Western States 100: Der härteste Hunderter der Welt kehrt zurück
Am 28. Juni 2026 fällt wieder der Startschuss in Squaw Valley. 100 Meilen, 18.000 Höhenmeter Aufstieg, glühende Hitze in den Canyons der Sierra Nevada und ein Zieleinlauf in Auburn, Kalifornien, der Ultrarunning-Geschichte geschrieben hat. Der Western States Endurance Run ist nicht einfach ein Rennen. Er ist der Maßstab, an dem sich alles andere messen lassen muss.
Seit 1977 lockt das Rennen die besten Ausdauerathleten der Welt an. Wer hier auf dem Podium steht, hat sich einen Platz in den Annalen des Sports gesichert. Und 2026 verspricht eine Edition zu werden, die man so schnell nicht vergessen wird. Die Gerüchte um das Starterfeld haben die Community seit Monaten in Atem gehalten, und jetzt wird klar: Die Elite, die sich für diesen Start versammelt, ist eine der tiefsten in der Geschichte des Events.
Der Kurs selbst bleibt gnadenlos. Auf den ersten 30 Meilen kämpfst du dich durch alpine Höhenlagen, bevor du in die erbarmungslose Hitze der Canyons abtauchst. Temperaturen jenseits der 40 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Wer hier nicht vorbereitet ist, kommt nicht ins Ziel.
Jim Walmsley: Die Legende kehrt zurück
Sein Name ist untrennbar mit Western States verbunden. Jim Walmsley hat dieses Rennen dreimal gewonnen: 2018, 2019 und zuletzt 2023. Und er hält den Streckenrekord. 14:09:28 Stunden. Eine Zeit, die damals schier unvorstellbar schien und die Messlatte für eine ganze Generation von Ultraläufern gesetzt hat.
2026 ist Walmsley zurück. Das allein sorgt für Gänsehaut in der Community. Er ist kein Typ, der für symbolische Starts antritt. Wenn Walmsley sich an die Startlinie stellt, dann will er gewinnen. Sein Trainingsaufbau in den vergangenen Monaten deutet darauf hin, dass er in besserer Form als je zuvor sein könnte. Seine Fähigkeit, das Rennen taktisch zu lesen und im Mittelteil über die Canyons zu attackieren, hat keiner bisher so konsequent umgesetzt.
Die Frage ist nicht, ob Walmsley vorne mitlaufen wird. Die Frage ist, wer ihn diesmal ernsthaft herausfordern kann. Das Männerfeld 2026 mit den Top-Favoriten bringt mehrere Athleten mit, die in anderen Rennen Sub-24-Stunden-Leistungen gezeigt haben. Es wird keine freie Fahrt geben. Aber Walmsley weiß genau, wie man hier gewinnt.
Courtney Dauwalter und das stärkste Frauenfeld seit Jahren
Courtney Dauwalter braucht keine große Einführung mehr. Sie ist die dominanteste Kraft, die der Frauenultramarathon in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ihr Streckenrekord beim Western States steht bei 15:29:34 Stunden. Eine Marke, die sie selbst aufgestellt hat und die zeigt, was möglich ist, wenn Talent auf scheinbar übernatürliche Leidensfähigkeit trifft.
Dauwalter hat in den letzten Jahren nicht nur beim Western States, sondern beim gesamten Grand-Slam-Kalender des Ultrarunnings dominiert. UTMB, Hardrock 100, Leadville. Sie ist überall. Und sie gewinnt fast immer. Was sie von anderen unterscheidet, ist nicht nur ihre körperliche Stärke, sondern ihre mentale Stabilität in den dunkelsten Phasen eines Hunderters. Zuletzt bewies sie das eindrucksvoll, als sie beim Chianti Ultra Trail einen 4-Minuten-Rückstand aufholte und selbst in Momenten, in denen andere aufgeben, einfach lächelt und weitermacht.
Das Frauenfeld 2026 gilt als eines der tiefsten in der Geschichte des Rennens. Mehrere Athletinnen mit nachgewiesenen Leistungen auf 100-Meilen-Distanz werden Dauwalter herausfordern. Die Community erwartet einen echten Kampf im Mittelteil des Kurses, wenn die Hitze der Canyons alle Karten neu mischt. Für Fans des Sports wird das Verfolgen der Splits in diesem Jahr besonders spannend.
Startplätze, Lotterie und alles, was du wissen musst
Für die meisten Läuferinnen und Läufer beginnt der Western States lange vor dem Renntag. Der Zugang zum Start läuft über ein Lotterie-System. Wer sich einen der begehrten Startplätze sichern wollte, musste sich bis Dezember 2025 anmelden. Die Anmeldefrist für 2026 ist bereits geschlossen. Wer dieses Jahr dabei sein will, hat seinen Platz also bereits in der Tasche oder schaut von der Strecke zu.
Das Prinzip dahinter ist simpel: Du sammelst Lostickets durch erfolgreiche Qualifikationsrennen. Pro Jahr ohne Losglück kommt ein weiteres Ticket hinzu. Wer viele Fehlversuche hinter sich hat, steigt mit höherer Wahrscheinlichkeit ein. Das System ist fair, aber auch frustrierend, wenn man jahrelang leer ausgeht. Es gibt Athleten, die sieben oder acht Jahre auf ihren ersten Start gewartet haben.
Das Feld 2026 setzt sich entsprechend aus einer Mischung zusammen:
- Elite-Athleten mit gesetzten Startplätzen durch Einladung oder Vorjahresleistungen
- Altersklassenläufer mit Lotterieplätzen, viele davon mit jahrelanger Wartezeit
- Qualifizierte Athleten über anerkannte Vorqualifikationsrennen weltweit
- Mehrere Sub-24-Stunden-Qualifikanten, was die Gesamttiefe des Feldes unterstreicht
Wenn du 2027 dabei sein möchtest, solltest du bereits jetzt anfangen zu planen. Qualifikationsrennen müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraums vor der Anmeldung absolviert werden. Die Kosten für die Nennung liegen im Bereich von rund $400, dazu kommen Reise und Unterkunft in der Region Squaw Valley und Auburn. Günstig ist das nicht. Aber wer einmal dort war, versteht, warum Menschen ihr halbes Jahr darauf ausrichten.
Der 28. Juni 2026 wird ein Tag sein, über den Ultrarunning-Fans noch lange reden werden. Walmsley gegen das Feld. Dauwalter gegen die Uhr. 100 Meilen, die alles fordern. Stell deinen Wecker.