Ein Tag, der in die Comrades-Geschichte eingeht
Der 14. Juni 2026 war kein gewöhnlicher Renntag in Südafrika. Auf der 85,777 Kilometer langen Strecke vom Durban Beachfront hinauf nach Pietermaritzburg schrieben zwei Südafrikaner an einem einzigen Morgen Ultramarathon-Geschichte. Die Up-Run-Ausgabe des Comrades Marathon, eines der härtesten und traditionsreichsten Rennen der Welt, bekam gleich zwei neue Rekorde.
George Kusche lief eine Zeit, die viele Experten für in dieser Dekade unerreichbar gehalten hatten. Und Gerda Steyn bewies einmal mehr, warum sie zur besten Comrades-Läuferin aller Zeiten zählt. Was an diesem Tag passierte, verändert den Maßstab dafür, was auf dieser Strecke überhaupt möglich ist.
Hier bekommst du die vollständige Ergebnisübersicht, die Einordnung der Zeiten und alles, was du über diesen historischen Renntag wissen musst.
Kusche pulverisiert einen Rekord, der 18 Jahre stand
Leonid Shvetsovs Up-Run-Rekord aus dem Jahr 2008 galt als eine dieser Zeiten, die man eher mit Ehrfurcht betrachtet als mit dem Gedanken, sie eines Tages zu brechen. 5:24:49 hatte der Russe damals auf den Asphalt gebrannt. 18 Jahre lang hielt diese Marke stand, durch Generationen von Spitzenläufern hindurch.
George Kusche brauchte 5:15:56. Das sind 8 Minuten und 53 Sekunden weniger als Shvetsovs bisherige Bestmarke. Um das in Relation zu setzen: Fast neun Minuten auf einer 85-Kilometer-Strecke sind keine marginale Verbesserung. Das ist ein anderes Rennen. Kusche lief durchschnittlich deutlich unter vier Minuten pro Kilometer über die gesamte Distanz, inklusive der berüchtigten Anstiege wie Pollys Short und Fields Hill.
Was diese Leistung so bemerkenswert macht, ist nicht nur die reine Zeit. Es ist der Kontext. Der Up Run gilt als die härtere der beiden Comrades-Richtungen. Die Gesamthöhendifferenz, die anhaltenden Anstiege in der zweiten Hälfte und die kumulative Erschöpfung nach 70 Kilometern machen schnelle Zeiten hier schwieriger als beim Down Run. Kusche lief trotzdem schneller als je ein Mensch zuvor auf dieser Strecke.
Ergebnisse Männer: Das komplette Podium
Hinter Kusche lieferten die weiteren Podiumsplätze ebenfalls starke Zeiten. Piet Wiersma, der amtierende Champion aus den Niederlanden und Sieger der 2024er Ausgabe, kam als Zweiter ins Ziel. Seine Zeit von 5:19:36 wäre in fast jedem anderen Jahr ein Streckenrekord gewesen. An diesem Tag reichte sie für Platz zwei.
Den dritten Platz sicherte sich Mbuti Mollo in 5:21:31. Auch Mollo blieb damit unter dem alten Rekord von Shvetsov. Das bedeutet: Die ersten drei Männer liefen alle schneller als der bisherige Streckenrekord. Ein kollektives Leistungsniveau, das es beim Comrades Marathon so noch nicht gegeben hat.
- 1. George Kusche – 5:15:56 (Streckenrekord Up Run)
- 2. Piet Wiersma (Niederlande) – 5:19:36
- 3. Mbuti Mollo – 5:21:31
Wiersma hatte 2024 gezeigt, dass er zu den besten Comrades-Läufern der Welt gehört. Dass er 2026 erneut auf dem Podium steht, unterstreicht seine Konstanz auf dieser speziellen Distanz und Strecke. Mollo hingegen etabliert sich mit diesem Ergebnis endgültig in der Weltspitze des Ultramarathon-Sports.
