Die 40. Ausgabe des härtesten Laufs der Welt
Vom 5. bis 11. April 2026 findet in der Sahara die 40. Ausgabe des Marathon des Sables statt. Über 252,8 Kilometer verteilt auf sechs Etappen kämpfen sich zwischen 1.200 und 1.500 Läuferinnen und Läufer aus aller Welt durch Sand, Hitze und Einsamkeit. Ein Jubiläum, das dem Rennen eine besondere Bedeutung verleiht.
Seit Patrick Bauer 1986 die erste Ausgabe ins Leben rief, hat sich der MDS zur bekanntesten Ultramarathon-Veranstaltung weltweit entwickelt. Was damals mit einer kleinen Gruppe Abenteurer begann, ist heute ein globales Phänomen. Teilnehmer aus über 50 Nationen stehen am Start, vom ambitionierten Hobbyläufer bis zum Profiathlet.
Das Besondere: Die Route wechselt jedes Jahr. Patrick Bauer und sein Team wählen neue Abschnitte der marokkanischen Sahara aus, sodass selbst erfahrene Finisher nie genau wissen, was sie erwartet. Dunes, Felsplateaus, ausgetrocknete Flussbetten. Die Wüste bleibt unberechenbar.
Etappen, Distanzen und die berüchtigte Langstrecke
Die 252,8 Kilometer verteilen sich auf sechs Etappen, die unterschiedlich lang und anspruchsvoll sind. Die ersten Etappen liegen meist zwischen 30 und 40 Kilometern. Genug, um die Beine zu testen und sich an Hitze sowie Sand zu gewöhnen. Aber das ist nur die Einstimmung.
Das Herzstück des Rennens ist die sogenannte Langstrecke. Sie umfasst rund 80 Kilometer und wird in einem Stück gelaufen, oft bis tief in die Nacht hinein. Wer hier keine Stirnlampe dabei hat, steht buchstäblich im Dunkeln. Diese Etappe ist der Moment, an dem viele Teilnehmer an ihre mentalen und körperlichen Grenzen stoßen.
Danach folgt eine kürzere Etappe als eine Art Erholungstag, bevor die klassische Marathon-Distanz auf dem Programm steht. Den Abschluss bildet eine symbolische letzte Etappe, die mehr Zeremonie ist als Wettkampf. Die Zeitlimits pro Etappe liegen zwischen 8,5 und 34 Stunden, je nach Streckenlänge. Wer das Limit überschreitet, scheidet aus.
- Etappe 1: ca. 30 bis 35 km
- Etappe 2: ca. 35 bis 40 km
- Etappe 3: ca. 30 bis 35 km
- Etappe 4: die Langstrecke, ca. 75 bis 85 km
- Etappe 5: klassische Marathon-Distanz, 42,2 km
- Etappe 6: ca. 8 bis 10 km, symbolischer Abschluss
Was den Marathon des Sables so einzigartig macht
Andere Ultramarathons sind lang. Manche sind heiß. Aber der MDS kombiniert beides mit einem entscheidenden Faktor: Selbstversorgung. Jeder Teilnehmer trägt seinen gesamten Proviant für die Woche selbst. Schlafsack, Verpflegung, Notfallausrüstung. Veranstalter stellen lediglich Wasser an Checkpoints und ein einfaches Berberzelt als Unterkunft.
Das Gewicht des Rucksacks beträgt zu Beginn meist zwischen 8 und 12 Kilogramm. Mit jedem Kilometer, den du isst, wird er leichter. Aber die Beine werden schwerer. Die Kalorienplanung ist dabei keine Kleinigkeit. Zu wenig Essen bedeutet Leistungseinbruch, zu viel Gewicht kostet Zeit und Kraft. Die meisten Teilnehmer kalkulieren mit mindestens 2.000 Kilokalorien pro Tag, meist aus gefriergetrockneten Mahlzeiten und energiereichen Riegeln.
Dazu kommt die Hitze. Temperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius am Tag sind keine Seltenheit. Sandstürme können innerhalb von Minuten aufkommen. Die Navigation erfolgt mit Karte und Kompass, GPS-Geräte sind nicht erlaubt. Wer die Route verliert, verliert Zeit. Und Zeit ist in der Wüste alles — genau wie die richtige Hydrationsstrategie beim Laufen, die über Erfolg oder Aufgabe entscheiden kann.
Vorbereitung und was es wirklich braucht, um anzukommen
Den MDS zu finishen ist kein Sprint, sondern das Ergebnis monatelanger, oft jahrelanger Vorbereitung. Ein solides Trainingsvolumen von mindestens 80 bis 100 Laufkilometern pro Woche gilt als Mindestanforderung für ernsthafte Kandidaten. Wichtiger ist aber die Qualität des Trainings. Back-to-back-Läufe am Wochenende, also zwei lange Läufe an aufeinanderfolgenden Tagen, simulieren die kumulative Erschöpfung der Etappen — wer tiefer einsteigen möchte, findet in den Grundlagen des Ultramarathon-Trainings einen soliden Einstieg.
Gleichzeitig musst du das Laufen mit dem Rucksack üben. Ein leerer Rucksack fühlt sich nach wenigen Kilometern anders an als ein beladener nach 40 Kilometern Sand. Blasenprävention ist ein eigenes Thema. Die meisten erfahrenen MDS-Teilnehmer kleben ihre Füße vor jeder Etappe systematisch ab und kennen ihre Problemstellen genau.
Die Anmeldegebühr liegt je nach Nationalität und Zeitpunkt der Buchung bei rund 3.500 bis 4.000 €. Dazu kommen Ausrüstung, Training, Reisekosten und Visum. Wer den MDS ernsthaft angeht, rechnet schnell mit einem Gesamtbudget von 6.000 bis 8.000 €. Das ist eine Investition in eine Erfahrung, die die meisten Finisher als das Intensivste ihres Lebens beschreiben.
Was am Ende bleibt, ist schwer in Worte zu fassen. Sechs Tage Wüste, wenig Schlaf, Schmerzen, Hitze und trotzdem jeden Morgen wieder aufstehen und weiterlaufen. Der MDS ist kein Rennen, das du gewinnst. Es ist eines, das du überlebst. Und genau das macht die 40. Ausgabe für alle, die dabei sind, zu etwas Besonderem.