gefällestrecken hinterließen Downhill-Mountainbiker die mit Abstand gravierendsten Spuren. Die Studie dokumentierte tiefe Fahrrillen, sogenannte Ruts, die sich in den Untergrund fraßen und den natürlichen Wasserfluss auf dem Trail grundlegend veränderten. Regenwasser, das vorher seitlich ablaufen konnte, sammelte sich nun in diesen Rillen und verstärkte die Erosion bei jedem weiteren Niederschlag.

Der Mechanismus dahinter ist bekannt, aber selten so klar belegt worden. Fahrräder üben bei Bremsvorgängen an Steilhängen eine konzentrierte Scherkraft auf den Boden aus. Die Reifen graben sich ein, lockern das Material und bereiten so den Weg für Wassererosion, die dann bei jedem Regen weiterarbeitet. Ein einziger Regentag nach einer intensiven Bikerunde kann die Erosion um ein Vielfaches beschleunigen.

Das bedeutet nicht, dass Mountainbiken per se schädlicher ist als Laufen. Auf flachen oder moderat ansteigenden Abschnitten unterschieden sich die Werte kaum. Der entscheidende Faktor ist das Gefälle. Steilheit multipliziert den Schaden durch schwere, bremsende Zweiräder auf eine Art, die Trailrunner schlicht nicht reproduzieren können.

Der Fußabdruck von Trailrunnern: kleiner als gedacht

Trailrunner hinterlassen messbar weniger Schäden, und das nicht nur im Vergleich zu Downhill-Bikern auf steilen Abschnitten. Die Studie zeigte, dass der Druck, den ein Laufschuh auf den Boden ausübt, zwar konzentriert, aber gleichmäßig verteilt wird. Es entstehen keine Ruts, keine Scherkräfte durch Bremsdruck. Der Boden wird komprimiert, aber nicht aufgerissen.

Interessant ist dabei der Unterschied zwischen aufsteigenden und absteigenden Passagen. Beim Bergablaufen erhöht sich die Aufprallkraft pro Schritt erheblich. Trotzdem blieben die Erosionswerte im Vergleich deutlich niedriger als bei Biker-Abfahrten. Die Schäden durch Trailrunner konzentrierten sich vor allem auf die Spurbreite. Wo viele Läufer über längere Zeit denselben Trail nutzen, weichen einige an den Rändern aus, was die Pfadbreite schleichend vergrößert.

Das ist kein Freifahrtschein. Auch Trailrunner können Trails beschädigen, besonders bei nassem Wetter, wenn der Boden weich und anfällig ist. Wer bei Regen durch matschige Wege pflügt, hinterlässt deutlich tiefere Abdrücke als bei trockenen Bedingungen. Die Studie erfasste auch diesen Saisoneffekt und machte deutlich, dass Timing und Bedingungen mindestens genauso entscheidend sind wie die Nutzergruppe selbst.

Was das für Trailrunning-Events und Pfadschutz bedeutet

Für Veranstalter von Trailrunning-Wettkämpfen liefern diese Daten wertvolle Argumente, aber auch neue Verantwortung. Wenn Trailrunner tatsächlich einen geringeren Schaden anrichten als bisher angenommen, dann spricht das für eine differenziertere Genehmigungspolitik in Nationalparks und Naturschutzgebieten. Pauschalverbote für alle menschlichen Aktivitäten auf Trails greifen zu kurz – wie etwa Streckensperrungen durch Waldbrände in Colorado zeigen, wo pauschale Absagen ganze Rennsaisons treffen.

Gleichzeitig zeigen die Daten, worauf Rennorganisatoren achten sollten:

  • Streckenwahl nach Bodentyp: Sandige oder stark lehmige Böden erholen sich langsamer. Felsige oder gut drainierte Abschnitte verkraften mehr Belastung.
  • Saisonales Timing: Events im Frühjahr nach starken Regenfällen oder direkt nach der Schneeschmelze sollten Strecken meiden, die zu diesem Zeitpunkt besonders anfällig sind.
  • Teilnehmerstaffeln statt Massenstart: Rollende Starts verteilen den Fußverkehr zeitlich und reduzieren die Konzentration von Schäden auf einzelne Passagen.
  • Post-Event-Monitoring: Wer seine Strecke nach dem Rennen systematisch begeht und dokumentiert, kann gegenüber Behörden und Naturschützern mit echten Daten argumentieren.

Für die Trailrunning-Community insgesamt ist die Studie ein Aufruf zur aktiven Mitgestaltung. Wer argumentieren will, dass Laufen im Vergleich zu anderen Freizeitnutzungen schonend ist, muss diese Argumentation auch mit konkretem Verhalten untermauern. Das bedeutet: Trails bei Nässe meiden, auf markierten Pfaden bleiben und Abkürzungen konsequent ignorieren, auch wenn sie verlockend kürzer erscheinen. Veranstaltungen wie der Hardrock 100 mit extremem Höhenunterschied zeigen, wie anspruchsvolle Strecken und verantwortungsvoller Umgang mit der Natur zusammengehen können.

Das Bewusstsein, das diese Studie schafft, ist entscheidend. Trailrunning ist nicht automatisch umweltverträglich. Es kann es sein, wenn die Community die richtigen Entscheidungen trifft. Die Wissenschaft liefert dafür jetzt eine solide Grundlage. Was damit gemacht wird, liegt bei den Läufern, den Veranstaltern und den Verbänden selbst.