Warum 2025 das stärkste M&A-Jahr der Fitnessbranche war
Der Houlihan Lokey Fitness Market Update vom März 2026 ist unmissverständlich: 2025 war ein „Banner Year" für Übernahmen und Fusionen im Fitnesssektor. Das bedeutet nicht einfach viel Aktivität. Es bedeutet, dass Kapital, Käufer und Betreiber in einem Ausmaß zusammengekommen sind, das die Branche strukturell verändert hat.
Für dich als Betreiber ist das keine abstrakte Finanzmarktnachricht. Es ist ein direktes Signal dafür, wie dein Business bewertet wird, wenn du in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten auf Käuferseite oder Verkäuferseite stehst. Die Frage ist nicht ob M&A deinen Markt trifft, sondern wie gut du vorbereitet bist.
Houlihan Lokey identifiziert drei Modalitäten, die den Löwenanteil des Käuferinteresses auf sich ziehen: Krafttraining, Pilates und integriertes Wellness. Das sind keine Trends mehr. Das sind Dealdriver. Und die laufenden Transaktionen zeigen, dass dieser Rahmen bereits in echtes Kapital übersetzt wird.
Die Deals, die den Markt gerade definieren
Zwei Transaktionen illustrieren, wie das Käuferinteresse an Pilates in konkretes Kapital überführt wird. Das Aligned Fitness Rollup von 55 Club-Pilates-Studios ist ein Paradebeispiel dafür, wie PE-Käufer fragmentierte Standorte unter einem Dach konsolidieren, um Skaleneffekte in Betrieb, Einkauf und Markenführung zu heben. Gleichzeitig zeigt die Playlist-EGYM-Fusion im Fitness-Tech mit einem Transaktionswert von $7,5 Milliarden, dass digitale Trainingsinfrastruktur und studiobasiertes Fitness längst nicht mehr getrennte Kategorien sind.
Auf der Seite der großen HVLP-Konsolidierung steht die Flynn Group-Übernahme von Grand Fitness Partners. Der Deal umfasst 98 Planet-Fitness-Standorte und wurde am 31. März 2026 abgeschlossen. Flynn ist bereits einer der größten Franchise-Betreiber der Welt. Diese Akquisition ist kein Zufall, sondern Teil einer systematischen Strategie, Marktanteile in reifen, cashflow-starken Formaten zu bündeln.
In Europa erzählt der VivaGym-Synergym-Deal eine ähnliche Geschichte aus einer anderen Perspektive. Die Zusammenführung auf eine Basis von rund 450 Clubs auf der iberischen Halbinsel ist eine klassische Regional-Dominanz-Strategie. Wer in einem Markt die kritische Masse erreicht, kontrolliert Mietpreisverhandlungen, Talentmärkte und Marketingkosten gleichzeitig. Diese Dynamik findet sich nicht nur in Spanien und Portugal. Sie ist das Playbook, das Käufer weltweit ausrollen.
Was PE-Käufer wirklich in deinen Zahlen suchen
Wenn Private-Equity-Firmen in die Datenräume gehen, schauen sie nicht zuerst auf den Umsatz. Sie schauen auf EBITDA-Margin-Qualität. Das bedeutet: Wie viel vom Umsatz bleibt nach allen operativen Kosten übrig. und wie stabil ist diese Marge über verschiedene Monate und Zyklen hinweg. Ein Studio mit 800.000 € Umsatz und 22 Prozent EBITDA-Marge ist für einen strategischen Käufer attraktiver als ein Studio mit 1,2 Millionen € Umsatz und 9 Prozent Marge.
Der zweite zentrale Werthebel laut Houlihan Lokey ist die Mitgliederbindungsrate. Churn ist der stille Wertvernichter in jedem Fitness-Business. Käufer rechnen die Lifetime-Value-Annahmen sehr genau durch. Ein Betrieb mit 85 Prozent Jahresbindung wird grundlegend anders bewertet als einer mit 68 Prozent, selbst wenn die aktuellen Umsatzzahlen ähnlich aussehen. Deine Retention Rate und ihre Auswirkung auf die Bewertung ist kein operatives Thema. Sie ist ein Bewertungsthema.
Der dritte Faktor ist wiederkehrendes digitales Revenue. Ob das App-Abonnements, hybride Trainingsmodelle oder digitale Mitgliedschaften sind, spielt eine nachgeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass ein Teil deines Umsatzes nicht standortgebunden und nicht von einzelnen Trainerpersönlichkeiten abhängig ist. Käufer sehen digitale Revenue-Streams als Beweis für Skalierbarkeit. Und Skalierbarkeit ist das zentrale Argument für höhere Multiplikatoren.
Wie du dein Business jetzt positionierst
Die Houlihan-Lokey-Daten geben dir einen konkreten Rahmen, unabhängig davon, ob du in den nächsten Jahren verkaufen willst oder nicht. Operationale Disziplin, die deine Bewertungsmultiplikatoren verbessert, macht dein Business besser. Nicht nur attraktiver für Käufer, sondern widerstandsfähiger, profitabler und leichter zu führen.
Das heißt in der Praxis:
- EBITDA-Transparenz schaffen. Deine Buchhaltung sollte so aufgestellt sein, dass ein externer Käufer in zwei Wochen versteht, was dein Business wirklich verdient. Unklare Kostenstrukturen, persönliche Ausgaben im P&L oder nicht dokumentierte Add-backs vernichten Bewertungspunkte.
- Retention-Daten systematisch erheben. Wenn du deine Churn-Rate nicht monatlich trackst, hast du keinen Hebel, sie zu verbessern. Und du kannst sie in einer Due-Diligence nicht belegen. Beides ist ein Problem.
- Digitalen Umsatz aufbauen, auch wenn er klein beginnt. Ein hybrides Angebot mit 150 aktiven digitalen Mitgliedschaften à 29 € im Monat ist kein großer Umsatzposten. Aber er zeigt Käufern, dass du die Infrastruktur für Skalierung bereits aufgebaut hast.
- Modalitäts-Positionierung überprüfen. Kraft und Pilates sind laut Houlihan Lokey die Dealdriver. Wenn dein Studio in einem dieser Segmente unterrepräsentiert ist, solltest du das nicht nur aus Mitgliederperspektive, sondern auch aus Bewertungsperspektive überdenken.
Für regionale Multi-Standort-Betreiber kommt noch eine weitere Dimension hinzu. Die VivaGym-Synergym-Logik gilt nicht nur für 450-Club-Konglomerate. Auch ein Betreiber mit sechs Standorten in einer mittelgroßen Stadt kann eine Regional-Dominanz-Story erzählen, wenn die Marktdurchdringung, die Markenwiedererkennung und die operativen Synergien klar dokumentiert sind. Das ist kein Selbstläufer. Das ist Arbeit. Aber es ist die Arbeit, die den Unterschied zwischen einem 5x-Multiple und einem 8x-Multiple ausmacht.
Der Houlihan-Lokey-Report ist kein Aufruf zum sofortigen Verkauf. Er ist eine Landkarte. Und wer sie liest, entscheidet bewusster, wohin er sein Business steuert.