Gerda Steyn: Fünf Titel und wieder ein neuer Rekord
Wenn man über den größten Tag in der Geschichte des Comrades Marathons diskutiert, darf man nicht vergessen, dass auf der Frauenseite etwas mindestens genauso Außergewöhnliches passierte. Gerda Steyn gewann ihr fünftes Comrades-Rennen. Fünf Titel. Das hat vor ihr keine Frau je geschafft.
Und sie ließ es sich nicht nehmen, dabei auch noch ihren eigenen Streckenrekord zu brechen. Steyn finishte in 5:44:53 und unterbot damit ihre eigene Bestmarke aus dem Jahr 2024 von 5:49:46 um fast fünf Minuten. Der Up-Run-Frauenrekord ist damit ihres. Zum zweiten Mal. Das ist die Art von dominanter Leistung, die man in Jahrzehnten nur einmal sieht.
Was Steyns Karriere so beeindruckend macht, ist die Kombination aus Konstanz und kontinuierlicher Leistungssteigerung. Sie ist nicht einfach oft dabei. Sie gewinnt, und sie läuft dabei schneller als jede Frau vor ihr. Mit 34 Jahren zeigt sie keine Zeichen, dass dieses Niveau bald abnimmt.
Ergebnisse Frauen: Das Podium und was es bedeutet
Den zweiten Platz bei den Frauen sicherte sich Nobukhosi Tshuma in einer Zeit von 5:53:36. Tshuma läuft seit Jahren stark bei großen südafrikanischen Ultras und lieferte hier ihr bislang bestes Comrades-Ergebnis ab. Weniger als zehn Minuten hinter Steyn zu finishen, ist eine starke Leistung, auch wenn der Abstand zur Siegerin am Ende deutlich wirkt.
Irvette van Zyl komplettierte das Podium auf Platz drei mit 6:02:30. Van Zyl ist eine der bekanntesten Ultramarathon-Läuferinnen Südafrikas und hat am Comrades-Wettbewerb schon mehrfach teilgenommen. Ein Podiumsplatz in einer so starken Ausgabe des Rennens ist ein weiterer Beleg für ihre Klasse.
- 1. Gerda Steyn – 5:44:53 (Streckenrekord Up Run Frauen)
- 2. Nobukhosi Tshuma – 5:53:36
- 3. Irvette van Zyl – 6:02:30
Das Frauenfeld 2026 war eines der schnellsten in der Geschichte des Rennens. Tshuma und Van Zyl wären in vielen früheren Jahrgängen selbst Rekordläuferinnen gewesen. Dass beide stattdessen hinter Steyn ins Ziel kamen, sagt alles über das aktuelle Niveau dieser südafrikanischen Läuferin.
Was diese Zeiten für den Ultramarathon-Sport bedeuten
Der Comrades Marathon ist kein normales Rennen. Es ist 89 Jahre alt, hat eine eigene Kultur, eine eigene Mythologie und eigene Maßstäbe. Rekorde auf dieser Strecke haben ein besonderes Gewicht, gerade weil die Bedingungen so unberechenbar sind. Hitze, Wind und Höhenprofil machen konstant schnelle Zeiten extrem schwer über mehr als fünf Stunden.
Was Kusche und Steyn am 14. Juni 2026 getan haben, ist deshalb nicht nur statistisch relevant. Es verschiebt die Grenzen dessen, was im Ultramarathon für Menschen leistbar ist. Kuschs Zeit von 5:15:56 liegt in einem Bereich, den die meisten gut trainierten Hobbyläufer nicht mal über die Marathondistanz laufen. Über 85 Kilometer, bergauf, nach Pietermaritzburg.
Für den Sport bedeutet das: Die Messlatte liegt jetzt höher. Zukünftige Generationen werden gegen diese Zeiten antreten. Und wer den Comrades Marathon in den nächsten Jahren gewinnen will, weiß jetzt genau, welches Niveau dafür nötig ist. Das ist das bleibende Vermächtnis dieses Renntags.